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Bert Flossbach zur ultralockeren Zinspolitik Die Inflation erlebt mittelfristig ein Comeback

Bert Flossbach, Mitgründer der Kölner Fondsgesellschaft Flossbach von Storch: „Die steigende Investorennachfrage hat weniger mit der Corona-Krise an sich als mit deren Folgen zu tun.“

Bert Flossbach, Mitgründer der Kölner Fondsgesellschaft Flossbach von Storch: „Die steigende Investorennachfrage hat weniger mit der Corona-Krise an sich als mit deren Folgen zu tun.“ Foto: Flossbach von Storch

Immerhin – der ganz große Crash ist in der Corona-Krise bislang ausgeblieben. Die Hilfs- und Konjunkturprogramme der Regierungen haben einen Kollaps der Wirtschaft verhindert. Der Preis dafür ist allerdings gigantisch. Weltweit belaufen sich die haushaltswirksamen Fiskalmaßnahmen auf mehr als fünf Billionen US-Dollar, die durch Staatsgarantien in Höhe von rund 3,7 Billionen US-Dollar ergänzt werden.

Bei Bedarf werden die Staaten nachlegen, was angesichts des tiefen Zinsniveaus zum Nulltarif finanzierbar ist. Die Folge ist ein rasanter Anstieg der Staatsverschuldung auf neue Rekordniveaus. Damit sind die Notenbanken Gefangene ihrer ultralockeren Zinspolitik und dazu verdammt, die Welt ad infinitum mit billigem Geld zu versorgen und im Notfall stützend einzugreifen.

Zinsen? Die Zeiten sind vorbei…

Immer mehr Anleger erkennen, dass der Nullzins von Dauer sein wird und machen sich Gedanken über mögliche Anlagealternativen. Die expansive Geldpolitik und die ausufernden Staatsausgaben dürften mittelfristig zu einem Comeback der Inflation führen. Bei Anlegern dürfte sich das Bedürfnis erhöhen, Vermögen vor dieser seit Langem nicht mehr gekannten Gefahr zu bewahren. Die Anlageklasse, mit der das unseres Erachtens am besten gelingen kann, sind Aktien ertragsresilienter und wachsender Unternehmen.

Gold markierte (in Euro wie auch in US-Dollar gerechnet) zuletzt ein neues Allzeithoch. Der häufig genannte Grund, Gold sei ein Krisengewinner, erklärt das Phänomen aber nicht gänzlich. Es sind vielmehr die zu erwartenden Folgen der Krise, insbesondere das dauerhaft niedrige Zinsniveau und die Liquiditätsschwemme der Notenbanken, die das Thema Inflation wieder am Horizont aufziehen lassen.

Steigende Nachfrage

Gold ist als liquider Sachwert unserer Meinung nach ein geeigneter Inflationsschutz. Allein im ersten Halbjahr 2020 haben Gold-ETFs nach Angaben des World Gold Council 734 Tonnen Gold erworben, mehr als im gesamten bisherigen Rekordjahr 2009. Dies spiegelt eine sukzessiv steigende Investorennachfrage wider, die weniger mit der Corona-Krise an sich als mit deren Folgen zu tun haben dürfte.

Der extreme Anstieg der Staatsverschuldung, das Dauertiefzinsumfeld und ein nicht auszuschließendes Comeback der Inflation machen Gold als „Krisenmetall“ für viele Anleger attraktiv. Bemerkenswert, aber nicht verwunderlich ist, dass die Bestände der Gold-ETFs besonders in den USA stark gestiegen sind. Rekordtiefe US-Zinsen und eine rekordhohe Staatsverschuldung haben nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Investoren dazu bewogen, ihre Investment-Goldbestände trotz der jüngsten Rally am Aktienmarkt aufzustocken.

Für uns ist Gold eine Währung der letzten Instanz und ein Schutz gegen mögliche Krisen des Finanzsystems. Langfristig sollte man von Gold nicht mehr erwarten als den realen Erhalt des Vermögens, aber auch nicht weniger. Und das wäre in zinslosen Zeiten ja schon mal ein Wort.

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