Katastrophenanleihen "Solvency II wird Cat-Bonds für Erstversicherer erst richtig interessant machen"

Michael Stahel

Michael Stahel

private banking magazin: Wann kaufen Sie einen Cat-Bond?

Michael Stahel: Wir verfolgen einen strukturierten, klar definierten Investmentprozess. Kurz gesagt wird dabei jede Anleihe detailliert geprüft. Mittels unserer Modelle prüfen wir zum Beispiel die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihe und kontrollieren so den offiziellen Modellierer. Dann prüfen wir die Struktur, machen ein back-testing, einen legalen Check und so weiter. Abschließend führen wir die Position in den Fonds ein und machen dann einen Stress-Test.

private banking magazin: Der Markt für Cat-Bonds ist noch relativ klein. Kann das Portfolio eines Cat-Bond-Fonds da ausreichend diversifiziert werden?

Stahel: Der Markt ist genügend groß, um ein relativ gut diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Wir sind jedoch ein aktiver Manager und wählen unsere Positionen sorgfältig aus. Daher akzeptieren wir zwischenzeitlich keine Zeichnungen in unseren Produkten, wenn wir zu hohe Zuflüsse erhalten und unsere Ziel-Diversifikation nicht optimal erreichen können.

private banking magazin: Wann ist das zuletzt vorgekommen?

Stahel: Beim Clariden Leu (Lux) I – Cat Bond Fund haben wir vom Mai bis Dezember 2011 keine Zeichnungen akzeptiert, um die bestehenden Investoren vor einer Verwässerung der Diversifikation und der Rendite zu schützen. Aktuell ist der Fonds wieder für Zeichnungen offen, da wir genügend Neuemissionen im Markt sehen, um unser Portfolio ausreichend zu diversifizieren. Viele unserer Kunden investieren heute aber nicht mehr in reine Cat-Bond-Fonds sondern in unsere gemischten Produkte, in welchen wir ein Cat-Bond-Portfolio mit Finanzversicherungsverträgen diversifizieren, um Risiko und Rendite zu optimieren.

private banking magazin: Ist es bei einem Cat-Bond im Portfolio schon einmal zu einem Totalausfall gekommen?

Stahel: Wir hatten bisher zwei Ausfälle von Cat-Bonds: Einmal „Kamp Re“ im Jahr 2005 im Zusammenhang mit dem Hurrikan Katrina, sowie im Jahr 2011 „Muteki“ im Zusammenhang mit dem starken Erdbeben in Japan. Es gab viele Ausfälle von Cat-Bonds, in die wir aber nach erfolgter Analyse nicht investiert hatten, da der entsprechende Bond bei unserer Modellierung die erwünschten Eigenschaften nicht erreichte. So hatten wir zum Beispiel den Bond „Maria Re“ nicht in unseren Portfolios, der im Sommer 2011 im Rahmen der Tornados in den USA ausbezahlt hat oder den Bond "Nelson Re". Diese Anleihe hat anlässlich des Hurrikans „Ike“ 2008 ausbezahlt.

private banking magazin: Ein Risiko von Cat-Bonds oder anderen Versicherungsverbriefungen müsste es ja sein, wenn sich die zugrunde gelegten Risikoparameter ändern. Ist das schon einmal vorgekommen?

Stahel: Die zugrundeliegende Modellierung wird alle zwei bis drei Jahre angepasst. Daraus resultieren neue Werte bezüglich der Ausfallwahrscheinlichkeiten – und damit die von Ihnen erwähnten sich ändernden Risikoparameter. Das ist in unseren Portfolios aber kein Problem, da die durchschnittliche Laufzeit nur rund 1,4 Jahre beträgt.

private banking magazin: Sollte man Erfahrungen im Versicherungsbereich haben, um die Produkte richtig beurteilen zu können?

Stahel: Mehrjährige Erfahrung im Bereich Underwriting und Risikomodellierung ist die Grundvoraussetzung, um Cat-Bonds direkt zu kaufen. Dazu muss man zudem ein „qualified buyer“ sein. Das ist ein institutioneller Investor mit mehr als 100 Millionen US-Dollar in diesem Bereich. Mit unserem Fachwissen ermöglichen wir institutionellen Investoren und Privatkunden, in breit diversifizierte Fonds zu investieren, welche den Anforderungen des Regulators genügen und somit zum Teil sogar öffentlich vertrieben werden können.

private banking magazin: Wie schätzen Sie das Potenzial des Marktes in den kommenden Monaten ein?

Stahel: Wir rechnen aktuell damit, dass sich das Wachstum des Marktes in den nächsten zwei Jahren vor allem auf die illiquiden Finanzversicherungsverträge konzentriert. Der Markt für reine Cat-Bonds wird unserer Meinung nach ab 2013/2015 zu wachsen beginnen; hier rechnen wir damit, dass die neuen Solvenzrichtlinien für Versicherungen, Solvency II, die Emission von Cat-Bonds für Erstversicherer wie Allianz und Zurich erst richtig interessant macht.