Präsentationsstandards im Wealth Management „Die Rosinenpickerei sollte ein Ende haben“

Was haben Vermögensverwalter davon, wenn sie die Global Investment Performance Standards umsetzen? Es diskutieren (v.l.n.r.): Carsten Lüders, BVI; Martin Schliemann, Frankfurt Financial Audit; Andreas Schmidt-von Rhein, Fereal; Jörg  Lilla, Palatina Multi Family Office; Hanno Roth, Rothschild-Vermögensverwaltung und Ansgar Neisius, private banking magazin

Was haben Vermögensverwalter davon, wenn sie die Global Investment Performance Standards umsetzen? Es diskutieren (v.l.n.r.): Carsten Lüders, BVI; Martin Schliemann, Frankfurt Financial Audit; Andreas Schmidt-von Rhein, Fereal; Jörg Lilla, Palatina Multi Family Office; Hanno Roth, Rothschild-Vermögensverwaltung und Ansgar Neisius, private banking magazin

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private banking magazin: Wie transparent und fair geht es bei der Vergabe von Vermögensverwaltungsmandaten zu?

Jörg Lilla: Im institutionellen Geschäft dank den Global Investment Performance Standards sehr transparent. Im Private Wealth Management ist das anders. Hier betreiben einzelne Anbieter immer wieder Cherry Picking – um nur einen Missstand zu nennen. Was passiert? Ein Asset Manager zeigt einem potenziellen Neukunden ein Depot, dessen Performance besonders gut ist, aber in Wirklichkeit nicht repräsentativ für die Leistung des Vermögensverwalters. Zudem können die betrachteten Zeiträume so gewählt werden, dass man damit die Performance schönt.

Hanno Roth: Wenn wir uns mit potenziellen Kunden das erste Mal zusammensetzen, beobachten wir immer mal wieder, dass in unserer Branche mit geschönten Benchmarks gearbeitet wird. Diese stellen die historische Performance zu positiv dar. Mit Fairness hat das nur wenig zu tun. Wie viel Rosinenpickerei betrieben wird, kann wohl niemand wirklich treffsicher sagen. Dazu fehlt es der Branche an Transparenz. Im Interesse der Kunden und für das Ansehen unseres Bereichs sollte diese Praxis aber ein Ende haben.

Was umfassen die erwähnten GIPS?

Lilla: Zum einen gehören eine Beschreibung der Gesellschaft, deren Besitzerverhältnisse, die Höhe der betreuten Kundengelder und wesentliche personelle Veränderungen dazu. Ein Anleger soll wissen, mit wem er es zu tun hat. Zudem kommt eine Darstellung, wie der Vermögensverwalter die Gelder seiner Kunden anlegt und welche Investmentstrategien es gibt, hinzu. Wesentlicher Teil der GIPS ist auch noch die Offenlegung der Kosten.

Martin Schliemann: Und sie decken alle individuellen Managed Accounts ab. Angefangen von Einzeldepots über diskretionäre Vermögensverwaltungs-Mandate bis zu AIF-Spezialfonds, die Einzelpersonen mittlerweile auch auflegen können.

Sind vermögende Privatkunden überhaupt fähig, diese Transparenz einzufordern und einzuordnen?

Roth: Der Trend, dass das obere Kundensegment im Private Wealth Management, die Ultra High Net Worth Individuals, sich zunehmend mit Beratern umgibt, ist positiv zu bewerten. Diese Single oder Multi Family Offices sind fachlich in der Lage, die Transparenz und Fairness von den Vermögensverwaltern einzufordern.

Andreas Schmidt-von Rhein: In den Kundensegmenten darunter ist das eher unüblich. Man behilft sich meist mit Rennlisten von Plattformen wie Firstfive, MMD Multi Manager Depot und DAB Contest. Diese sollen einen Eindruck vermitteln, wie ein Vermögensverwalter positioniert ist und im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet. Da gibt es aber nur eine Scheingenauigkeit. Es werden in den Unterkategorien nämlich Äpfel mit Birnen verglichen. Um das zu überwinden, müsste man als Investor in die Strategien reingehen – ein irrer Aufwand und ohnehin nicht für jedermann zu machen, weil man schlichtweg nicht an die nötigen Informationen kommt. Problem dieser Rankings ist auch, dass in aller Regel nur eine bestimmte Strategie, ein kleines Zeitfenster oder möglicherweise ein Musterdepot gezeigt werden. Die Aussagefähigkeit der Rankings ist damit stark eingeschränkt.

Schliemann: Wichtig ist, dass die GIPS nicht nur helfen, wenn man einen Finanzexperten an seiner Seite weiß. Ganz im Gegenteil. Die Grundidee der Präsentationsstandards ist sehr intuitiv. Höhere Weihen der Finanzmathematik braucht es nicht dazu. Denn was erreichen die GIPS? Ein Vermögensverwalter soll lediglich die Depots zusammenfassen, die bis auf einige Abweichungen den gleichen Investmentansatz verfolgen. Das sind dann die sogenannten Composites. Mit diesen Super-Depots präsentiert er dann vor potenziellen Neukunden und zeigt, was er mit dem gewählten Investmentansatz fähig ist zu leisten. Das führt dann zu mehr Transparenz und Fairness.

Schmidt-von Rhein: Zur Bildung der Composite-Strukturen noch ein Wort. Neben dem Bottom-up-Ansatz, das heißt, sich ähnelnde Kundendepots zusammenzufassen, gibt es noch den Top-down-Ansatz, um Composites zu bilden. Das bedeutet, dass ich mir als Vermögensverwalter überlege, was eigentlich meine Strategien sind, für die ich stehe, die ich erfolgreich aufgesetzt habe und zu denen ich einen Track Record besitze. Kurzum: Worüber positioniere ich mich im Markt? Nur wer dieses Selbstverständnis und damit eine interne Transparenz erreicht hat, kann gegenüber Kunden wirklich transparent sein. Damit sind die GIPS auch mehr als nur eine gute Sache für die Anleger: Sie haben auch einen hohen Nutzen für den Vermögensverwalter selbst.

Schliemann: Zudem ist das Schöne an den Standards, dass sie qualitative mit quantitativen Aspekten verbinden. Zahlen- fixierte Anleger bekommen in einer Präsentation faire und vergleichbare Performance-Maße vorgelegt. Investoren, die Wert auf Compliance und ethische Grundsätze legen, bekommen die Sicherheit, dass beispielsweise kein Cherry Picking stattfindet.

Wird, wer GIPS-compliant werden will, sein Unternehmen von links auf rechts drehen müssen?

Lilla: Das Geschäftsmodell muss man sicherlich nicht ändern. Bei einigen wird aber die notwendige Anpassung der Dokumentation ein anspruchsvolles Projekt sein. Prozesse müssen niedergeschrieben und die Daten der Vermögensverwaltung systematisch erfasst werden. Letzteres mag für den einen oder anderen und bei einer Vielzahl von Kundendepots eine echte Herausforderung sein. Mitnichten liegen da immer ältere Zahlen, vor allem nicht Monatszahlen, vor.