Aktien und Anleihen aus den Emerging Markets „Schwellenländer dürfen in einem langfristig aufgestellten Portfolio nicht fehlen“

Marc Dellmann

Marc Dellmann

private banking magazin: Die UBS ist bereits seit 1993 in den Emerging Markets aktiv. Was spricht für ein Investment?

Marc Dellmann: In der Vergangenheit waren Schwellenländer eher eine Satelliten-Anlageklasse. Das hat sich mit der zunehmenden Stabilität der Märkte aber geändert – eine Anlage in Emerging Markets darf heute bei langfristigem Anlagehorizont aus unserer Sicht nicht mehr fehlen. Drei Gründe sprechen dafür.

Erstens die wirtschaftlichen und politischen Verbesserungen seit rund 15 Jahren als Lehre aus den Neunzigern, der schlimmsten Dekade für Schwellenländer. Zweitens ist inzwischen die globale Bedeutung nicht nur gestiegen, die Schwellenländer sind vielmehr ein nicht mehr wegzudenkender Teil des globalen Handels- und Produktionszyklus geworden.

Und schließlich sind diese Volkswirtschaften heute deutlich gesünder und stabiler als viele der entwickelten Industrieländer. Die durchschnittliche Schuldenquote liegt bei 40 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Das BIP wiederum wird 2012 laut Prognosen um durchschnittlich 6 Prozent wachsen. Etwa 60 Prozent der Emerging Markets haben inzwischen ein Investment-Grade Rating. Wenn Sie dann noch die grundlegenden strukturellen Treiber wie  demografische Entwicklung, Verstädterung sowie steigende Produktivität und Konsumwachstum hinzugeben, haben Sie sowohl auf der Anleihen- als auch auf der Aktienseite viele Vorteile, die für eine Anlage sprechen.

private banking magazin: Können Sie das an einem konkreten Beispiel festmachen?

Dellmann: Zum Beispiel ist Konsum in Asien eine interessante, sehr flexible Strategie mit dem Ziel, von den langfristigen strukturellen Treibern innerhalb dieser Region zu profitieren. Das funktioniert, indem man Aktien von Unternehmen kauft, die Waren oder Dienstleistungen für asiatische Konsumenten anbieten. Verglichen mit den entwickelten Ländern zeichnet sich der asiatische Konsument unter anderem durch ein jüngeres Alter, höheren Nachholbedarf und deutlich tiefere private Verschuldungsgrade aus.

private banking magazin: In welchen Ländern raten Sie generell zu einem Engagement?

Dellmann: Einzelempfehlungen hängen natürlich immer vom jeweiligen Markt- und Anlagesegment ab. Brasilien zum Beispiel ist unseres Erachtens nicht interessant, wenn man Bonds auf Dollar-Basis betrachtet. Die recht engen Risikoaufschläge, also Spreads, lassen derzeit kaum eine weitere Schrumpfung erwarten. Auf der anderen Seite weist Brasilien eine noch hohe und attraktive Rendite im lokalen Markt auf, den wir schon seit einiger Zeit für Anlagen bevorzugen. Insofern ist es schwierig, einzelne Länder zu nennen. Allgemein kann man aber momentan sagen, dass wir lokale Märkte und Währungen bevorzugen. Das sind allerdings Momentaufnahmen, die sich im Zeitablauf auch wieder ändern können. Unsere Länderallokation bei Aktien resultiert unmittelbar aus einer „bottom-up“-Titelselektion.

private banking magazin: Das heißt?

Dellmann: Das kann man mit einigen einzelnen Beispielen verdeutlichen. So wird unser gegenwärtiges Übergewicht in Russland weitestgehend von einer Position im Finanzdienstleistungssektor bestimmt wird. Innerhalb Indiens finden wir dagegen attraktive Titel durch alle Sektoren hinweg. Dort sind wir z.B. weiterhin sehr positiv gegenüber IT-Dienstleistungen eingestellt.

private banking magazin: Wie sieht es bei Private Equity aus?

Dellmann: Derzeit sind wir in China und Indien investiert und sehen innerhalb von Asien zunehmende Bedeutung von Ländern wie Südkorea, Malaysia und Vietnam. Während Brasilien einen absoluten Boom erlebt, glauben wir, dass dieser Markt aus Private-Equity-Sicht überhitzt ist – daher sind wir hier derzeit zurückhaltend. Eine Ausweitung des Fokus auf weitere Länder wie z.B. Kolumbien ist denkbar, allerdings gibt es dort wenige erfahrene Spieler.

private banking magazin: Was machen Sie mit den Währungen?

Dellmann: Währungen sehen wir als eigene Asset-Klasse an. Deshalb überwachen und analysieren wir sie auch separat. Wenn wir etwa einen lokalen Bond kaufen, können wir die Währung absichern oder als Alphaquelle nutzen. Das kommt ganz auf unsere Währungseinschätzung an. Meistens sehen wir aber Schwellenländerwährungen als zusätzliche Renditequelle. Wegen der wirtschaftlichen Stärke und weiterer Verbesserungen der Rahmenbedingungen sehen wir hier Aufwertungspotenzial. Unsere Aktien-Portfolios in den Emerging Markets halten wir dagegen grundsätzlich in US-Dollar. Hier gibt es also keine Absicherung oder aktive Währungsentscheidung innerhalb unserer Portfolios.

private banking magazin: Wie gehen Sie mit dem Risiko dieser Märkte um?

Dellmann: Im Anleihebereich ist die Volatilität – obwohl in den vergangenen Jahren sinkend – immer noch etwas höher als die der Staatsanleihen von Industrieländern. Ein Investment in Fremdwährungen bringt ebenfalls eine höhere Volatilität mit sich. Aber eine höhere Schwankungsbreite kann auch höhere Renditen bedeuten. Um Perioden mit Verlusten auszugleichen, sollte der Anlagehorizont jedoch mindestens drei Jahre betragen. Markt- und Emittentenrisiken überwachen wir permanent und beziehen sie auch in die Investmententscheidung mit ein.

Bei Aktien fängt das Risiko-Management auf Unternehmensebene an. Hierzu prüfen wir die Firmen hinsichtlich Corporate Governance, Transparenz, Qualität des Managements und Fundamentaldaten. Das Ziel ist es sicherzustellen, dass wir nur beabsichtigte Risiken eingehen, sodass sich die Portfolios sowohl innerhalb der gewünschten Risikospanne befinden als auch das Potenzial haben, Alpha zu generieren.