Post von der Bankenaufsicht Reform der Referenzzinssätze setzt Banken unter Druck

Christian Schablitzki ist Fachexperte für die IBOR-Transition in Capcos globaler Arbeitsgruppe.  | © Capco

Christian Schablitzki ist Fachexperte für die IBOR-Transition in Capcos globaler Arbeitsgruppe. Foto: Capco

Der Brief der Europäischen Zentralbank an „bedeutende Kreditinstitute“ vom 4. Juli 2019 beginnt unspektakulär: „Dear CEO, ECB Banking Supervision is writing to the CEOs of significant institutions regarding the ongoing global benchmark reforms…”. Im weiteren Verlauf dürfte dem einen oder anderen Bankvorstand an diesem Morgen jedoch sein Frühstücksei im Halse stecken geblieben sein.

Im Zuge der geplanten Benchmark-Reform (BMR) zur Ablösung aktuell bestehender Referenzzinssätze wie Libor, Euribor und Eonia werden die Bankchefs aufgefordert, ihren Arbeitsstand und ihre Risikoeinschätzung binnen Monatsfrist – also zum 31. Juli 2019 – mitzuteilen, um einen möglichst reibungslosen Übergang auf die alternativen Referenzzinssätze (RFR) bis Ende 2021 zu gewährleisten.

Doch was ist die Komplexität oder die kritische Dringlichkeit einer solchen Umstellung auf alternative Referenzzinssätze, dass sie mit der EZB den obersten Bankenaufseher höchstpersönlich auf den Plan ruft, um die Banken aus ihrem vermeintlichen Dornröschenschlaf zu wecken? Wir erinnern uns: Bereits im vergangenen September gab es einen „Dear CEO Letter“, seinerzeit verschickt durch die FCA/PRA (FCA, Financial Conduct Authority – PRA, Prudential Regulation Authority) in Großbritannien, um die dort ansässigen und beaufsichtigten Banken hinsichtlich ebendieser Ablösung der bestehenden Referenzzinssätze wachzurütteln.

Aufgrund verschiedentlicher Manipulationen und Skandale sind diese weltweit in Verruf geraten. Insbesondere die rein auf Interbanken-Quotierungen basierten Veröffentlichungen dieser Referenzzinsen sehen sich dadurch starker Kritik ausgesetzt. Weltweit hängt ein riesiges Geschäftsvolumen an oder von diesen Referenzzinssätzen ab. Die nachstehende Grafik verdeutlicht diese Zahlen.

Abhängigkeit von Globalen Referenzzinsen Capco

Auf den ersten Blick überwiegt deutlich der Anteil an Derivaten, aber auch im Rahmen von Kreditverträgen und Wertpapieren besteht eine enge Verknüpfung zu diesen Referenzzinssätzen. Und genau hier – bei den Krediten und Wertpapieren – liegt der Teufel im Detail. Zwar sind die meisten Derivateverträge komplex in ihrer Berechnung, doch folgt ihre Abwicklung meist recht standardisierten Verfahren und Prozessen.