NN (L) Emerging Markets Debt Hard Currency „Eigenes Ländermodell hilft, Fehlbewertungen zu erkennen“

Roy Scheepe, Senior Client Portfolio Manager bei NN Investment Partners

Roy Scheepe, Senior Client Portfolio Manager bei NN Investment Partners

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Bitte beschreiben Sie kurz die Investment-Story des Fonds.

Roy Scheepe: Der NN (L) Emerging Markets Debt Hard Currency investiert in Hartwährungsanleihen aus den Emerging Markets. Die Asset-Klasse profitiert davon, dass Investoren wieder Gelder aus Anleihen aus den Industriemärkten in Schwellenländeranleihen strategisch umschichten. Diese sind ein wichtiger Diversifikationsbaustein und liefern Renditevorteile gegenüber Anleihen aus entwickelten Märkten, die zuletzt bei um die null Prozent rentierten.

Wie sieht das Anlageuniversum aus?

Scheepe: Schwellenländeranleihen in Hartwährung haben ihren Ursprung in den 1980er Jahren in den sogenannten Brady Bonds. Seitdem haben sie sich zu einer breit gefächerten Anlageklasse entwickelt. Mehr als 70 Länder zählen zu unserem Anlageuniversum, das sich ständig weiter entwickelt. Kürzlich ist Argentinien wieder als Emittent an den Markt zurückgekehrt, als erstmaliger Emittent ist Kamerun hinzugekommen.

Kamerun befindet sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Welche Rolle spielen Frontier Markets im Fonds?

Scheepe: Sie machen rund 11 bis 12 Prozent unseres Anlageuniversums aus. Anleihen aus diesen Märkten bieten – zum Teil beachtliche – Zusatzrenditen. Zudem können sie zur Diversifikation im Portfolio beitragen.

Und welche Rolle spielen Unternehmensanleihen?

Scheepe: Der Fonds investiert schwerpunktmäßig in Staatsanleihen und hat auch einen Staatsanleihe-Index als Vergleichsmaßstab. Unternehmensanleihen können bis zu 15 Prozent beigemischt werden. Wir nutzen sie, wenn sie einen klaren Vorteil gegenüber der Anleihe des entsprechenden Staates bieten, was ein Renditevorteil sein kann. Oder die Anleihe hat zum Beispiel eine Restlaufzeit, für die es kein Staatsanleihe-Pendant gibt.

Der Fonds streut sein Vermögen über eine Vielzahl von Ländern. Wie läuft der Investmentprozess ab?

Scheepe: Disziplin, Transparenz und Effizienz sind die Hauptschlagworte. In vier Schritten versuchen wir Alphaquellen aufzudecken. In einer Top-down-Analyse untersuchen wir zunächst das globale Marktumfeld, die Fundamentaldaten, die technischen Daten und die Bewertung. Daraus resultiert unsere allgemeine Risikoeinstellung.

Als zweites schätzen wir die Bonität der Staaten ein und gleichen unsere Beurteilung mit den Risikoprämien ab. So können wir relative Unterbewertungen erkennen. Drittens analysieren wir die Zinskurven der Länder. Da Schwellenländeranleihen eine noch nicht voll ausgereifte Asset-Klasse sind, kommt es immer wieder zu deutlichen Marktineffizienzen und in der Folge zu Fehlbewertungen entlang der Kurve, die wir nutzen. Als letztes vergleichen wir ähnliche Emissionen miteinander und suchen die attraktivste aus.

NNIP hat ein eigenes Modell für die Länderbewertung wie funktioniert das?

Scheepe: Unser „Country Score“-Modell bietet eine standardisierte Bewertungsmethode für über 70 Emerging Markets. Statt sich auf aktuelle Themen zu konzentrieren, legt es einen Schwerpunkt auf ökologische, soziale und Governance-Faktoren. Es misst systematisch die Qualität von Regierungen mithilfe von vielen qualitativen Indikatoren, die internationale Organisationen erstellen. Dank des Modells sind wir in der Lage, Fehlbewertungen im Markt zu erkennen. Unsere Bewertung vergleichen wir mit externen Ratings und Risikoaufschlägen.

In den letzten Jahren waren Hartwährungsanleihen die bessere Wahl gegenüber Lokalwährungsanleihen. Werden Dollar-Anleihen auch 2016 die Nase vorn haben?

Scheepe: Wir sehen weiterhin bessere Chancen für Anleihen in Hartwährung. Das Risiko im Vergleich zu Anleihen aus entwickelten Märkten ist mit einem Aufschlag von rund 400 Basispunkten gut kompensiert. Lokalwährungsanleihen dürften weiterhin volatil bleiben. Dennoch sind Schwellenländerwährungen unterbewertet. In stabileren Zeiten wird deutlich, wie viel Aufholpotenzial dort vorhanden ist, wie wir dieses Jahr bereits gesehen haben. Kurzfristig dürften die Unsicherheiten über die weitere Politik der US-Notenbank die Investoren aber noch  von Investitionen abhalten.