„Wir warnen vor dem Mythos …“ Stiftungsverband kritisiert Banken und Vermögensverwalter

Dr. Wilhelm Krull (links), Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen | © stiftungen.org

Dr. Wilhelm Krull (links), Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen Foto: stiftungen.org

638 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts wurden im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Das gab der Bundesverband Deutscher Stiftungen am Dienstag auf seiner Jahrespressekonferenz 2014 in Berlin bekannt. Das Wachstum von 3,1 Prozent lag nur knapp unter dem des Vorjahres (3,2 Prozent).

Die Zahl der rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts überschritt im vergangenen Jahr die 20.000er-Marke. Zum Jahresende zählte der Dachverband 20.150 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Auf 100.000 Bürger kommen damit 25 Stiftungen das sind fünf mehr als noch vor fünf Jahren.

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Kritik gegenüber Banken und Vermögensverwaltern

Auf die anhaltend niedrigen Zinsen reagieren die bereits bestehenden Stiftungen mit der Neuausrichtung und Professionalisierung der Vermögensbewirtschaftung. Ein weiterer Trend: Stiftungen setzen verstärkt auf Fundraising und alternative Wege zur Verwirklichung ihrer Zwecke wie Kooperationen.

Auf der Pressekonferenz übte Vorstandschef und hauptberuflicher Generalsekretär der Volkswagen Stiftung, Wilhelm Krull, Kritik gegenüber Banken und Vermögensverwaltern. Die von den Asset Managern gepriesenen aktiv gemanagten Assets hätten nie zu einem besseren Ergebnis geführt als eine kluge passive Anlage, so der Chef von Deutschlands fünftgrößter Stiftung privaten Rechts. „Wir warnen vor dem Mythos, wenn ein großes Rad gedreht wird, wird auch mehr rauskommen", wird Krull von der Börsen Zeitung zitiert. Häufig könne man wegen der hohen Kosten der Finanzinstitute das Gegenteil beobachten.

Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes, kommentierte die problematische Lage vieler Stiftungen aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsphase wie folgt: 70 Prozent der Stiftungen gehe es schlecht, aber 70 Prozent der Stiftungsgelder gehe es gut. Die Mehrheit der Klein- und Kleinststiftungen könne ihr Vermögen nur durch verstärkte Fundraising-Aktivitäten erhalten. Viele mittlere und große Stiftungen hingegen könnten hingegen von den Entwicklungen am Aktienmarkt profitieren, da sie eine diversifizierte Anlagestrategie verfolgten.

„Stiften bleibt eine hoch attraktive Form des Engagements für das Gemeinwohl – und die nachhaltigste. Engagement ist in Stiftungen auf Dauer angelegt – weit über einzelne Niedrigzinsphasen hinaus“, so  Krull.

Prof. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, betont: „Neben der klassischen rechtsfähigen Stiftung bürgerlichen Rechts etablieren sich verstärkt alternative Stiftungsformen. Gerade bei kleineren Vermögen bieten sich Zustiftungen oder Treuhandstiftungen an. Bestehende Stiftungen werden gestärkt und können so größere Wirkung entfalten.“

Neugründungen 2013

Die Bandbreite der 2013 neu gegründeten Stiftungen spiegelt die Vielfalt des Stiftungswesens wider. Sie widmen sich der Erforschung unheilbarer Krankheiten, der Humangenetik, der Rettung Schiffbrüchiger oder dem Kampf gegen Tierversuche. Andere neue Stiftungen wollen Schüler vom ländlichen Raum begeistern oder Bürger für das Thema Datenschutz sensibilisieren. Zu den großen Neugründungen 2013 zählt die Brombeeren-Stiftung mit einem Grundstockvermögen von 20 Millionen Euro, die die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim unterstützen soll.

Blick auf die Bundesländer

Die meisten Neugründungen (131) gab es im vergangenen Jahr erneut in Nordrhein-Westfalen. In dem einwohnerstärksten Bundesland gibt es auch weiterhin die meisten rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts (3.902), gefolgt von Bayern (3.652) und Baden-Württemberg (3.038).

Schlusslichter sind nach wie vor die östlichen Bundesländer. Gemeinsam kommen Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf 1.353 Stiftungen.

Bezogen auf die Einwohnerzahlen liegt der Stadtstaat Hamburg vorn: Auf 100.000  Einwohner kommen in Hamburg 75 Stiftungen. Bei den Flächenländern führt Hessen mit 30 Stiftungen pro 100.000 Einwohner. Die Großstadt mit der höchsten Stiftungsdichte in Deutschland ist Würzburg mit 90 Stiftungen pro 100.000 Einwohner.

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der  größte Stiftungsverband in Europa hat mehr als 3.800 Mitglieder; über Stiftungsverwaltungen sind ihm mehr als 7.000 Stiftungen mitgliedschaftlich verbunden. Damit repräsentiert der Dachverband rund drei Viertel des deutschen Stiftungsvermögens in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro.