Mike Judith vom „Country Distribution Roundtable“ in Monaco „Vier Prozent und kein Risiko“

Mike Judith, DNB Asset Management

Mike Judith, DNB Asset Management

Die Agenda des ersten Konferenztages kündigt eines der, aus meiner Sicht, vielversprechendsten Panels als exklusiven „Country Distribution Roundtable“ für den Luxemburgisch und Deutsch sprechenden Teil Europas an.

Die ausdrückliche Erwähnung der eher überschaubaren Luxemburgisch sprechenden Gemeinde bereitet dem Chairman dieser Podiumsdiskussion sichtlich Freude, schließlich kommt CACEIS-Manager Serge Weyland aus dem „Groussherzogtum Lëtzebuerg“. Die Erleichterung unter den Anwesenden ist dennoch groß, als der Chairman die Diskussion auf Englisch und nicht in der Muttersprache des letzten Großherzogtums dieser Welt eröffnet.

Mag. Albert Reiter, Geschäftsführer von e-fundresearch.com, einem Informationsanbieter mit Sitz in Wien, gibt zunächst einen Überblick über die deutsche, österreichische, schweizerische und luxemburgische Dachfonds-Landschaft.

„Taktische Asset Allocation von Dachfondsmanagern reine Zeitverschwendung“

140 Milliarden Euro werden seiner Auskunft nach in diesen Ländern allein in Dachfonds verwaltet. Ein interessantes Detail: Auf dem heutigen Podium werden 25 Milliarden Euro durch die anwesenden Fondsmanager repräsentiert, die sich keineswegs vor klaren Aussagen scheuen, um Ihre Standpunkte und Managementansätze zu erläutern.

So hält Sauren-Vorstand Ansgar Guseck die taktische Asset Allocation von Dachfondsmanagern für „reine Zeitverschwendung, da niemand weiß, welche Assetklasse in Kürze outperformen wird.“ Seinen Lösungsvorschlag formuliert er als pures „Bottom-up-Fund-Manager-Picking“.

Veritas-Geschäftsführer Markus Kaiser hält eine aktive Portfoliokonstruktion für unabdingbar, „Buy and hold“ für den falschen Weg und setzt ausschließlich auf passiv gemanagte Produkte wie ETFs: „Die Aktienquote kann in unserem Fonds von null bis einhundert Prozent variieren und liegt derzeit im mittleren Bereich.“

Ansgar Guseck teilt diesen Standpunkt nicht. Er kann sich ETFs nur für kurze Halteperioden vorstellen und setzt langfristig auf „aktive Fondsmanager, die das Alpha aus den Märkten extrahieren können.“

Christian Hille, der DWS-Multimanager-Experte, wird nicht müde, die Beständigkeit von Strategie und Outperformance von Zielfonds als wichtiges Auswahlkriterium zu betonen und weist darüber hinaus auf einen klassischen Irrtum hin, die Risikostruktur eines Portfolios pauschal nach seiner Assetklasse oder Strategie zu bemessen. „Der tatsächliche Risikobeitrag einer Anlageklasse muss genau beobachtet und kalkuliert werden, um ein den tatsächlichen Umständen entsprechendes Bild zu erhalten und dem veranschlagten Risikobudget gerecht zu werden.“

„Vier Prozent und kein Risiko“

Was sind die Trends im Asset Management? Harald Egger, CIO und Fondsmanager bei der österreichischen Erste-Sparinvest, fasst die Erwartungshaltung institutioneller Investoren auf Nachfrage kurz und bündig zusammen: „Vier Prozent und kein Risiko.“ Mit einem ironischen Unterton merkt er zur allgemeinen Erheiterung an, dass die Ansprüche von Investorenseite durchaus schon einmal herausfordernder waren.

Einen ernsteren Harald Egger erlebt das Plenum, als er von der zu beobachtenden „Underperformance aktiver Manager in fallenden Märkten“ berichtet. Er ergänzt, dass die Erste-Sparinvest „aus diesem Grund verstärkt in ETFs investiert.“ Man suche aber auch weiterhin nach aktiv verwalteten Produkten.

Auch Christophorus Lehmann, leitender Fondsanalyst und Dachfondsmanager bei Raiffeisen Capital Management, greift auf aktiv gemanagte Portfolios zurück. Er erläutert den Selektionsansatz seines Hauses so: „Wir setzen sowohl auf Core- als auch auf Satellitenstrategien. Bei letzteren sind wir offener, was Tracking Error und Gebührenstruktur anbetrifft. Core-Investments müssen sich hingegen durch eine günstige Kostenstruktur auszeichnen.“

Mich als Vertreter des norwegischen Nischenanbieters DNB Asset Manager freut, dass der RCM-Manager für hochspezialisierte Boutiquen mit überzeugendem Satellitenangebot wirbt. Den hohen qualitativen Anforderungen seines österreichischen Hauses müssten diese Anbieter natürlich standhalten, um eine nachhaltige Leistungsfähigkeit sicherzustellen.

Kundennutzen in einem „Tweet“

Nach dieser einstündigen Podiumsdiskussion steht für mich das „Fund Selector Asset Manager Speed Networking“ an, bei dem ich interessierten Analysten die UCITS-Fonds meiner Bank, die auch auf internationalem Level als führend angesehen werden können, vorstellen darf.

Eine Minute muss gemäß dem Veranstaltungskonzept für die Vorstellung genügen, damit ich in zwanzig Minuten dieselbe Anzahl an Fondsanalysten kennenlernen kann. Eine in vielerlei Hinsicht spannende Übung, wie ich finde.

Ich muss an den gestrigen eindrucksvollen Vortrag von Pedro Simko denken, einem Executive Board Member bei Saatchi & Saatchi, der vehement die Meinung vertritt, dass der durch das eigene Unternehmen geschaffene Kundennutzen in einem „Tweet“ erklärt werden können muss. Ansonsten müsse das eigene Geschäftsmodell überdacht werden.

Es stellt sich heraus, dass 140 Zeichen in 60 Sekunden auch bei normaler Sprechgeschwindigkeit durchaus machbar sind. Mein DNB-Kollege Spiros Alan Stathacopoulos, der mich beim Speed Networking unterstützt, schlägt nach den Blitzmeetings eine kurze Pause und einen Ausflug zum Buffet vor. „Ein hungriger Bär tanzt nicht gern“, heißt es schließlich vielsagend in Griechenland. Wie wahr, wie wahr. George Soros würde es wohl ähnlich sehen.

Zum ersten Bericht von Mike Judith aus Monaco: Kein schlechter Ort zum Lernen

Zum zweiten Bericht von Mike Judith aus Monaco: „Eine Schlüsselposition werden Nischenanbieter nie einnehmen“

Mike Judith ist seit Juni 2010 bei DNB Asset Management S.A. in Luxemburg und ist dort verantwortlich für das Geschäft mit internationalen institutionellen Investoren.