Rohstoffe Wo ist eigentlich die Investment-Story?

Der Airbus A 380 wird größtenteils aus Carbon-Faser hergestellt. Rohstoffe wie Aluminium und Stahl verschwinden zunehmend aus dem Markt. | © Getty Images

Der Airbus A 380 wird größtenteils aus Carbon-Faser hergestellt. Rohstoffe wie Aluminium und Stahl verschwinden zunehmend aus dem Markt. Foto: Getty Images

Wer beim Thema Rohstoffknappheit an die naheliegende Angebot-Nachfrage-Preis-Logik denkt, wird enttäuscht: Der Zusammenhang „Rohstoffe sind knapp, darum steigen die Preise“ ist falsch. Physisch werden viele Rohstoffe knapp, keine Frage, die verfügbaren Reserven sinken. Und die Handelspreise für Rohstoffe sind in den vergangenen 78 Jahren um das Achtfache gestiegen.

Da der Nominalpreis aber nicht inflationsbereinigt ist, enthält der Anstieg auch die allgemeine Preissteigerung. Das bessere Maß für die ökonomische Knappheit ist darum die langfristige Entwicklung der inflationsbereinigten Preise, also der realen Preise. Hier zeigt sich keine Knappheit: Die Rohstoffpreise sind von 1934 bis 2012 real um etwa 50 Prozent gefallen. Im wirtschaftlichen Sinn sind die natürlichen Ressourcen also gar nicht knapper geworden.

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Wieso es keine ökonomische Knappheit gibt


Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit – die Rohstoff-Chronik ist Fortschritts- und Verdrängungsgeschichte. Bis heute gilt: Weil wichtige Ressourcen physisch knapp sind, schaffen Menschen Innovationen, entdecken neue Materialien und entwickeln neue Technologien. Der technologische Fortschritt führt dazu, dass die herkömmlichen Rohstoffe durch neue und besser geeignete Materialien ersetzt werden.

Das ermöglicht uns, nachhaltig zu wachsen, trotz Ressourcenknappheit. Die Entstehung von Ersatzstoffen schont knappe Ressourcen und lässt ihre Preise nicht weiter steigen. Konkret: Wenn Rohstoff A ökonomisch knapp wird, dann steigt der Preis kurzfristig.

Dies stößt drei teils gleichzeitig laufende Entwicklungen an:

Verschiebung der Nachfrage: Ein anderer Rohstoff wird wirtschaftlicher und ersetzt Rohstoff A. Die Nachfrage nach Produkten, die einen hohen Einsatz von Rohstoff A erfordern, sinkt.

Nutzung von Reserven: Das Erforschen und Nutzen von Reserven von geringerer Qualität wird sinn- und wertvoller, ebenso wie die Wiederaufbereitung (Recycling) von Rohstoff A.

Wissenschaftlicher Fortschritt: Neue Mittel fließen in die Forschung und Entwicklung, um erstens alternative Materialien und Technologien für die effizientere Nutzung natürlicher Ressourcen zu entwickeln und um zweitens die Kosten beispielsweise in der Verarbeitung zu senken.

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Traditionelle Rohstoffinvestments wie die Direktanlage in Rohstoffe oder in Aktien von Rohstoffunternehmen sind an die Erwartung von steigenden Preisen infolge der physischen Rohstoffverknappung gekoppelt.

In den vergangenen zehn Jahren haben wir hier eine starke Erholungsphase gesehen. In den kommenden zehn Jahren dürfte sich das allerdings ändern. Langfristig werden die traditionellen Ansätze schlechter funktionieren. Neue Investmentansätze rücken darum in den Fokus. Firmen, die durch Substitute oder effizientere Produktionsmittel zu den sinkenden Rohstoffpreisen beigetragen haben, dürften in Zukunft vielversprechender sein.

Ein Beispiel: In China werden 2030 rund 1,46 Milliarden Menschen doppelt so viel Papier benötigen als heute weltweit produziert wird. Elektronische Lesegeräte wie die E-Reader dürften davon profitieren. Ein weiteres interessantes Beispiel ist etwa der Bereich Seltene Erden, die sich besonders gut für Elektrofahrzeuge und Windkraftanlagen eignen, oder Carbonfasern für Flugzeuge.

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