Europas Bankensektor unter Druck Die faulen Kredite der italienischen Geldhäuser

In Schieflage: Die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (Foto: Getty Images)

In Schieflage: Die italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (Foto: Getty Images)

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Es ist noch nicht lange her, dass die Europäische Bankenaufsicht den jüngsten Stresstest von 51 europäischen Instituten veröffentlicht hat. Das Ergebnis: die Banken haben insgesamt ihre Kapitalbereitschaft verbessert.

Trotz dieser positiven Meldung sind Bankaktien nach dem Stresstest eingebrochen. Eine Erinnerung an alle Anleger, dass die Probleme innerhalb der Branche noch längst nicht gelöst sind. Der Referenzindex des europäischen Bankensektors, der Euro Stoxx Banks, notiert gegenwärtig um 35 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn und um 47 Prozent unterhalb des Vorjahreswerts.

Von faulen Krediten und Rekapitalisierung

Das altehrwürdige italienische Haus Banca Monte dei Paschi di Siena war – wie vom Aktienmarkt erwartet – beim Stresstest der große Verlierer. Das Institut benötigt dringend Liquidität und plant dafür eine fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Weiterhin stellte sich heraus, dass auch die Unicredit einen hohen Kapitalbedarf besitzt. Grund dafür ist ein modelliertes Szenario, das einen deutlichen Rückgang der harten Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1) offenbarte.

Dies beweist: Zu den übergeordneten Problemen der italienischen Banken zählen faule Kredite und eine geringe Kapitalisierung. Insbesondere die Banca Monte dei Paschi di Siena ist unserer Ansicht nach die größte Herausforderung für den Sektor.

Die Bank muss von ihren faulen Krediten herunterkommen und sich gleichzeitig neues Kapital beschaffen. Doch selbst wenn es einen gründlich vorbereiteten Ablaufplan gibt, ist es ungewiss, ob dieser umgesetzt werden kann. Eine Entscheidung wird frühestens gegen Jahresende erwartet.

Die Lösung aller Probleme

Zwar haben die meisten Banken beim Stresstest gut abgeschnitten. Aber das löst die Situation in Italien nicht. Denn das Testergebnis dient als Input für den Kapitalbedarf der Banken, der Jahr für Jahr neu festgelegt wird. Grundsätzlich sind die Probleme jedoch auf fundamentaler Ebene anzugehen.

Die Unsicherheit im italienischen Bankensektor wird bestehen bleiben, bis eine Lösung für Banca Monte dei Paschi di Siena gefunden wird. Der dann im besten Fall neu geregelte Umgang mit faulen Krediten könnte anderen italienischen Geldhäusern den Weg für die Handhabung der gleichen Probleme ebnen. Doch bis wir das genaue Ergebnis kennen, wird es noch ein wenig dauern. Diese Situation wird vermutlich den restlichen europäischen Bankensektor noch längere Zeit belasten.

Die Folgen der niedrigen Zinsen

Die zweite große Herausforderung für Europas Banken ist der anhaltende Druck auf die Zinsmargen. Die lockere Geldpolitik der Zentralbanken und die niedrigen Zinsen belasten die Ertragslage der Anbieter. Deshalb muss sich der Sektor weiterhin darauf konzentrieren, die Kosten zu senken. Insbesondere in Südeuropa und Großbritannien können weitere Rationalisierungsmaßnahmen in Form von Filialschließungen und Personalabbau ergriffen werden.

Einerseits sollen die Banken somit mehr Kapital binden, andererseits dürften sie jedoch weniger verdienen – eine gefährliche Mischung. Denn dies kann sich letztendlich negativ auf die europäische Wirtschaft auswirken. Unserer Einschätzung nach wird dieses Problem im zweiten Halbjahr nicht vom Tisch sein. Mehr noch: Wenn der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht im Herbst sogar verlangt, dass mehr Kapital gebunden werden soll, während die Gewinne der Geldhäuser unter Druck stehen, ist eine Anlage in Bankaktien vermutlich nicht attraktiv. Das Risiko steht dann in keinem Verhältnis zur Rendite.