Sal. Oppenheim-Chefvolkswirt Moryson „Die Weltbevölkerung befindet sich im demografischen Optimum“

Martin Moryson ist seit November 2012 Chefvolkswirt der Privatbank Sal. Oppenheim

Martin Moryson ist seit November 2012 Chefvolkswirt der Privatbank Sal. Oppenheim

Rund um den Globus leben die Menschen immer länger. Diese erfreuliche Entwicklung lässt sich nicht nur in den Industrieländern beobachten, sondern auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort sogar – von niedrigerem Niveau aus – deutlicher ausgeprägt.

Während die Menschen immer länger leben, kommen immer weniger nach: Die Anzahl der Kinder pro Frau nimmt ab. Auch dies ist ein weltweiter Trend, der sich vor allem in den Entwicklungsländern manifestiert: Die Geburtenrate dort ist inzwischen auf rund 2,5 gesunken – nicht sehr viel mehr als die 1,7 Kinder, die in den Industrieländern pro Frau geboren werden.

Der Anteil der Alten an der Gesamtbevölkerung steigt also, während der Anteil der Jungen zurückgeht. Derzeit befindet sich die Weltbevölkerung in einem demografischen Optimum, weil die aktive Bevölkerung noch nicht sehr viele Alte, aber schon weniger Kinder versorgen muss.

Aus diesem günstigen Verhältnis resultiert die demografische Dividende: Die gesamtwirtschaftliche Produktivität (gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf) steigt.

Die wirtschaftlichen Folgen

Da steigende Lebenserwartung und abnehmende Geburtenrate unterschiedlich spät einsetzen, wird auch die demografische Dividende zu unterschiedlichen Zeitpunkten „vereinnahmt“. Industrieländer wie Deutschland und Japan haben ihre demografische Dividende bereits verfrühstückt. Ihr Wirtschaftswachstum wird bei abnehmender Bevölkerung auf 1,3 und 0,9 Prozent pro Jahr sinken (siehe untenstehende Tabelle).

Auch in China wird der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den kommenden Jahren abnehmen.

Andere Länder wie Indonesien oder Indien hingegen haben die günstige Kombination aus steigender Gesamtbevölkerung und sinkendem Anteil Junger und Alter noch vor sich. Hier muss vor allem die Politik dafür sorgen, dass das Versprechen einer demografischen Dividende eingelöst werden kann.

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Lesebeispiel für Deutschland: In den Jahren 1980 bis 2013 stieg das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresmittel um 1,7 Prozent. Pro Einwohner entsprach dies einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 1,6 Prozent. Für die Jahre 2015 bis 2030 erwarten wir einen BIP-Zuwachs pro Kopf von 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt. Die Bevölkerung wird in diesem Zeitraum um 0,2 Prozent zurückgehen. Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Zuwachs des realen BIP von 1,3 Prozent für die kommenden 15 Jahre.