NN (L) Frontier Markets Debt Hard Currency „Viele Frontier Markets sind wie China vor 20 Jahren“

Fondsmanager Roy Scheepe

Fondsmanager Roy Scheepe

private banking magazin.de: Herr Scheepe, was verstehen Sie unter „Frontier Markets“?

Roy Scheepe: Frontier Markets sind die nächste Generation der Emerging Markets. Das Einkommen pro Kopf ist in den Ländern noch gering und liegt bei bis zu 5.000 oder 6.000 US-Dollar. Sie sind mit einem Non-Investmentgrade-Rating bewertet, ihre Finanzmärkte sind noch unterentwickelt. Um für uns interessant zu sein, müssen sie jedoch Bonds in Hartwährung im Angebot haben, und diese müssen auch zugänglich sein.

Das lange isolierte Myanmar beispielsweise ist aus makroökonomischer Sicht ein viel versprechender Frontier Market. Allerdings können Sie dort zurzeit weder Anleihen noch Aktien kaufen.

private banking magazin.de: Wie viele Frontier Markets umfasst Ihr Universum?

Scheepe: Der Fonds* (ISIN LU0990547605) orientiert sich am NEXGEM Index von JP Morgan. Der Index ist zwar nicht optimal, da er zum Beispiel auch Argentinien enthält, aber er ist aus unserer Sicht der beste verfügbare Index. Er umfasst zurzeit 29 Staaten aus Europa, Lateinamerika, Asien und Afrika, darunter zum Beispiel Sri Lanka, Nigeria, die Elfenbeinküste oder den Irak. Wir investieren nicht jederzeit in alle Indexstaaten und können Länder hinzunehmen, die nicht im Index sind. Zum Beispiel haben wir auch Anleihen aus Venezuela und Ruanda im Portfolio.

Unser Universum umfasst momentan rund 60 bis 70 Anleihen von über 30 Emittenten. Der klare Schwerpunkt liegt auf Hartwährungen, vor allem auf Anleihen in US-Dollar. Wir können aber auch bis zu zehn Prozent Lokalwährungsanleihen beimischen und werden dies noch in diesem Jahr tun.

private banking magazin.de: Handelt es sich bei den Emittenten nur um Staaten oder auch um Unternehmen?

Scheepe: Die meisten Anleihen sind von Staaten emittiert. Mit der Weiterentwicklung eines Landes kommen aber auch Papiere von Unternehmen ins Spiel. Zurzeit haben wir nur eine Unternehmensanleihe im Portfolio, vom Flughafen der Dominikanischen Republik.

private banking magazin.de: Frontier Markets bergen viele Unsicherheiten. Haben Sie diese im Blick?

Scheepe: NN Investment Partners investiert seit über 20 Jahren in Emerging-Markets-Anleihen. Wir haben eine aufwändige eigene Länderbewertung entwickelt, die auch die Grundlage für den neuen Fonds ist. Zudem besuchen unsere Experten die Länder. Die Vor-Ort-Recherche ist bei Frontier Markets noch viel bedeutender als bei den größeren Schwellenländern.

private banking magazin.de: Welche Vorteile bieten Frontier Markets den Investoren gegenüber klassischen Emerging Markets?

Scheepe: Die meisten Frontier Markets zeichnen sich durch ein hohes Wirtschaftswachstum aus. Sie haben noch viel Potenzial vor sich. Viele stehen auf der Stufe, auf der China vor 20 Jahren stand. Sie bieten höhere Renditen als klassische Emerging Markets und sind aufgrund ihrer geringen Transparenz noch ineffizienter, sodass sich dort mit einem umfassenden Research attraktive Chancen aufspüren lassen. Die Fundamentaldaten sind in vielen Frontier Markets besser als allgemein angenommen.

Außerdem bieten Frontier-Markets-Anleihen eine gute Diversifikation für das Portfolio. Ihre Korrelation mit anderen Asset-Klassen ist zurzeit extrem gering, zu US-Staatsanleihen beispielsweise liegt sie bei null. Strömt mehr ausländisches Kapital in die Märkte, werden auch die Korrelationen etwas steigen.

private banking magazin.de: Ein Nachteil dürfte die niedrigere Liquidität der Märkte sein. Wie gehen Sie damit um?

Scheepe: Wir kaufen nur liquide Anleihen. Das ist für uns wichtig, da unser Fonds auf täglicher Basis ge- und verkauft werden kann. Wir achten dabei auf die Größe und die Geld-Brief-Spanne der Emission. Zudem berücksichtigen wir die Investorenstruktur. Hat ein Investor einen sehr großen Anteil, kann er bei Verkauf stark den Preis beeinflussen. Zurzeit hat unser Fonds ein Volumen von rund 100 Millionen Dollar.

Bis zu einem Volumen von 300 bis 350 Millionen Dollar sehen wir aktuell keine Probleme. Wir erwarten, dass wir in dem Fonds künftig noch größere Summen managen können, da der Markt wachsen wird. In diesem Jahr dürften weitere Frontier-Market-Debt-Fonds in den Vertrieb kommen. Mit steigender Nachfrage nach der Anlageklasse wird auch das Angebot zunehmen. Finanzierungsbedarf ist in den betreffenden Ländern durchaus vorhanden. Zudem wächst die Gruppe der Frontier Markets.

private banking magazin.de: In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat der Fonds bereits 5,5 Prozent zugelegt. Geht das so weiter?

Scheepe: Die Weltwirtschaft ist auf dem Weg der Erholung. Diese wird diesmal von den entwickelten Märkten angetrieben. Die Emerging und Frontier Markets dürften jedoch folgen. Die Zinswende in den USA steht bevor. Während wir für amerikanische Staatsanleihen in diesem Jahr mit negativen Erträgen rechnen, erwarten wir bei Emerging-Markets-Anleihen ein Plus. Die Risikoaufschläge für die Frontier Markets sind auf mittlere Sicht fair. Wir erwarten Neuemissionen mit attraktiven Konditionen, die weitere Investoren anziehen werden und den Markt wachsen lassen. Frontier-Markets-Anleihen sind aber keine Einbahnstraße. Sie sind im Vergleich zu anderen Anleihetypen sehr volatil.

Die Schwankungen sind jedoch deutlich geringer als bei Aktien aus den Grenzmärkten.

* P Cap EUR (hedged)