Fondsboutiquen Schneiderkunst statt Stangenware

Klaus-Dieter Erdmann

Klaus-Dieter Erdmann

Privatanleger und institutionelle Investoren richten immer häufiger den Blick auf kleinere, spezialisierte Fondsanbieter. Aus gutem Grund: Häufig überzeugen Fondsboutiquen durch schlüssige Anlagekonzepte, Spezialwissen auf ihrem Gebiet – und durch überdurchschnittliche Performance.

Regelmäßig finden sich die Spezialisten vorn in den Ranglisten. Was den kleinen Vermögensverwaltern bei der Performance in die Hände spielt und zu ihren größten Vorteilen gehört, ist ihre Unabhängigkeit. Bei großen Fondsgesellschaften gibt es Volkswirte, Investmentkomitees, eine Hausmeinung zu Märkten und Anlageklassen, nach denen sich Fondsmanager richten müssen.

Das braucht eine Boutique nicht zu interessieren. „Ihre Manager müssen keine Stabsaufgaben übernehmen“, so Klaus-Dieter Erdmann, Gründer und Geschäftsführer des Fondsdatenbankanbieters MMD.„Und es gibt nicht regelmäßig eine Neuausrichtung des Konzepts.“Stattdessen sind die Manager von Fondsboutiquen oft selbst Unternehmer. Laut Erdmann ein großes Plus: „Sie sind mit eigenen Ideen, mit eigenem Geld und mit hohem Engagement bei der Sache.“

Mehrwerte erwirtschaften

Fondsboutiquen legen in aller Regel einen Fonds auf, weil sie glauben, in einem speziellen Segmentmit ihrem Fachwissen einen Mehrwert erwirtschaften zu können – und nicht einfach, um weiteres Anlegergeld einzusammeln.„Wichtig ist, dass sich der Manager ganz aufs Vermögensmanagement konzentrieren kann und nicht zu viel mit Kundenbetreuung und Akquise beschäftigt ist“, so Erdmann.

Klar ist ohnehin: Nicht jeder kleine Anbieter ist automatisch eine erfolgreiche Fondsboutique. Viele Berater sind nach Einführung der Abgeltungssteuer mit ihren Dachfonds gescheitert, weil ihnen das nötige Know-how fehlte. Das erklärt auch die enorme Bandbreite der Ergebnisse kleiner Fonds.

Was macht einen guten Boutiquen-Fonds aus? Erdmann: „Der Manager sollte in sechs bis acht von zehn Phasen seine Peergroup geschlagen haben. Und es sollte nachvollziehbar sein, wie er das geschafft hat. Darüber hinaus muss der Manager die Märkte verstehen und über entsprechende Analysesysteme verfügen.“

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