Flossbach, DJE & Co. UAM-Report zeigt Stärken und Schwächen unabhängiger Asset Manager

Professor Frank W. Mühlbradt ist Geschäftsführer des Informationsdienstleisters Finanzresearch.  | © Florian Hammerich

Professor Frank W. Mühlbradt ist Geschäftsführer des Informationsdienstleisters Finanzresearch. Foto: Florian Hammerich

Unternehmen der Finanzindustrie stehen in letzter Zeit zunehmend auf dem Prüfstand. Für sie wird eine höhere Ausstattung mit Eigenmitteln gefordert. Ziel ist eine höhere Krisenresistenz. Für Banken bereits länger und zuletzt auch für Versicherer wird damit ihre Unternehmensstärke ein wichtigeres Thema. Ähnliches gilt aber auch für unabhängige Asset Manager (UAM). Auch diese müssen sich über kurz oder lang mit ihrer Unternehmensstärke beschäftigen.

Einige gut aufgestellte Marktteilnehmer tun dies bereits. So liest sich auch das Statement eines mittelgroßen, profilierten UAM in seinem Jahresabschluss 2015: „Die Stärke unseres Unternehmens schafft Vertrauen bei Kunden und Geschäftspartnern. Aus diesem Grund soll eine solide Eigenkapitalbasis Vorrang vor persönlichen Interessen unserer Anteilseigner haben.“

In den Lageberichten vieler anderer deutscher Asset Manager findet sich derzeit hingegen die These, dass das Geschäftsmodell bestenfalls durch operationelle Risiken bedroht sei – und diese seien durchaus beherrschbar. Schaut man branchenweit die Geschäftszahlen jedoch im Detail an, wird klar: Diese Schnelldiagnose gilt mit Sicherheit nicht für den Gesamtmarkt der Asset Manager.

Nach den Informationen der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen, kurz EDW, können auch  Vermögensverwalter wie Wolfgang Müller Wertpapiermanagement oder Dr. Seibold Capital in eine erhebliche Schieflage geraten. Sicherlich muss es nicht direkt zu einem EDW-Entschädigungsfall kommen. Für Investoren ist es aber gleichermaßen schlecht, wenn ein UAM nun via Liquidation oder durch die seltenere Insolvenz vom Markt verschwindet.

Das passiert pro Jahr x-mal. Längst ist die Situation so, dass einige der rund 500 operativ tätigen Asset Manager in Deutschland geschäftlich mit dem Rücken zur Wand stehen. Zu erkennen ist das beispielsweise an den Jahresfehlbeträgen, die sie in ihren Erfolgsrechnungen ausweisen. Strategische Defizite sind bei diesen Gesellschaften oft unübersehbar, dort aber offenkundig kein großes Thema – zumindest den Jahresabschlüssen nach zu urteilen.

Starke Asset Manager hingegen können mit ihrer Kapitalausstattung auch Krisenjahre gut überstehen. Sie können aufgrund der Finanzausstattung kulant zu ihren Kunden sein und müssen berechtigte Ansprüche nicht rigoros abblocken. Sie sind in der Lage, Kunden zu entschädigen, wenn es zu einer schlechten oder falschen Beratung beziehungsweise Orderausführung gekommen ist.

In einer älteren Version des Artikels hatte es im Vortext geheißen, dass es für Vermögensverwalter keinen Stresstest gibt. Die Institute müssen der Aufsicht aber Stressszenarien liefern.