Vontobel-Chefstratege Christophe Bernard „Eine weitere Yuan-Abwertung wäre sinnvoll“

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Die Abwertung bestätigt, dass die chinesische Wirtschaft unter enormem Druck steht, so dass die Entscheidungsträger gezwungen sind, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Wachstum zu stabilisieren – auch über die Exporte. Bei sonst gleichen Bedingungen sehen wir die folgenden Konsequenzen:

  1. Vermögenswerte aus Emerging Markets werden infolge der Doppelbelastung aus Rohstoffpreisrückgang und schwachem Wachstum in China zukünftig unter Druck bleiben.

    Wir erwarten, dass sich die Schwellenländerwährungen weiter abschwächen, worin sich die laufende Verschlechterung der Handelsbedingungen für aufstrebende Volkswirtschaften spiegelt. Obwohl sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (sowie die Devisenreserven der Länder) in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben, kann ein Unfall nie ganz ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür hat zugenommen.

    Wir sind in Emerging-Markets-Vermögenswerten deutlich untergewichtet, in Schwellenländeraktien sowie Anleihen in Lokalwährungen stark untergewichtet und stufen Schwellenländeranleihen in Hartwährungen neutral ein. Nach unserem Dafürhalten ist es noch zu früh, um nach Schnäppchen Ausschau zu halten.

  2. Die Schwäche der Rohstoffpreise und die Konjunkturabkühlung in China tragen zweifellos zur globalen Disinflation bei, sodass die wichtigsten Notenbanken sogar noch mehr Spielraum erhalten, um ihre akkommodierende Geldpolitik fortzusetzen.

    Wir halten an unserer Meinung fest, dass das Fed die Zinsen im September erstmals anheben wird, wobei eine Verschiebung des Zinsschrittes keinesfalls überraschen würde. Zentral ist das höchstwahrscheinlich moderate Tempo der Zinserhöhung. Dies stützt die globale Liquidität und die Finanzmärkte.

  3. Sicheren Staatsanleihen sollte der Disinflationsdruck zugutekommen. Die Bewertung ist unseres Erachtens jedoch unattraktiv, selbst nach den jüngsten Ereignissen. Wir sind deshalb nach wie vor untergewichtet und bevorzugen US-Treasuries mit sehr langen Laufzeiten.

  4. Obwohl sich die Rohstoffpreise allmählich attraktiven Bewertungsniveaus nähern, kann ein weiterer Rückgang nicht ausgeschlossen werden, weil die Überversorgung des Marktes nicht konsequent angegangen wird. Wir halten deshalb an unserer moderaten Untergewichtung fest.

  5. Gold könnte kurzfristig von der Aussicht auf einen Währungskrieg und einer überverkauften Situation im Edelmetallsegment profitieren. Wir sind jedoch nach wie vor der Meinung, dass Gold infolge des endemischen Überangebots voraussichtlich unter Druck bleibt.

  6. Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte sind schwieriger zu beurteilen. Zum einen werden Sektoren mit China- und Rohstoffbezug wie Energie, Bergbau, Automobile oder Luxusgüter voraussichtlich unter Druck bleiben, weil die Anleger (zu Recht) die Gewinnaussichten der Unternehmen infrage stellen. Zum anderen werden die Märkte weiterhin großzügig mit Liquidität versorgt, die Unternehmensgewinne insgesamt sind ordentlich und der Anlagenotstand sollte den Aktienmärkten kräftig Rückenwind geben.