Niedriges Wachstum in China Rückenwind für globale Aktien lässt nach

Chefanalyst Bo Bejstrup Christensen von Danske Invest

Chefanalyst Bo Bejstrup Christensen von Danske Invest

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Der Frühling ist auf verschiedene Art und Weise eingekehrt, auch an den Finanzmärkten: Die dunklen Tage im Januar mit Ängsten vor einem chinesischen Kollaps, einer Rezession in den USA und einer europäischen Bankenkrise scheinen der Vergangenheit anzugehören. Längst hat sich wieder Optimismus breitgemacht. Die Gründe sind klar: Das Wachstum in China und den USA ist gestiegen, die US-amerikanische Zentralbank hat deutlich gemacht, dass sie es mit einer Zinsanhebung nicht eilig hat, und die EZB hat ihre Geldpolitik erneut kräftig gelockert. Die Ergebnisse sind genauso klar: Die Aktienkurse und die Rohstoffpreise sind gestiegen, die Zinsen sind gefallen und insbesondere die am schwersten gebeutelten Schwellenländer haben sich erholt.

Doch leider gehen wir nicht davon aus, dass dieser Trend anhält. Im Gegenteil: Wir erwarten, dass der Rückenwind in den kommenden Monaten nachlässt und die Unsicherheit zunimmt. Deshalb haben wir uns nun dazu entschlossen, den Aktienanteil in unseren Mischfonds von übergewichtet auf neutral zu reduzieren. Dieses Mal stoßen wir hauptsächlich Aktien aus Schwellenländern ab – und hier erklären wir, warum.

Gute Nachrichten aus den USA

Das Wachstum in den USA ist gestiegen, was unter anderem durch ein verbessertes Geschäftsklima zum Ausdruck kommt. Unseren Schätzungen zufolge beträgt das Wachstum aktuell 1,5 bis 2 Prozent und wird auf 2,5 Prozent steigen, da unter anderem die negativen Auswirkungen des zuvor starken US-Dollars nachlassen. Gleichzeitig erholt sich der Immobilienmarkt weiterhin. Und selbst wenn das Bankensystem mit den Verlusten bei Krediten im Öl- und Gasbereich kämpft, stützen die Banken nach wie vor in erster Linie die Haushalte mit der Vergabe von Verbraucher- und Immobiliendarlehen. Daher rechnen wir damit, dass monatlich etwa 150.000 Jobs geschaffen werden, die Arbeitslosigkeit zurückgeht und die Löhne zugunsten des Privatkonsums steigen.

Weiterhin stabiles Wachstum in der Eurozone

Mittlerweile ist deutlich geworden, dass das Wachstum in der Eurozone im Sommer 2015 seinen Höhepunkt erreicht hat und seither moderat gesunken ist. Das überrascht nicht, da die Region nicht länger von fallenden Ölpreisen und einer schwachen Währung gestützt wird. Aber dennoch ist das Wachstum weiterhin sehr stabil und liegt etwas über dem langfristigen Potenzial, da die Banken nach wie vor die Kreditvergabe lockern und damit Konsum und Investitionen fördern. Und da die EZB unverändert ihren festen Willen demonstriert, die Kreditvergabe der Banken zu stimulieren und die sehr lockere Geldpolitik in Form niedriger Zinsen und eines Anleihekaufprogramms fortzuführen, sollte das Wachstum erwartungsgemäß weiterhin 1,5 bis 2 Prozent betragen.

Aber jetzt: Gegenwind aus China

Neu ist jedoch – leider –, dass wir mit einem niedrigeren Wachstum in China rechnen. Der Immobilienverkauf ist innerhalb von nur vier Monaten um 35 Prozent gestiegen, und die Steigerungsrate der Immobilienpreise auf Landesebene hat sich auf Jahresbasis auf über 10 Prozent beschleunigt – in einigen Städten sogar auf fast 50 Prozent. Die treibende Kraft dahinter ist die Senkung der Anzahlungsanforderungen bei einem Immobilienkredit von 30 Prozent auf 20 Prozent für Erstkäufer innerhalb von nur drei Monaten. Das kann von Natur aus nur mittelfristig Wirkung zeigen: Wenn man einige Käufer dazu bewegt, schon jetzt zu kaufen, zieht man lediglich die Nachfrage von morgen auf heute vor. In Kombination mit dem zielgerichteten Versuch, die Aktivität in den am stärksten überhitzten Segmenten herunterzufahren, erwarten wir nun, dass die Immobilienverkäufe gegen Jahresende zurückgehen werden. Das sollte den Rückenwind abschwächen, den der Wohnungsbau erfahren hat.

Und auch wenn die Regierung die Wirtschaft weiterhin durch Infrastrukturinvestitionen stimulieren wird, kann sie diese Maßnahmen nicht bis in alle Ewigkeit ausbauen. Somit gehen wir davon aus, dass die jüngsten Lockerungsmaßnahmen, die über neue, intransparente Kanäle finanziert wurden, das gesamte Staatsdefizit auf über 10 Prozent des BIP erhöht haben. Die staatliche Gesamtverschuldung ist auf über 20 Prozent gestiegen – und das ist ganz einfach nicht dauerhaft haltbar. Deshalb gehen wir nun davon aus, dass das Wachstum in China zurückgehen wird.

Aber trotz dieser aktuellen Bedenken, ist eines nach wie vor klar: China steuert nicht auf einen Kollaps zu, da die Regierung das Bankensystem voll unter Kontrolle hat.