Währungsrisiken im Griff Was ein aktives Overlay-Management leisten kann

Jannis Raftopoulos, Geschäftsführer der JRC Capital Management Consultancy & Research

Jannis Raftopoulos, Geschäftsführer der JRC Capital Management Consultancy & Research

Nach der Notenbanksitzung ist vor der Notenbanksitzung. Bei ihrem jüngsten Zusammenkommen beschlossen die amerikanischen Währungshüter, den US-Leitzins vorerst nicht erneut anzuheben. Jetzt gehen die Spekulationen weiter, wann und ob die US-Zinsen in diesem Jahr steigen.

Viel stärker fiebern die Marktteilnehmer zurzeit allerdings dem 23. Juni entgegen. Dann entscheidet das britische Volk, ob Großbritannien in der Europäischen Union bleiben soll. Das fortlaufende Erheben von Umfragen zum Brexit-Referendum treibt die Volatilität beim Britschen Pfund, auch innerhalb eines Handelstages.

Nach der Abstimmung könnte die Unruhe an den Märkten anhalten. Sollte es zu einem Ausstieg Großbritanniens aus der EU kommen, bleiben viele Fragen offen, die für Unsicherheit sorgen. So könnte London an Bedeutung verlieren und politische sowie wirtschaftliche Spannungen könnten entstehen. Daneben erschweren die ständigen Konjunktursorgen in Europa und China das derzeitige Marktumfeld für Investoren.

Flexibles Währungs-Hedging

Währungsrisiken sind eine strategische Herausforderung für international anlegende Investoren. Eine Absicherung dieser Risiken sollte in jedem Portfolio eine große Rolle spielen, denn ohne Währungs-Hedging setzt man ein Portfolio unkalkulierbaren Risiken aus.

Optionsgeschäfte auf Währungen bieten sich als ein taktisches längerfristiges Instrument zur Absicherung an. Unter gewissen Umständen können sie jedoch die Renditechancen schmälern. Eine Währungsabsicherung über den Spotmarkt bietet hingegen mehr Flexibilität. Dabei ist eine variable Absicherungsquote zu empfehlen, die bei Bedarf auf- und abgebaut werden kann. Denn eine ständige volle Absicherung ist zum einen oft teuer, zum anderen verzichtet der Investor komplett auf mögliche Zusatzchancen durch Währungsgewinne.

Ein Beispiel: Ein Kunde hat Investitionen in Höhe von einer Million US-Dollar getätigt. Das entspricht 877.200 Euro bei einem Wechselkurs von 1,14 Dollar pro Euro. Sein erstes Ziel ist, den Wert seiner Investition in Euro zu erhalten. In Phasen, in denen der Euro gegenüber dem Dollar steigt, möchte er daher seine Investition zu 100 Prozent absichern. In Phasen mit fallendem Euro möchte er die Absicherung auf 50 Prozent reduzieren, um vom steigenden Dollar zu profitieren und sich so Zusatzgewinne zum Werterhalt zu sichern.

Was maßgeschneidertes Overlay-Management kann

Beim Thema Hedging hat jeder Kunde aufgrund seiner individuellen Risikobereitschaft eigene Vorstellungen. So möchten einige die Absicherungsquote in steigenden Märkten auf über 100 Prozent ausbauen oder in fallenden Märkten auf null Prozent reduzieren.  Mit einem aktiven Overlay-Management lässt sich diese Quote frei steuern. Bei maßgeschneiderten Overlay-Strategien kann man beispielsweise den Grad der Absicherung anhand mehrerer Modelle auf unterschiedlichen Zeitebenen bestimmen.

Unterschätzte Asset-Klasse

Was viele Investoren außer Acht lassen: Die globalen Devisenmärkte sind der größte und liquideste Finanzmarkt. Das tägliche Handelsvolumen liegt derzeit bei rund 5,3 Billionen US-Dollar. Als Asset-Klasse werden Währungen aber noch von vielen Anlegern zu Unrecht unterschätzt.

Unserer Ansicht nach gehören sie zu einer ausgewogenen Investmentstrategie – auch aufgrund der niedrigen Korrelationen zu anderen Asset-Klassen. So signalisiert das wissenschaftlich basierte JRC-Handelssystem aktuell gute Chancen für Rohstoffwährungen, die aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise unterbewertet sind. Zurzeit durchlebt der Euro eine schwierige Phase. Und Währungen aus den Emerging Markets könnten mit die besten Renditechancen bieten. Allerdings ist zu beachten, dass sie auch höhere Risiken bergen.


Über den Autor:
Jannis Raftopoulos ist Geschäftsführer der JRC Capital Management Consultancy & Research, ein auf Devisen und Derivative spezialisiertes Finanzdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Berlin. Seit über 20 Jahren betreut er Investoren in den Bereichen Asset Management und Brokerage und hat an acht EU-geförderten Forschungsprojekten teilgenommen.