Barbarella & 2001: Odyssee im Weltraum Meine Fintech-Wunschliste

Spiros Margaris von der Schweizer Beratungsboutique Margaris Advisory

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Als ich vom US-Vermögensverwalter Fred Alger Management eingeladen wurde, an ihrem kreativen Programm mit dem Namen „Think Further“ teilzunehmen, fühlte ich mich sehr geehrt und zugleich herausgefordert.

Um die Zukunft der Finanztechnologie (Fintech) vorherzusagen, fragte ich mich, wie man dieser Branche gerecht wird, die sich so schnell verändert, weiterentwickelt und  derart disruptive Auswirkungen auf den Finanzsektor hat.

Für alle Leser, die nicht allzusehr mit Fintechs vertraut sind, biete ich eine einfache Definition an: Fintechs sind zumeist Start-up-Unternehmen, die das Bankgeschäft und die Finanzbranche durch Innovationen und Technologie verändern. Sie hoffen, den Finanzsektor leichter zugänglich, kostengünstiger und einfacher zu gestalten.

Konstante ist der Wandel

Ich glaube fest daran, dass die Fintechs die Finanzbranche in dem Ausmaß verändern werden, wie es ein weiterer innovativer Disruptor namens Amazon im Bereich des Geschäftsmodells der Einzelhändler für immer verändert hat.

Die betroffenen Gebiete der Fintech-Branche erstrecken sich laut einem aktuellen Bericht von Accenture und dem Partnerschaftsfonds für New York City (im Juni 2015 veröffentlicht) auf Payments, Lending, Trading Technologies und Wealth Management. Das sehr starke Interesse in diesen Bereichen, verstärkt durch Investitionen von Banken, Versicherungen, Risikokapitalgebern (Venture Capitalists) und Tech-Riesen, fördert weiter das explosive Wachstum der Branche.

Es ist aber zu betonen, dass noch nicht alles in der Fintech-Branche bereits vergeben ist. Die Trends, Interessen und Schwerpunkte werden sich weiter verändern, wie sich ja auch Kunden- und Branchenanforderungen ständig verändern werden.

Ich konzentriere mich bei meinen Prognosen auf die zwei vielversprechendsten disruptiven Finanztechnologien, weil sie eine Vielzahl von Bereichen und Branchen in den nächsten fünf bis zehn Jahre beeinflussen werden: Die Blockchain-Technologie und das Cognitive Computing.

Meine erste Prognose: Blockchain-Technologie

Eine erste Vorhersage erstreckt sich über die Blockchain-Technologie, weil sie bereits einen großen Einfluss auf Innovationen in Fintech, Finanzdienstleistungen und Nicht-Finanzmärkten hat.

Zunehmend mehr etablierte Banken stecken einen enormen Forschungsaufwand in die Blockchain-Technologie, auf der auch die virtuelle Währung Bitcoin aufgebaut ist, um kommerzielle Anwendungen zu entwickeln.

Sie alle sehen die Einsparungen und das riesige Ertragspotenzial mit dieser Technologie, da die Notwendigkeit für einen vertrauenswürdigen Mittelsmann, wie zum Beispiel beim Aktienhandel, entfällt. Es bietet sich damit eine schnellere und kostengünstigere Technologie an, die ein sicheres Kassenbuch (Abwicklung und Dokumentation) aller virtuellen Transaktionen bereitstellt. Somit entfällt auch die Notwendigkeit eines zentralen Clearing-Hauses.

Desweiteren werden die Transaktionskosten extrem vermindert oder sogar wegfallen, was sicherlich nicht jedem gefällt. Jedoch ist in einem Umfeld, in dem neue Ertragsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle verzweifelt gesucht werden, Blockchain damit ein willkommener Fintech-Partner für die Finanzwelt.

Die mögliche Nutzung von Blockchain geht sogar weit über die Banken- und Finanzwelt hinaus, da damit das Potenzial geboten wird, viele Branchen zu revolutionieren, wie beispielsweise den Kunsthandel, das Immobilien-Eigentum, den virtuellen Reisepass oder die Film- und Musikindustrie-Rechte, um nur einige zu nennen.

Es ist klar, dass Bitcoin die wesentlichen Elemente hat, um den Status Quo des Finanzsystems speziell für Finanzintermediäre aller Art nachhaltige Folgen haben wird.

Obwohl die meisten etablierten Finanzunternehmen das grosse Potential hinter der Blockchain-Technologie sehen, ist es bis jetzt noch niemanden gelungen, eine Anwendung und einen Einsatzbereich zu finden, die über den Status Quo der Finanzwelt hinausgehen.

Es ist zu betonen, dass die Finanzinstitute noch immer am Anfang stehen, die Blockchain-Technologie in der wirklichen Welt soweit einsatzbereit zu machen, dass sie eine bessere Alternative zu bestehenden Lösungen darstellt. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit, bis dies der Fall ist.

Bei all der Euphorie sollte man auch auf die Probleme dieser Technologie hinweisen. Einige der größten Herausforderungen und Risiken sind die dafür benötigte Rechenleistung und der Energieverbrauch. Desweiteren kommen die nicht zu unterschätzenden regulatorischen und politischen Hindernisse hinzu, die noch zu lösen sind.

Diese Hindernisse werden sicherlich durch Experimente und Forschung in Verbindung mit der Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer überwunden, welche sich ja schon klar durch die Zusammenarbeit vieler etablierter Finanzinstitute abzeichnet.