Von der Bank ins Family Office Liebesentzug mit Einstecktuch

Reichtum verpflichtet: Jürgen Heraeus, langjähriger Chef des Familienunternehmens Heraeus, ist seit 2008 Vorsitzender von Unicef Deutschland. | © Getty Images

Reichtum verpflichtet: Jürgen Heraeus, langjähriger Chef des Familienunternehmens Heraeus, ist seit 2008 Vorsitzender von Unicef Deutschland. Foto: Getty Images

Konservativ, vom lateinischen conservare, steht für erhalten und bewahren. Ein Attribut, das für die Arbeit von Family Offices gilt und etwas altmodisch besetzt ist. Family Offices verwalten das Vermögen von Unternehmerfamilien, sie betreuen alten Geldadel und beraten Neureiche. Wer ein Großvermögen hat, will nicht spekulieren, sondern vererbt oder stiftet und denkt langfristig, mitunter in Generationen. Die exklusiven Berater sind dabei Bindeglied und Medium zwischen den Vermögenden und ihren jeweiligen Banken. Und innerhalb dieses konservativen Dreigespanns – Geld, Geldhaus, Geldverwalter – kommt es derzeit zu Spannungen.

Das ergibt eine exklusive Umfrage des Londoner Researchhauses Campden in Zusammenarbeit mit der Schweizer Großbank UBS. 40 europäische Familiy Offices, die Privat- und Familienvermögen zwischen 100 Millionen und 1,5 Milliarden Euro betreuen, sind unzufrieden mit dem Selbstverständnis und Krisenmanagement der Banken. 69 Prozent der Multi-Family-Offices – sie betreuen mehrere Mandanten – und zwei Drittel der Single-Offices – sie stehen im Dienst nur einer Familie – geben an, ihre Beziehungen zu Banken und Fondsmanagern überdenken zu wollen oder sie bereits beendet zu haben. Der Grund: Auch im elitären Beratungsgeschäft trete zunehmender Provisionsdruck in den Vordergrund, während eine nachhaltige Performance zu wünschen übrig ließe.

Banken erfüllen Erwartungen nicht

Nur 4 Prozent der Family Offices sind mit den Banken und Dienstleistern ihrer Mandanten zufrieden. „Viele Family Offices sind deutlich aufmerksamer geworden und überprüfen Banken und ihre Produkte intensiver“, sagt Caroline Garnham. „Eine schlechte Performance, hohe Gebühren und mangelhafte Kommunikation lassen viele Family Offices Beziehungen beenden, die mitunter über 30 Jahre Bestand hatten“, so die Anwältin bei der Londoner Kanzlei Lawrence Graham. 88 Prozent der Single-Offices und 60 Prozent der Multi-Family-Offices sehen zudem Interessenkonflikte zwischen Banken und bankinternen Vertrieben. „25 Prozent Eigenkapitalrendite und nett sein zum Kunden funktioniert nicht“, sagt Kurt von Storch vom Kölner Family Office Flossbach & von Storch.

Doch die Edel-Berater zählen auch zu den Profiteuren. Yogi Dewan, ehemals Goldman Sachs, gründete das Londoner Family Office Hassium und gewinnt Kunden, die mit ihren Banken unzufrieden sind: „Die Familien suchen und brauchen eine kontinuierliche Betreuung und nicht alle paar Jahre eine neue Beziehung.“