Loys-Manager warnt vor Mischfonds Doppeltes Risiko, aber nur einmal Rendite

Ufuk Boydak, Vorstand der Fondsboutique Loys | © LOYS AG

Ufuk Boydak, Vorstand der Fondsboutique Loys Foto: LOYS AG

Die Zinsstrukturkurven verheißen nichts Gutes für Anleihemärkte. Bei Ländern mit sehr guter Bonität wie der Schweiz oder Deutschland liegen nicht nur die Renditen für kurzfristige, sondern auch für mehrjährige Laufzeiten im Minus. Doch selbst ein Land wie Portugal konnte in diesem Jahr sehr kurzfristige Anleihen mit Negativrenditen am Markt platzieren. Viele Anleger nehmen die negativen oder – bei länger laufenden Anleihen – die sehr niedrigen Renditen in Kauf. Dabei vergessen sie jedoch, dass diesen mittlerweile trotz der mageren Renditen ein erhebliches Risiko innewohnt. Das oft beschworene zinslose Risiko ist in vielen Portfolios Realität.

Auch die zurzeit bei Anlegern sehr beliebten Mischfonds, die unter anderem Aktien und Anleihen kombinieren, bergen diese Gefahr. In den vergangenen Jahren sind mit den fallenden Zinsen die Anleihekurse gestiegen. Sie haben den Anlegern Kursgewinne beschert und konnten so die Kursverluste an den Aktienmärkten immer wieder auffangen. Dieser Effekt wird künftig ausbleiben, da die Zinsen schon so weit gefallen sind, dass die Anleihekurse kaum steigen können. Stattdessen bergen die Zinspapiere deutlich höhere Risiken als in der Vergangenheit. So bedeutet zum Beispiel ein Renditeanstieg für zehnjährige deutsche Bundesanleihen von nur 100 Basispunkten einen Kursverlust von fast zehn Prozent.

Luft für Multi-Asset-Erfolge wird dünner

In einem Mischfonds, der hälftig auf Aktien und Anleihen setzt, kann die Rendite der Bondseite vielleicht gerade noch die Fondskosten decken. Der Rest der Performance muss von der Aktienseite kommen. Und wenn die Zinsen steigen, gibt es sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite ein hohes Risiko. Das ist quasi ein doppeltes Risiko für nur einmal Rendite. Auch ein Ausweichen auf renditestärkere Anleihesegmente wie Hochzinsanleihen oder Emerging-Markets-Anleihen sind ein falscher Weg: Die dort erzielbaren Renditen klingen zwar hoch, sind aber im Vergleich zum eingegangenen Risiko sehr gering. Das Multi-Asset-Prinzip wird also künftig nicht mehr so funktionieren, wie es sich viele Investoren erhoffen.

Entscheidend bei der Fondsauswahl ist nun vielmehr, nicht einfach nur aufgrund einer erfolgreichen Performance in der Vergangenheit zu kaufen. Die Anleger sollten einen Schritt weitergehen und analysieren, worauf die gute Wertentwicklung zurückzuführen ist. Dann gilt es zu beurteilen, ob die Strategie auch im künftigen Marktumfeld die gleiche Leistung erbringen kann – und das ist gerade bei klassischen Multi-Asset-Produkten die Frage. Wer hier genau analysiert, wird zum Schluss kommen, dass die Luft für diese vermeintlich vermögensverwaltenden Fonds deutlich dünner wird.

Sauber absichern mit Aktien-Long-Short-Strategie

Für Investoren, die nicht ohne Absicherung auf die Aktienmärkte setzen wollen, könnte eine Aktien-Long-Short-Strategie die Lösung sein. Wir kombinieren Long-Positionen in globalen Qualitätsaktien mit Short-Positionen in Marktindizes. Letztere dienen der Absicherung des Marktrisikos. Die Nettoinvestitionsquote liegt stets zwischen zehn und 60 Prozent, üblich sind um die 30 Prozent. So sichern wir Aktienrisiken sehr sauber ab: Wenn die Aktien fallen, greift die Short-Seite, wenn sie steigen, profitiert die Long-Seite. Während bei einer Diversifizierung über Anlageklassen die Korrelationen kaum noch negativ sind, liefert eine Kombination aus Aktien-Long- und Aktien-Short-Positionen eine Korrelation von Null bis negativ – so wie es sich ein rationaler Investor wünscht.

Neben dem Absicherungsmechanismus spielt die Auswahl der Einzeltitel eine wichtige Rolle für unsere Strategie. Sie soll einen Mehrertrag gegenüber dem Index liefern. Ich setze auf unterbewertete Qualitätsaktien: Statt der klassischen, oft sehr teuren Indextitel, bevorzugen wir Aktien, deren Potenzial vom Markt temporär verkannt wird. Diese Aktien sind in der Regel schwankungsärmer. Das Beta des Fonds, also seine Marktsensitivität, wird daher nicht nur durch die absichernden Short-Positionen, sondern zusätzlich durch die Titelauswahl gesenkt. 2015 lag das Beta des Fonds im Schnitt zwischen 0,1 und 0,15, bei einem Markt-Exposure von durchschnittlich 30 Prozent.

Aktuell meide ich zyklische Titel mit hoher Verschuldung und bevorzuge defensive Unternehmen ohne hohes Risiko. Für 2016 rechne ich mit weiterhin volatilen Aktienmärkten, auch kurzfristige sehr heftige Rücksetzer halte ich für wahrscheinlich. Man muss daher mit den Schwankungen gut umgehen können. Langfristig bleibt die Aktie aber ohne Alternative.

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Loys Global L/S P

Über den Autor:
Ufuk Boydak ist seit Januar 2015 Vorstand und Teilhaber der Fondsboutique Loys. 2009 hat Boydak seine Karriere als Analyst bei Loys begonnen. Seit Januar 2013 ist er Fondsmanager des Loys Global System.