Folgen für Vermögensverwaltung & Private Banking So bauen Banken ihren eigenen Fintech-Supermarkt

Gregor Puchalla ist Geschäftsführer der Fintech-Schmiede Fintechcube

Gregor Puchalla ist Geschäftsführer der Fintech-Schmiede Fintechcube

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Die Digitalisierung der Finanzbranche ist in vollem Gange. Sie wird unter anderem durch den Markteintritt von Start-ups gekennzeichnet, die sich ganz bewusst auf einzelne Stufen der Wertschöpfungskette von Banken konzentrieren. Auf diese Weise zerlegen Fintechs die Bank gewissermaßen in ihre Einzelteile, etwas das als „Unbundling“ bezeichnet wird.

Die Start-ups entwickeln dafür hochspezialisierte Web- und Mobile-Applikationen und schaffen in einzelnen Marktnischen einen neuen Zugang für digital-affine Zielgruppen. Dabei setzen die Fintechs neue Benchmarks hinsichtlich der Kundenorientierung, Kostenstruktur und Transparenz bei digitalen Bankdienstleistungen. Banken droht der direkte Kundenzugang und damit auch der Zugriff auf die Kundendaten in den entsprechenden Marktnischen verloren zu gehen.

Fintech aus Sicht der Banken

Nachdem viele Banken die Fintechs anfangs weitgehend ignorierten, wurden sie anschließend meist als Konkurrenten wahrgenommen. Inzwischen hat sich dieser Eindruck weitgehend gewandelt. Viele vermeintliche Konkurrenten werden heute als Kooperationspartner wahrgenommen. Wie kommt es zu diesem Wandel?

Bei den meisten neu am Markt gestarteten Fintechs übernehmen die etablierten Banken die Rolle des Transaktionsdienstleisters sowie die regulatorischen Anforderungen. Die Banken helfen damit den Fintechs, ihre digitalen Geschäftsmodelle schnell zu skalieren und sich in ihren Marktnischen zu etablieren.

Die Fintechs wiederum ermöglichen den Banken den digitalen Zugang zu neuen Zielgruppen und führen ihnen neue Konten- und Depotkunden zu. Diese Kooperationsmodelle nutzen somit beiden Seiten, auch wenn die Banken in einigen Marktnischen in die Rolle als Backend-Dienstleister ohne direkten Kundenzugang geraten.

Fintech aus Sicht der Kunden

Was bedeutet Fintech aus Sicht der Kunden? Neben den genannten Vorteilen wie neuen, kundenorientierten Angeboten, günstigen Preisstrukturen und der gesteigerten Transparenz bei digitalen Bankdienstleistungen gibt es auch einige Nachteile aus Sicht der Kunden:
  1. Die vielen neuen Anbieter machen es dem Kunden schwer bis unmöglich, den Überblick über die angebotenen digitalen Services zu behalten. Um unterschiedliche Leistungen abzudecken, welche von der Bank aus einer Hand angeboten werden, muss der Kunde sich bei mehreren Fintechs anmelden und eine Vielzahl verschiedener Webseiten nutzen oder Apps installieren.

    Aufgrund der hohen Spezialisierung und der Konzentration auf einzelne Marktnischen muss der Kunde also zunächst verstehen, welches Fintech-Angebot zu seinem Bedürfnis passt und sich anschließend entscheiden, welches dieser Angebote er auswählen möchte. In einigen Bereichen erschweren fehlende Standards diese Entscheidung.

  2. Der Kunde sieht sich mit der zentralen Frage konfrontiert: Wem soll ich vertrauen? Den meisten Fintechs fehlt unter anderem die Historie, die als Vertrauensmerkmal dienen könnte oder eine vertrauensbildende Marke. Viele Kunden sind sich deshalb anfangs nicht sicher, ob die neuen Angebote nachhaltig sind und die Fintechs, denen sie heute ihr Geld anvertrauen wollen, auch morgen noch am Markt existieren.

Aus diesem Grund testen die Kunden die neuen Services zunächst mit geringen Beträgen, um erste Erfahrungen zu sammeln. Fallen die Erfahrungen positiv aus, sind die Kunden nach und nach auch bereit, den Fintechs höhere Beträge anzuvertrauen.

Banken als Fintech-Supermarkt

Aufgrund der Unübersichtlichkeit des Angebots und des (noch) fehlenden Vertrauens zu vielen Fintechs ergibt sich die Chance für Banken, eine neue Rolle am Markt einzunehmen, die in der Vermittlung von passenden digitalen Angeboten für den Kunden liegt. Die etablierten Finanzinstitute können sich dadurch als „Trusted Advisor“ positionieren, welche den Kunden in seiner Entscheidung unterstützen und bei der Auswahl der geeigneten Fintech Services beraten.

Dazu müssen Banken eine offene Banking-Plattform mit einer Auswahl der besten Fintech-Anbieter implementieren. Diese werden durch APIs (Application Programming Interface; zu Deutsch: Programmierschnittstelle) an diese Plattform angebunden. Auf diese Weise wird die Bank zum sogenannten Fintech-Supermarkt, welche den Kunden schnell und effektiv mit den passenden digitalen Services auf einer Plattform versorgt. Der Kunde kann den angebundenen Fintechs vertrauen und diese sofort nutzen, weil die Bank die sorgfältige Auswahl und Sicherheit der Fintech-Angebote gewährleistet.