Family Offices Die bunte Vielfalt der Immobilieninvestments

Paul von Drygalski, Executive Director bei Ernst & Young Real Estate

Paul von Drygalski, Executive Director bei Ernst & Young Real Estate

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Vermögende Privatpersonen und Unternehmerfamilien greifen oft auf professionelle Unterstützung zurück, wenn es darum geht, ihre Mittel zu investieren. So genannte Family Offices sind dann oft die Anlaufstelle. Es gibt sie in den verschiedensten Ausprägungen: sie sind gezielt für eine einzelne oder aber zugleich für mehrere Familien aktiv (Single/Multi Family Office), sie sind bankenabhängig oder -unabhängig, sie haben in unterschiedlichem Maße Assets der Familien oder Privatpersonen under Management.

Das vorrangige Ziel der Family Offices jedoch ist immer gleich: Bei der Erstellung und Umsetzung einer geeigneten Anlagestrategie zu unterstützen – und zwar sowohl für das liquide als auch illiquide Gesamtvermögen, also inklusive beispielsweise Unternehmensbeteiligungen und auch Immobilieninvestments. Die Immobilie spielt traditionell eine große Rolle für vermögende Familien und Privatpersonen. So hatte – historisch bedingt – Immobilienvermögen gerade bei Unternehmerfamilien oft einen hohen Stellenwert, zum Beispiel in Form von Produktionsgrundstücken.

Aber auch heute noch ist eine Investition in Immobilien (nun eher als Anlageklasse) neben Aktien, besagten Unternehmensbeteiligungen und beispielsweise Rentenpapieren ein wesentlicher Bestandteil der Vermögensstrategie. Dabei zeigt sich mit Blick auf die Immobilie: Nicht nur die Ausprägung des jeweiligen Family Offices (Single/Multi-Family), auch die Dienstleistungsangebote sind breit gefächert.

Neben Kernbereichen der immobilienbezogenen Vermögensverwaltung sowie des Vermögens-Reporting und -controlling unterstützen Family Offices längst auch in steuerlichen und rechtlichen Fragestellungen von Immobilieninvestments.

Darüber hinaus zählen weitere Aufgaben wie die Immobilien- und Hausverwaltung zum Leistungsumfang. Ein wesentlicher Grund, der für Immobilieninvestment der Family Offices spricht: Immobilien können einen langfristigen Schutz gegen Inflation bieten – auch wenn dies in der Realität sicherlich nicht auf alle Immobilieninvestments zutrifft.

In jedem Fall aber tangiert die Immobilie mit der Aussicht auf langfristigen Inflationsschutz einen höchst relevanten Punkt, nämlich die Langfristigkeit des Investments. Sie ist eines der wichtigsten Themen für die Anleger, die von Family Offices betreut werden. Es geht um eine ganzheitliche Verwaltung des Familienvermögens über Generationen hinweg.

Die Langfristigkeit lässt sich dabei auf die mehr oder weniger simple Formel reduzieren, das Vermögen dauerhaft zu erhalten. Dafür muss es jedoch wachsen: um die jeweilige Inflation auszugleichen und darüber hinaus die laufenden Kosten der Familie zu decken. Sie können je nach Lebensstil durchaus erheblich sein. Die Folge ist, dass Family Offices ein gewisses Renditestreben und auch eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen müssen.

Klassische Core-Immobilieninvestments, die zwar nach wie vor einen beachtlichen Renditeabstand zur (deutschen) Staatsanleihe aufweisen, sind aufgrund steigender Preise nicht mehr die Renditebringer, die sie in der jüngeren Vergangenheit noch waren. So wird beispielsweise die Teilnahme an Bieterverfahren für Core-Immobilien von vielen Family Offices nicht mehr als zielführend angesehen, da hier nur noch Renditen im deutlich niedrigen einstelligen Bereich zu erwarten sind.

Dennoch ist die sichere Core-Immobilie natürlich weiterhin ein zentraler Anlagebaustein – nur dass der Zugang abseits von Bieterverfahren wichtiger wird. Außerdem suchen Family Offices zunehmend auch Immobilien mit Wertsteigerungspotenzial und schauen sich im Value-Added-Segment um.