US-Zinspolitik „Die Fed riskiert, den Entwicklungen hinterher zu laufen“

Janet Yellen, Vorsitzende der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Verschließt die Fed die Augen vor der Notwendigkeit einer Zinsanhebung? | © Getty Images

Janet Yellen, Vorsitzende der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Verschließt die Fed die Augen vor der Notwendigkeit einer Zinsanhebung? Foto: Getty Images

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In den USA herrscht derzeit nahezu Vollbeschäftigung. Ein Umstand, der eine Normalisierung der Zinsen rechtfertigen würde. Dennoch ist die Fed bislang tatenlos geblieben. Das Problem: Je länger die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zögert, ihre Zinsen zu erhöhen, desto mehr steigt für sie das Risiko, ins Hintertreffen zu geraten.

Geldpolitik alleine kann Wachstum nicht ankurbeln

Schleppendes Wirtschaftswachstum in den USA und weltweit ist laut einer Reihe von Beobachtern der Grund, dass die Fed die Zinsen unverändert belässt. Jedoch kann Geldpolitik alleine das Wachstum nicht ankurbeln. Und das ist auch überhaupt nicht die Aufgabe der Notenbank. Stattdessen sollten sich Yellen und ihre Kollegen auf ihr duales Mandat konzentrieren: Maximierung der Beschäftigungszahlen und Stabilisierung der Preise.

Wenn die USA tatsächlich eine „neue Normalität“ erreicht haben, in der das Wachstum dauerhaft niedriger ausfällt, riskiert die Fed, mit ihrer laxen Geldpolitik eine Inflation der Real- oder Vermögenspreise anzuheizen. Bei jeder ihrer geldpolitischen Sitzungen hat die US-Notenbank Ausreden gefunden, ihre Zinsen unverändert zu belassen – die Häufigste: Diverse wirtschaftliche Herausforderungen weltweit.

Künstliche Nachfrage

Zum Glück für die Fed profitiert sie derzeit von globaler Liquidität. Diese sorgt für Abwärtsdruck auf die Zinsen und ermöglicht es der Fed, die nächste Zinserhöhung weiter hinauszuzögern. Gleichzeitig zwingt finanzielle Repression einige Anleger, US-Schatzanleihen zu kaufen, was für eine künstliche Nachfrage sorgt. Wenn die Gesamtinflation jedoch auf 3 Prozent ansteigt, während Vollbeschäftigung herrscht und die Wirtschaft ihr volles Wachstumspotenzial ausschöpft, werden viele Anleger sicherlich hinterfragen, warum sie eine 10-jährige Anleihe kaufen, die mit 1,6 Prozent bis 1,7 Prozent eine negative Realrendite bietet.

Daher gilt es, Zinsrisiken – insbesondere bei US-Schatzanleihen – weiterhin zu vermeiden. Ausländische Anleger werden wohl kaum weiterhin daran interessiert sein, Defizite der USA zu finanzieren.

Eine toxische Mischung?

Es erscheint wahrscheinlich, dass die US-Regierung im kommenden Jahr eine expansive Fiskalpolitik betreibt. Zusammen mit einer expansiven Geldpolitik könnte sich – sofern die Notenbank ihren Kurs nicht ändert – im Hinblick auf die Inflationsdynamik eine toxische Mischung ergeben. Unserer Einschätzung nach gehen Anleger ein erhebliches Risiko ein, wenn sie darauf setzen, dass sich diese Rally bei Schatzanleihen, die über mehrere Jahrzehnte hinweg angehalten hat, wiederholen kann.

Weitere Einzelheiten zu den Ansichten des Teams zum Thema Inflation finden Sie hier.