Nach mehr als 100 Jahren Londoner Silber-Fixing wird eingestellt

In London wird es wohl schon bald kein Silber-Fixing mehr geben. Das dafür verantwortliche Unternehmen teilte am Mittwoch mit, die mehr als ein Jahrhundert alte Benchmark einstellen zu wollen. Vor zwei Wochen hatte die Deutsche Bank angekündigt, aus dem Preissetzungs-Ritual auszusteigen.

Die London Silver Market Fixing wird am 14. August mit dem Silber-Fixing aufhören, hieß es in einer Mitteilung. Bis dahin bleiben Deutsche Bank, HSBC Holdings und Bank of Nova Scotia die drei Mitglieder des Unternehmens, die mit der britischen Financial Conduct Authority zusammenarbeiten werden.

An verfügbaren Alternativen wird gearbeitet. Die London Bullion Market Association hat eine Konsultation eingeleitet und wird mit dem Markt, Aufsehern und möglichen Verwaltern dahingehend zusammenarbeiten.

“Ich vermute, dass etwas entwickelt wird, was einen Auktionspreis während des Werktags hervorbringt, was den Fix ersetzt und den Leuten ermöglicht, eine Benchmark-Zahl abzuleiten, die der Markt braucht”, sagte Ross Norman, Chef des physischen Brokers Sharps Pixley in London. “Das ist unerlässlich für den Markt. Das ist der einzige objektive Preis.”

Das Silber-Fixing findet jeden Tag jeweils am Mittag telefonisch statt. Die drei Mitglieder erklären dabei, wie viel Metall sie kaufen oder verkaufen wollen, sowohl für ihre Kunden als auch für den eigenen Bedarf. Händler geben Änderungen bei Angebot und Nachfrage an die Kunden weiter und nehmen neue Aufträge entgegen, wenn sich der Preis ändert.

Das erste Silber-Fixing fand 1897 im Büro von Sharps & Wilkins statt. Auch bei Gold, Platin und Palladium gibt es einen Fixing-Prozess.

Ende April hatte die Deutsche Bank gesagt, dass sie sich in zum 13. Mai aus dem Gold- und Silber-Fixing zurückziehen werde, während sie ihr Rohstoffgeschäft verkleinert. Ein Nachfolger für den Fixing-Sitz war laut Kreisen nicht gefunden worden. Die FCA habe die größte Bank Deutschland jedoch gebeten, weitere 90 Tage am Silber-Fixing teilzunehmen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person gegenüber Bloomberg.

Aufseher nehmen nach dem Libor-Manipulations-Skandal auch den Preisbildungsprozess bei Gold und Silber genauer unter die Lupe. Die FCA hat im Rahmen einer Untersuchung des Goldmarktes bereits Fixing-Mitglieder besucht, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person vergangenen Monat sagte. Bislang wurden von der Aufsichtsbehörde keine Anschuldigungen erhoben, dass es zu Manipulationen gekommen wäre.