Stefan Edberg „Tennis ist einfacher als Vermögensverwaltung“

Stefan Edberg

Stefan Edberg

Am 19. Januar 1966 wird Stefan Edberg in Västervik, Schweden geboren, sein Vater ist Polizist, seine Mutter Büroangestellte. Zunächst spielt der junge Edberg nur zum Spaß, mit 15 merkt er, dass er echte Chancen als Profi-Spieler hat. Um die Reisen ihres Sohnes zu Turnieren zu finanzieren, nehmen die Edbergs einen Kredit auf ihr Haus auf. Es lohnt sich: 42 gewonnene Profi-Turniere, 72 Wochen auf Platz 1 der Weltrangliste und 20 Millionen Dollar gewonnenes Preisgeld sind die Bilanz von Stefan Edberg am Ende seiner Karriere 1996. 2004 gründet der Schwede zusammen mit den ehemaligen Hedge-Fondsmanagern Bo Pettersson und Frederik Svensson die Stockholmer Vermögensverwaltung Case Asset Management. Wenig später wird in Växjo eine Zweigstelle eröffnet, wo Edberg zusammen mit seiner Frau Annette und den beiden Kindern Emilie (18) und Christopher (14) auf einem Bauernhof wohnt.

Stefan Edberg war 72 Wochen lang der beste Tennisspieler der Welt. Heute ist er Miteigentümer eines Stockholmer Vermögensverwalters.

private banking magazin: Viele Profisportler verdienen während ihrer Karriere prächtig und verlieren dann ihr ganzes Geld, weil sie den falschen Leuten vertrauen und schlecht investieren.

Stefan Edberg: Richtig, gerade im Profi-Sport kommt das häufig vor. Ich habe als junger Sportler auch andere mein Geld verwalten lassen. Ich war auf den Sport fokussiert: Ich trainierte, aß, schlief - und für mehr hatte ich keinen Kopf. Erst mit der Zeit fing ich an, mich für meine Finanzen zu interessieren.

War Geld je ein Thema in der Umkleidekabine der Profi-Spieler?

Edberg: Nicht zu meiner Zeit. Es gab vereinzelt Gespräche ja, aber es hat mich nicht so recht interessiert und ich behielt die Details lieber für mich. Heute ist das glaube ich ganz anders.

Wie viel Geld haben Sie als Tennis-As verdient?

Edberg: Etwa 20 Millionen Dollar. Nach dem Ende meiner Karriere 1996 habe ich beschlossen, das Geld selbst anzulegen. Ich wollte mehr Kontrolle über mein Leben haben und Verantwortung übernehmen. Also fing ich an, mich zu informieren. Ich hatte dabei das Glück von guten Leuten umgeben zu sein, die mir halfen - Bo Pettersson etwa. Er verwaltete in den Achtzigern einen Teil meines Geldes. Er war eine Art Mentor für mich, stärkte meine Neugier und beantwortete meine Fragen.

Mit Petterrson und Frederik Svensson, beide Gründer des schwedischen Hedge-Fonds Catella, haben Sie Case Asset Management ins Leben gerufen.

Edberg: Ja, nach knapp zehn Jahren Kapitalmarktschule hatte ich ungefähr verstanden, wie Geld anlegen funktioniert. 2004 gründeten wir Case, heute verwalten wir rund 450 Millionen Euro, hauptsächlich von vermögenden Privatleuten. Ich habe auch einen Teil meines Geldes in unsere Fonds investiert. Die anderen Miteigentümer wie Stefan Perrson, Präsident der Modekette Hennes & Mauritz, machen es genauso.

Um welche Fonds handelt es sich dabei?

Edberg: Unser Case-Fonds ist stark aktienorientiert. Fair Play ist weniger offensiv: 50 Prozent dürfen Aktien hier ausmachen, der Rest besteht aus Unternehmensanleihen. Neu haben wir in diesem Jahr Safe Play aufgelegt. Der Fonds legt seinen Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen aus den nordischen Ländern mit hohen Ratings. Allerdings können wir auch Bonds mit weniger gutem oder gar keinem Rating ins Portfolio nehmen. Über Derivate können wir Zinsänderungen abfedern, mit Futures sichern wir Währungsschwankungen ab. Das Ziel ist eine Rendite zwischen 5 und 7 Prozent pro Jahr, bisher liegen wir bei 4 Prozent.

Wieso der Fokus auf die nordischen Länder?

Edberg: Sie sind kaum von der aktuellen Schuldenkrise betroffen. Schweden etwa hat einen ausgeglichen Staatshaushalt, das Wirtschaftswachstum ist gut und die Arbeitslosigkeit niedrig. Deshalb sehen wir hier viele gute Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist der schwedische Anleihe-Markt sehr klein. Die Schweden sind eher ein Volk von Aktienkäufern. Bonds gibt es nicht an der Börse sondern over the counter. Man braucht also gute Kontakte, Verhandlungsgeschick und Geld. Anders als bei Aktien, die man schon für recht wenig Einsatz bekommt, muss man für Anleihen hier schon mehrere hunderttausend Euro hinlegen. Das kann nicht jeder, da sehen wir unseren Mehrwert.

Wie viel Einfluss haben sie auf das Fondsmanagement?

Edberg: Ich bin einer der größten Anteilseigner der Firma und sitze im Vorstand. Ich bin nicht jeden Tag hier, habe aber natürlich ein Mitspracherecht, wenn es um die Richtung der Firma geht. Ich verfolge den Markt und rufe an, wenn ich eine Investmentidee habe.

Wie haben Sie persönlich Ihr Geld angelegt?

Edberg: Neben meinem Anteil an den Fonds von Case besitze ich einen Bauernhof und ein Waldstück in der Studentenstadt Växjo. Außerdem habe ich in der Umgebung Miethäuser und einige Gewerbeimmobilien gekauft.

Das klingt eher konservativ.

Edberg: Anders als auf dem Platz gehe ich beim Geldanlegen in der Tat nicht so aggressiv vor. Das fing schon früh an. Durch das Tennis spielen bekam ich in meiner Jugend jede Woche eine kleine Summe - ein paar Euro, mehr nicht. Dafür hatte ich eine Art Haushaltsbuch, in dem ich Eingänge und Ausgaben notiert habe. Das meiste habe ich gespart. Ein großer Tag war es für mich als ich das schwedische Nationalturnier gewann. Da gab es als Preisgeld 50 Euro. Das war für mich als Elfjährigen viel. Und es hat mich angespornt, besser zu werden.

Spielen sie noch Tennis?

Edberg: Ja, jede Woche, aber natürlich auf einem anderen Niveau als früher.

Wie unterscheiden sich Tenniswelt und Finanzwelt?

Edberg: Tennis spielen ist viel einfacher als Vermögensverwaltung, weil es klare Regeln gibt. Es gibt eine Grundlinie und entweder der Ball ist drin oder nicht. In der Finanzwelt gibt es mehr Spielraum. Man hängt viel stärker von anderen Menschen ab, muss verhandeln und Entscheidungen fällen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich gelernt habe, damit umzugehen.