Michael Hasenstab „China wird nicht kollabieren“

Dr. Michael Hasenstab, Chief Investment Officer und Anleihe-Fondsmanager bei Franklin Templeton | © Franklin Templeton

Dr. Michael Hasenstab, Chief Investment Officer und Anleihe-Fondsmanager bei Franklin Templeton Foto: Franklin Templeton

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Die globalen Märkte haben einen kritischen Punkt erreicht. In den vergangenen Jahren befanden sich Aktien und Anleihen im regelrechten Höhenflug. Jetzt ist es aber an der Zeit, festverzinsliche Portfolios und die künftige Entwicklung der einzelnen Segmente neu einzuschätzen - und auch darüber nachzudenken, wie sie sich im Vergleich zu anderen Anlageklassen entwickeln werden. Wir haben versucht sehr diversifizierte Strategien zu entwickeln, die nicht nur herkömmliche Anlageklassen abbilden. Unsere Einschätzung der makroökonomischen Lage ist zurzeit im Großen und Ganzen positiv, aber die Herausforderungen in den einzelnen Ländern und Regionen sind durchaus unterschiedlich.

US-Wirtschaft zu stark für Nullzins-Politik

Die Konjunkturerholung in den USA scheint robust. Die Schwäche im ersten Quartal war einmalig und stellt wahrscheinlich keinen Trend für die nächsten Jahre dar. Schuld war unter anderem der Kollaps der Energieproduktion bedingt durch den niedrigen Ölpreis. Der größte Teil der US-Wirtschaft wird jedoch nicht von Ölproduzenten, sondern von Ölkonsumenten bestimmt und profitiert von dem niedrigen Preis. Bestimmte Bereiche unterstützt er besonders stark, zum Beispiel Chemie, Zellstoff und Papier sowie andere energieabhängige Bereiche, deren Kosten effektiv um die Hälfte gefallen sind. Auch wenn bislang vom gewonnenen Wohlstand der Verbraucher durch günstigere Energiepreise nicht viel zu spüren war, dürften sich im Laufe der Zeit die erhöhten Konsumausgaben in der Wirtschaft niederschlagen.

Am Arbeitsmarkt zeigt sich ebenfalls ein besseres Bild. Die Zahl der Beschäftigten und die geleisteten Arbeitsstunden sind massiv gestiegen. In der Folge hat die Kaufkraft angezogen. Wir glauben, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Löhne ein Niveau erreichen, auf dem sie Inflation auslösen. Auf Basis der Schätzungen der US-Notenbank Fed sind die USA nahe an der Vollbeschäftigung, ein Zustand der unseres Erachtens keine Null-Zinspolitik rechtfertigt. Da die Geldpolitik der Fed aber immer noch auf Krisenmodus eingestellt ist, bewegen wir uns in einen Gefahrenbereich hinein.

Schwacher Euro treibt das Wachstum – auch in Zentraleuropa

Wenn wir uns der Eurozone und den Problemen in Griechenland zuwenden kann ich nur wiederholen, was ich schon in der Vergangenheit gesagt habe – eines von drei Dingen wird geschehen: Griechenland verlässt die Eurozone, Griechenland wird zahlungsunfähig oder Griechenland wird auf ständige Hilfen aus Deutschland angewiesen sein. Ich denke, es sieht so aus als ob der Exit aus der Eurozone möglicherweise am meisten Sinn macht. Denn Griechenland befindet sich in einer Schuldenfalle und kann nichts tun, um da raus zu kommen. Falls Griechenland zahlungsunfähig wird, die Eurozone aber nicht verlässt, stellt das eine große moralische Gefahr dar. Andere Länder wie Italien könnten darüber nachdenken, das gleiche zu tun – ihre Schulden abschreiben. Ich denke nicht, dass das geschehen wird, das Risiko besteht aber. Ich denke, ein Exit Griechenlands aus der Eurozone scheint am wahrscheinlichsten und ich bin sogar der Meinung, das wäre etwas Positives. Die Eurozone ist voller Liquidität, ein turbulentes Ereignis in Griechenland würde daher wahrscheinlich keine großen Wellen schlagen.

In der Eurozone dominiert seit Wochen Griechenland das Geschehen. Ich halte einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für durchaus sinnvoll. Das Land sitzt fest in der Schuldenfalle und kann so nichts tun, um da herauszukommen. In der Eurozone gibt es durch die Europäische Zentralbank ausreichend Liquidität, ein turbulentes Ereignis in Griechenland würde daher wahrscheinlich keine großen Wellen schlagen.

Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) liefert die wichtigste Dynamik in der Eurozone – vor allem da sie für einen schwachen Euro sorgt. Diese Abwertung ist das stärkste Mittel, um Wachstum zu schaffen. Je weiter der Euro abwertet, desto höher ist das Exportwachstum. Die EZB hat sich recht eindeutig geäußert, dass sie an ihrem Kurs festhält. Das könnte den Euro weiter schwächen, vor allem wenn die US-Notenbank Fed eine Normalisierung der Zinsen einleitet. Der Rückenwind für die Eurozone ist unseres Erachtens aber vor allem kurzfristig. Mittel- und langfristig bestehen nach vor wie enorme strukturelle Ungleichgewichte zwischen den einzelnen Ländern.

Wir reagieren auf die Entwicklungen in Europa etwa mit Short-Positionen auf den Euro. Und wir haben europäische Länder im Blick, die wahrscheinlich von steigenden Exporten profitieren, da die Exportnation Deutschland dort produziert, etwa in Ungarn, Tschechien oder Polen. Das Thema Zentraleuropa spielen wir schon länger.

Japan erwacht, Yen im Sinkflug

Positiver Trend des nominalen BIP-Wachstums seit Abenomics



Japan scheint zum ersten Mal seit Jahrzehnten aus der Deflationsphase ausgebrochen zu sein, ein erstes Wachstum ist zu verzeichnen. Zu verdanken ist dies sicherlich Premierminister Shinzo Abe, der harte Reformen in Angriff genommen hat. Er hat sie aber nicht auf einen Schlag umgesetzt, sondern geht schrittweise vor und kann so seine Popularität erhalten. Hierzu trägt auch das Quantitative-Easing-Programm (QE) bei, das die Preise für Vermögenswerte (Aktien und Immobilien) nach oben getrieben hat. Die Anleihekäufe der Bank of Japan haben jedoch einen ganz anderen Hintergrund als in Europa oder den USA. Sie dienen nicht der Erhöhung der Liquidität oder der Währungsmanipulation. Es geht vielmehr um eine simple Monetarisierung der Staatsschulden als Mittel zur Stützung der Preise von Vermögenswerten zum Gewinn politischer Legitimität. Die QE-Maßnahmen dürften fortgesetzt werden und der Yen weiter an Wert verlieren.