BCG-Studie Vermögensverwaltungen auf dem Weg zu alter Stärke

Wie geht es eigentlich Vermögensverwaltern? Zum elften Mal geht die Boston Consulting Group (BCG) der Frage nach und analysiert dazu Daten aus 42 Ländern, die rund 98 Prozent der Branche abbilden. Das Ergebnis: Die Branche erholt sich. 62,4 Billionen US-Dollar befanden sich 2012 weltweit in der Hand von Vermögensverwaltern – das entspricht nicht nur einem Zuwachs von 9 Prozent im Vergleich zu 2011, sondern knackt gleichzeitig auch das Vorkrisenniveau von 2007. Damals lagen 57,2 Billionen Dollar bei den Vermögensverwaltern.

Dieses Comeback lässt sich allerdings eher auf die gute Stimmung an den globalen Aktien- und Rentenmärkten zurückführen, als auf hohe Nettomittelzuflüsse. Mit einem Plus von 1,2 Prozent befinden letztere sich zwar ebenfalls im Aufwind, bleiben aber deutlich hinter den jährlichen 3 bis 6 Prozent der Vorkrisenjahre zurück.

Auch der Branchengewinn liegt mit 80 Milliarden Dollar noch rund 15 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Während die Margen insgesamt auf 37 Prozent der Nettoerlöse stiegen, bleibt das Geschäft schwankungsanfällig. Auch teilweise rückläufige Erlösmargen und starke Unterschiede bei einzelnen Anbietern, Produkten oder Regionen bereiten der Branche weiterhin Bauchschmerzen. Das gilt besonders für traditionelle Anlageklassen. Kai Kramer, Partner bei BCG und einer der Studienautoren, mahnt zur Vorsicht: „Viele Asset Manager verdienen immer noch viel Geld mit traditionellen Anlageklassen. Dadurch wird oft die Dringlichkeit ausgeblendet, sich mit strukturellen Veränderungen auseinanderzusetzen, die sich bereits zeigen.“

Dass dieser Rat sich auszahlen kann, bestätigt die Studie: Zu den erfolgreichsten Verwaltern zählen sowohl Anbieter spezieller Anlageklassen, als auch traditionelle Anbieter, die zusätzlich auf schnell wachsende Klassen wie Solutions und Spezialitäten setzen. Solche Unternehmen steigerten ihre Gewinne seit 2010 jährlich um 10 Prozent, während traditionelle Anbieter heute 2 Prozent weniger verdienen als etwa noch vor 13 Jahren.

Im Ländervergleich haben die USA die Führung übernommen. Während die Gewinne der US-Verwaltungshäuser 2012 um 10 Prozent über den Vorkrisenwerten von 2007 standen, haben die europäischen Anbieter seit 2007 um 31 Prozent nachgegeben. Die US-Vermögensverwalter nutzen die Situation zu ihrem Vorteil und expandieren weiter auf dem europäischen Markt, so die Studie.

Global betrachtet sehen sich Vermögensverwalter mittlerweile einer zweigeteilten Welt gegenüber: Die der kleinen, aufstrebenden Märkte mit deutlich höheren Zuwachsraten einerseits und die der etablierten Industriestaaten. Deren absolutes Wachstum ist aufgrund ihrer Marktgröße allerdings immer noch höher. Einige Industriestaaten, wie Deutschland oder die USA, erwirtschafteten ein solides Wachstum von 10 Prozent. Andere, wie Italien und Frankreich, blieben im einstelligen Bereich.

Unterdessen wuchsen die verwalteten Kapitalanlagen weltweit. In Deutschland um 11 Prozent auf 2,3 Billionen Dollar. In Japan waren es 6 Prozent – gegenüber 17 auf dem gesamten Kontinent. Australien kam auf ein Plus von 14 Prozent, genau wie Lateinamerika, dicht gefolgt von Südafrika und dem Nahen Osten mit 12 Prozent.