Die aufregendste Geldanlage der Welt - Teil 2 Der Wert der Kunst

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  • Die Transaktionskosten sind im Vergleich zum Gegenwartswert relativ hoch; in Relation zu den möglichen Wertgewinnen aber vernachlässigbar.

  • Die Anlage ist relativ illiquide.

  • Die Erfolge werden nur sehr langfristig sichtbar.

  • Ob die möglichen Wertgewinne realisiert werden können, hängt sehr stark davon ab, dass man die Wertentwicklung der Anlage besser einschätzen kann als die übrigen Marktteilnehmer. An Wertpapiermärkten ist dies aufgrund der hohen Informationseffizienz allerdings sehr schwierig, deswegen scheitern hier auch die meisten Anleger mit Optionsgeschäften. Am Kunstmarkt hingegen eröffnet die Intransparenz dem Anleger eine Möglichkeit. Ob man diese nutzen kann, hängt aber davon ab, ob man a) Insidervorteile nutzen kann; oder b) sich aufgrund der eigenen Kunstbegeisterung eigenes Expertenwissen angeeignet hat.

  • Eine passive Haltung gegenüber dem Investment, wie sie für die meisten Kapitalanleger typisch ist, reicht nicht aus, um Erfolg zu haben.
Langfristig hohe Wertgewinne kann man vor allem mit Kunst erzielen, die zu ihrem Kaufzeitpunkt vom Markt unterschätzt oder sogar negativ gesehen wird. Ihre Preissteigerung resultiert aus einem Kulturwandel, den der Investor vorausahnen muss. Dies ist genau so wie bei Venture Capital, wo der Investor einen bestimmten Technologiewandel richtig einschätzen muss. Spektakuläre Preissteigerungen gab es insbesondere deshalb auch bei Kunstrichtungen, die anfangs vom Zeitgeschmack stark abgelehnt wurden, wie der Impressionismus vor 150 Jahren, die Pop Art vor 50 Jahren oder die in den vergangenen Jahren sehr teuer gewordene afrikanische Stammeskunst.

Ein berühmtes Beispiel für einen Venture-Art Sammler war der Schokoladefabrikant und promovierte Kunsthistoriker Peter Ludwig (1925-1996), der in den 60er Jahren die Pop Art für sich entdeckte. Er antizipierte, dass diese Kunstform in ihrer kritischen Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft den kommenden Zeitgeist reflektieren würde, und baute eine umfangreiche Sammlung der wichtigsten Vertreter wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Roy Liechtenstein auf. Der heutige Marktwert dieser Werke entspricht ein Zigfaches der Einstandspreise; wobei man allerdings relativierend feststellen muss, dass sehr wahrscheinlich der Markt für Bilder dieser Periode (speziell bei Andy Warhol) durch Marktinterventionen von Großsammlern derzeit massiv manipuliert wird. Ein weiteres Beispiel sind die amerikanischen Sammler, die Ende das 19. Jahrhunderts in Paris impressionistische Kunst kauften, welche von den meisten französischen Zeitgenossen regelrecht verachtet wurde. Während die damals hochgehandelten Werke inzwischen längst vergessen sind, erhöhten sich die Werte der impressionistischen Bilder seitdem dramatisch.

Sehr kritisch sind daher die Empfehlungen vieler „Art Consultants“ zu sehen, die ihren Kunden vorwiegend hochpreisige und meist dem Zeitgeist entsprechende Werke andienen. Gerade zu absurd ist es, wenn einige Vermögensverwalter oder Private Banker Kunst als „stabile“ Anlage für konservative Anleger anpreisen. So hieß es zum Beispiel in einem Werbeinterview für den inzwischen gescheiteten Berenberg Art Fund: „Kunst ist, wenn es die richtige Kunst ist, eine verhältnismäßig sichere und stabile Kapitalanlage.“ Solch eine Aussage widerspricht jeder Erfahrung am Kunstmarkt.

Kunst ist als Investment genau das Gegenteil von stabil: Sie ist sehr aufregend, und das gleich in mehrfacher Hinsicht: als Einkaufserlebnis, ästhetisch und finanziell. Um als Anleger erfolgreich zu sein, muss man sich mit der Kunst selbst intensiv auseinandersetzen, weil man sonst zu leicht ein Opfer der Manipulationen des Kunstmarktes wird. Dies macht man in der Regel aber nur, wenn man von sich aus Begeisterung und Faszination für die Kunst mitbringt.

Wer vor allem aus rein finanziellen Motiven investiert (und keine illegalen Absichten wie zum Beispiel Geldwäsche hat), ist mit anderen Anlageformen viel besser bedient. Dies gilt insbesondere, wenn auf eine gewisse Sicherheit wert gelegt wird.

Dieser Artikel ist in leicht veränderter Version als gleichnamiger Beitrag in „Mit ruhiger Hand“ Nr. 5 vom 5. Januar 2015 erschienen. Für Interessenten besteht hier die Möglichkeit zum Download. Es handelt sich um die Fortsetzung von "Bildende Kunst: Die aufregendste Geldanlage der Welt", der in leicht veränderter Version als "Kunst-Investments: Kein Markt wie jeder andere"  in „Mit ruhiger Hand“ Nr. 32 vom 1. Dezember 2014 erschien. Auch hier besteht die Möglichkeit zum Download.

Zum Autor: Karl-Heinz Thielmann ist der Vorstand von Long-Term Investing Research - Institut für die langfristige Kapitalanlage.