Peter Schlagbauer, Raiffeisen Capital Management „Wetten auf die Zukunft sind nicht unser Stil“

Peter Schlagbauer, Raiffeisen Capital Management: „Wetten auf die Zukunft sind nicht unser Stil“

private banking magazin: Sie managen Fonds, die Sie Risk Parity nennen, in denen Sie aber von der Risikoparität andauernd abweichen?
Peter Schlagbauer: Ja. Wir halten das Risk-Parity-Konzept für einen guten Ausgangspunkt. Aber es gibt viele Punkte, die uns nicht passen.

Nennen Sie doch mal einen.
Schlagbauer: Der wichtigste ist wohl, dass Risikodaten aus jüngerer Vergangenheit als Maßstab für die Gewichtung von Anlageklassen gelten. Damit hätte man aber Ende 2008 Aktien plötzlich tiefer gewichten müssen, weil sich deren Volatilität vervielfacht hatte. Das ist prozyklisch. Wir verwenden ein System, das uns die Flexibilität gab, gegen Jahresende 2008 Aktien zu kaufen und auch Anfang 2009 das Risiko weiter zu erhöhen. Die wichtige Frage lautet: Gibt es bei der Anlageklasse derzeit eine Risikoprämie?

Wie wollen Sie das herausfinden?
Schlagbauer: Wie fundamentale Investoren. Wir nehmen einen sehr langfristigen Durchschnitt für jede Anlageklasse und schauen, wie stark sie aktuell davon abweicht. Grundsätzlich sollte sich alles immer wieder seinem Durchschnitt annähern.

Reden wir etwa über so simple Dinge wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse und Dividendenrenditen?
Schlagbauer: Ja, auch. Und genau solche einfachen Kennzahlen nähern sich immer wieder ihren Durchschnitten an. Das sagt uns also auch, dass man von US-Aktien in den kommenden fünf Jahren keine Risikoprämie erwarten kann.

Und von Bundesanleihen wahrscheinlich auch nicht.
Schlagbauer: Richtig. Wir haben trotzdem noch eine Restposition im Portfolio, weil Bundesanleihen noch das Gesamtrisiko verringern. Sie korrelieren negativ mit Aktien. Noch.

Wie bitte?
Schlagbauer: In den 90er Jahren war das nicht so. Da gab es einen bemerkenswerten Gleichschritt zwischen Aktien und sicheren Staatsanleihen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Korrelation schon im kommenden Jahr gegen null geht. Dazu bräuchte man nur nominelles Wirtschaftswachstum mit Inflation.

Dann können Sie Ihr Portfolio schon mal darauf vorbereiten.
Schlagbauer: Solche Wetten sind nicht unser Stil. Wir bewerten und handeln, aber wir versuchen nicht, die Zukunft vorherzusagen.

Welche Anlageklassen haben bei Ihnen eine Stammplatzgarantie?
Schlagbauer: Zum einen Aktien und Anleihen von Staaten mit hervorragendem Rating, in erster Linie Deutschland. Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten haben wir aber nicht den Geldmarkt im Fonds, sondern Spread- und Credit-Assets. Das sind Anleihen mit Risikoaufschlägen in den Renditen. Diese Aufschläge fassen wir als eigenes Risiko auf. Das Zinsänderungsrisiko, das diese Papiere ja außerdem immer haben, rechnen wir den Staatsanleihen zu. Und schließlich haben wir noch inflationsgetriebene Anlagen.