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Flossbach von Storch zur Anlagekultur Auch die Amerikaner waren nicht immer Aktienfreunde

Times Square 1948

Times Square 1948: Einer Fed-Studie aus jenem Jahr zufolge investierten damals nur 5 Prozent der US-Amerikaner in Aktien. Foto: imago images / UIG

Kulturen lassen sich nicht herbeireden. Sie wachsen, indem wir sie pflegen. Nicht immer mal wieder, sondern wieder und wieder. Und wieder. Über einen langen Zeitraum. Wenn Sie einen Gemüsegarten anlegen, der Ihnen in den kommenden Jahren möglichst viele Vitamine liefern soll, reicht es auch nicht, irgendwann ein paar Samen in die Erde gedrückt zu haben.

So ist es auch mit der Aktienkultur, um die es, das hören wir allenthalben, miserabel bestellt zu sein scheint. In weiten Teilen Europas, zuvörderst in Deutschland, wo die Aktie und der Aktionär kaum Fürsprecher haben, dafür umso mehr Kritiker. Ähnlich wie auch der Unternehmer. Beides irgendwie komische, eher zwielichtige Gestalten, zumindest in der Wahrnehmung vieler Menschen hierzulande.

Für Sparer gibt es nichts zu holen – der Zins ist verschwunden

Dabei wäre es aus Sicht eines Anlegers wichtiger denn je, unternehmerisch zu denken – statt wie ein Sparbuchinhaber, also ein Gläubiger. Als solcher verleiht er sein hart erarbeitetes Geld an die Bank und bekommt, da der Zins verschwunden ist: nichts. Außer der Gewissheit, dass 1.000 Euro zwar auf dem Papier 1.000 Euro sind (und auch bleiben), deren Kaufkraft aber von der Inflation „aufgefressen“ wird. Langsam, aber sicher. Er macht also ein Verlustgeschäft. Mit Ansage! Der Aktionär dagegen ist Unternehmer, zumindest denkt er wie einer. Er würde nie auf die Idee kommen, sich an irgendetwas zu beteiligen, von dem er weiß, dass er damit garantiert verliert.

Amerika, du hast es besser

Dass es auch anders geht, zeigen die US-Amerikaner. Keiner würde, so wie es viele Deutschen tun, mehr als 40 Prozent des Ersparten auf Bankkonten packen oder es als Bargeld horten. Zusammen mit den Versicherungsansprüchen sind es sogar fast 80 Prozent! Nein, die Amerikaner sind überwiegend Aktionäre, etwa jeder Zweite von ihnen hält direkt oder indirekt, über Fonds etwa, Aktien. In Deutschland ist es gerade einmal jeder Achte. Aber war das eigentlich schon immer so?

Die Deutschen waren schon immer Aktienmuffel

Die schlechte Nachricht ist: Ja, in Deutschland war es nie anders. Auch nicht zur Jahrtausendwende, als die Deutschen plötzlich wie im Fieberwahn Aktien kauften, in der Hoffnung, damit über Nacht reich werden zu können. Klar, damals investierten viel mehr Deutsche in Aktien als heute. Mit einer gesunden, weil ausgeprägten Aktienkultur hatte jene kurze Episode, jene kollektive Gier, die für viele Neu-Aktionäre im Desaster endete, jedenfalls nichts gemein.