Sportler als Kunden, Teil 1 Was bei der Finanzplanung eines Profi-Sportlers zu beachten ist

Kennen sich aus mit der Beratung von Profi-Sportlern: Martin Eckert (Bankhaus Donner & Reuschel) und Dr. Claudia Klümpen-Neusel (Warth & Klein Grant Thornton)

Kennen sich aus mit der Beratung von Profi-Sportlern: Martin Eckert (Bankhaus Donner & Reuschel) und Dr. Claudia Klümpen-Neusel (Warth & Klein Grant Thornton)

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Vermögenscontrolling, Wertpapier- und Beteiligungsreporting – das alles sind Vokabeln, die oftmals nur mit sehr großen Vermögen im mindestens dreistelligen Millionenbereich und mit Family Offices in Verbindung gebracht werden. Doch weit gefehlt. Auch in Bereichen, die unterhalb dieser Schwellen liegen, kann ein Überblick über das vorhandene Vermögen und vor allem den Vermögenszuwachs sinnvoll und notwendig sein.

Dies gilt insbesondere für Vermögensinhaber, die nur über einen begrenzten Zeitraum Vermögen aufbauen können und danach ihren Lebensunterhalt aus den Früchten dieses Vermögens bestreiten müssen. Zu dieser Personengruppe zählen unter anderem Berufssportler, die zwar einerseits schon mit jungen Jahren in das Erwerbsleben einsteigen, auf der anderen Seite ihre aktive Sportler-Karriere aber auch mit spätestens 30 bis 35 Jahren beenden müssen.

Da das Rentenalter zu diesem Zeitpunkt noch einige Jahre entfernt ist (und die gesetzliche Rente den gewohnten Lebensstandard nicht annähernd sichern kann), muss während der aktiven Zeit ein adäquater Vermögensstock nicht nur aufgebaut, sondern auch derart strukturiert werden, dass in späteren Jahren eine bestmögliche finanzielle Versorgung des Sportlers gesichert ist.

Gesamtvermögen im Blick

Um eine solche Struktur aufzusetzen, bedarf es zunächst einer Analyse der Ist-Situation. In ihr finden neben wirtschaftlichen Komponenten wie Einkunftsquellen, Ausgabeverhalten, Dauer eventueller Werbeverträge et cetera auch steuerliche Elemente (Ertragsteuerbelastung im In- und Ausland, gegebenenfalls bei Mitversorgung von Familienangehörigen anfallende Steuerbelastung) Berücksichtigung.

Das Ergebnis der Analyse bildet die Grundlage für eventuelle Optimierungsansätze. Einen wichtigen Bestandteil der wirtschaftlichen Ist-Analyse stellt in diesem Zusammenhang das Vermögensreporting und -controlling, nachfolgend auch Gesamtvermögensbericht genannt, dar.
Dieser Bericht dient in erster Linie der Transparenz und gibt einen Überblick sowohl über die aktuelle Zusammensetzung des Vermögens als auch über seinen tagesaktuellen Wert.

In einer privaten Vermögensbilanz werden die einzelnen Vermögenspositionen den Verbindlichkeiten gegenüber gestellt, sodass sich der effektive Vermögenswert ermitteln lässt. Gleichzeitig kann auf Basis der Zeitwerte der jeweilige Anteil der einzelnen Anlageklassen (zum Beispiel Wertpapiere, Beteiligungen, Immobilien) am Gesamtvermögen dargestellt werden, um Hinweise auf eventuelle Klumpenrisiken zu geben.

In einem zweiten Schritt sind die einzelnen Investitionen des Vermögensinhabers unter die Lupe zu nehmen. Üblicherweise verbindet der Vermögensinhaber mit einer Investition bestimmte Ertragserwartungen. So kauft er beispielsweise eine Mietimmobilie nicht nur um sie zu besitzen, sondern weil er hieraus einen bestimmten Mindestertrag erzielen möchte.

Entsprechend investiert er nicht allein deshalb in Private Equity, weil es chic ist, sondern weil er neben einer Diversifikation seines Vermögens eine gewisse Kapitalrendite (Return on Investment, ROI) erwartet. Dieser ROI spielt bei Berufssportlern auch deshalb eine so große Rolle, weil es langfristig nicht das laufende Sportlergehalt ist, aus dem der (recht früh einsetzende) Lebensabend bestritten werden muss, sondern der Ertrag aus dem während der aktiven Zeit aufgebauten Vermögen.

Mithilfe des Gesamtvermögensberichts kann der Vermögensinhaber nun die tatsächliche Rentabilität seines Investments mit seiner Erwartungshaltung abgleichen und ferner über die verschiedenen Vermögensklassen hinweg bestimmen, mit welchem Risiko er die jeweilige Rendite erzielt hat. Ein regelmäßiges Reporting gibt ihm die Möglichkeit Fehlentwicklungen zeitnah zu korrigieren.

Blick nach vorn‘

Ist das vorhandene Vermögen vollständig aufbereitet, sind Vermögensverteilungen, Erfolgsbeiträge, Liquidität et cetera zu erkennen.

Nun gilt es den Blick in die Zukunft zu richten und das Vermögen des Sportlers weiter zu entwickeln. Im Vordergrund steht dabei der regelmäßige Finanzbedarf für private Lebenshaltung, Familienabsicherung und Steuerzahlungen.

Die bereits erwähnten Liquiditätsströme aus vorhandenen Vermögenswerten in Form von Ertragszuflüssen und Zahlungsverpflichtungen, zum Beispiel durch regelmäßige Einzahlungen in kapitalbildende Versicherungen, Zins- und Tilgungsleistungen für Kredite oder noch nicht abgerufene Beteiligungszusagen, sind dabei ebenso zu berücksichtigen, wie gegebenenfalls auf Grund von Bürgschaften vorhandene Eventualverbindlichkeiten.

Dahinter stehen weitreichende Fragestellungen: Wie werden sich Einkünfte und Prämien im Rahmen der sportlichen Tätigkeit entwickeln? Welche Zuflüsse und Ausgaben sind darüber hinaus zu erwarten? Welche Liquiditätsreserve ist zum Ausgleich von Einnahmen-Ausgaben-Schwankungen notwendig?

Die Liste geht weiter: Wie kann sich das Vermögen weiter entwickeln? Wie groß ist der Liquiditätsbedarf nach Karriereende? Welche Absicherung ist für den Fall einer längeren Verletzungspause oder bei Sport-Invalidität notwendig? Wie stellen sich Vermögensverteilung und Liquiditätsströme im Erbfall dar?

Wenngleich die angesprochenen Aspekte erhebliche Auswirkungen auf den Erfolg einer Karriere haben, bleiben die Fragestellungen abstrakt und lebensfremd, so lange sie nicht für die persönliche Lebenssituation übersetzt und erlebbar gemacht werden. Hierfür ist ein intensiver Austausch mit dem Sportler und seiner Familie bzw. deren Beratern notwendig. Eine Finanzplanung, die Entwicklungen in verschiedenen Karriere- und Risikoszenarien systematisch greifbar macht, leistet dabei einen unverzichtbaren Beitrag.