Europäische Anleihen „Es ist eine Spekulationsblase“

Ist seit 23 Jahren für Columbia Threadneedle tätig: David Oliphant | © Johannes Arlt

Ist seit 23 Jahren für Columbia Threadneedle tätig: David Oliphant Foto: Johannes Arlt

private banking magazin: Bislang sieht die Performance des Threadneedle Corporate Bond Funds prima aus. Jetzt sind aber die Renditen gestiegen, die Kurse gefallen. Ist das aufregend oder macht das Angst?

David Oliphant: Ich kriege so schnell keine Angst, ich finde es eher aufregend.

Das mussten Sie jetzt sagen.

Oliphant: Ich bin vorbereitet. Interessanterweise haben wir Mitte 2016 eine Analyse über eine mögliche Spekulationsblase am Anleihemarkt geschrieben. Dabei haben wir vier Argumente erkannt, die dafür sprechen, dass es tatsächlich eine Blase ist. Wir konnten nur nicht ausmachen, wann sie platzt.

Das müssen Sie bitte genauer erklären.

Oliphant: Erstens, über die vergangenen Jahrzehnte bewegten sich die Renditen immer im Rhythmus mit Wachstum und Inflation. So war es auch dieses Mal: niedriges Wachstum, niedrige Inflation, niedrige Renditen. Allerdings sanken die Renditen diesmal weit unter das eigentlich angemessene Niveau. Zweitens gibt es die Idee, dass diesmal alles anders ist, dass die Geschichte neu geschrieben wird. Drittens, die Hand der Zentralbanken. Es sind sehr starke Käufer und völlig unempfindlich gegenüber den aktuellen Kursen. Viele Investoren empfinden es als gefährlich, sich den Zentralbanken in den Weg zu stellen.

Es gibt ja auch den Spruch: „Don’t fight the Fed!“ – „Lege dich nie mit der Fed an!“

Oliphant: Zuerst war es die Fed, jetzt die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die Bank of Japan. Und der vierte Punkt ist die unsichtbare Hand, das sind die Geldflüsse. Hier wirken Kräfte wie Globalisierung, Marktliquidität und Geldflüsse raus aus China und Japan. Und hinzu kommt eine neue Kraft: der Zinseszinseffekt. Weil der so stark gesunken ist, müssen Anleger jetzt noch mehr sparen und in Anleihen stecken. Das ist wie ein unsichtbarer Zwang, sie haben keine Wahl.

Und jetzt könnte es sein, dass die wachsenden Schulden und Inflation in den USA die Blase zum Platzen bringen. Wäre eine kurze Duration in Ihrem Portfolio nicht besser als die aktuelle über vier Jahre?

Oliphant: Wenn wir mit hundertprozentiger Gewissheit sagen könnten, dass die Renditen jetzt steigen werden, dann ja. Aber so gehen wir an die Sache nicht ran. Auf den Trend der Zinsen zu wetten, hat viel zu geringe Erfolgsaussichten.

Wie wäre es mit einem Long-short-Fonds? Da braucht man die Richtung des Markts angeblich gar nicht abzuschätzen.

Oliphant: Es kommt drauf an, was Sie wollen. Für Anleger, die auf absolute Gewinne schauen, ist ein Long-short-Fonds vielleicht besser. Wir managen aber einen Fonds mit höheren Erträgen und niedrigerem Risiko als im Vergleichsindex. Und für manche Anleger passt dieser Ansatz genau ins Portfolio. Sie wollen etwas mit einer berechenbaren Korrelation und ein- schätzbarem Marktverhalten.

Wie wollen Sie die Benchmark schlagen?

Oliphant: Wir versuchen diejenigen Risiken ins Portfolio zu nehmen, bei denen wir die besten Aussichten auf Erfolg haben. Wir suchen die richtigen Unternehmen und von denen die richtigen Anleihen.