3-Jahres-Zeitraum Kein Stiftungsfonds kann 70-30-Benchmark hinter sich lassen

Stefan Haake, Geschäftsführer bei der Portfolio Consulting Family Office in München

Stefan Haake, Geschäftsführer bei der Portfolio Consulting Family Office in München

Die Anforderungen und Herausforderungen an das Vermögensmanagement für die in Deutschland knapp 20.000 existierenden Stiftungen sind nicht zuletzt durch die Finanzkrise und das lang anhaltende Niedrigzinsniveau der letzten Jahre - vor allem auch für kleinere und mittlere Stiftungen - zunehmend komplexer geworden.

Immer weniger Stiftungen gelingt es, ihr Vermögen nicht nur nominal, sondern auch real - also inflationsbereinigt - zu erhalten und stellt viele vor ein Problem: Einerseits muss das angelegte Stiftungskapital sichere Erträge erwirtschaften, um die originären Stiftungszwecke nachhaltig erfüllen zu können, andererseits ist der Kapitalerhalt nach Abzug der Inflation mit risikolosen Anlageformen nicht mehr zu erreichen.

Neue Anlagestrategien sind gefragt, an risikoreicheren Investments führt dabei aktuell kein Weg vorbei. Spezielle "Stiftungsfonds" scheinen die ideale Antwort auf diese Herausforderungen zu sein - oder doch nicht?

Untersuchungsgegenstand

In Deutschland werden aktuell 38 Stiftungsfonds mit einem Anlagevolumen von 4,3 Mrd. Euro angeboten. Es handelt sich dabei um Mischfonds (Aktien und Renten), die dank einer aktiven Steuerung der Aktienquote stetige Wertzuwächse anstreben. 64 % der Stiftungsfonds sind defensiv, 31 % ausgewogen und 5% offensiv ausgerichtet.

Gemessen am Gesamtvermögen der in Deutschland registrierten rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts in Höhe von rund 100 Mrd. Euro ist das Anlagevolumen der 38 Stiftungsfonds klein. Das Volumen der einzelnen Stiftungsfonds reicht von 1 Mio. Euro bis mehr als 1 Mrd. Euro. Die Kosten (TER) liegen zwischen 0,58 % p.a. und 3,59 % p.a.

Portfolio Consulting Stiftungsfondsindex

Zur besseren Vergleichbarkeit, Messbarkeit und Darstellung der Untersuchungsergebnisse wurde von den Experten der sog. Portfolio Consulting Stiftungsfondsindex kreiert, der die Wertentwicklung der in Deutschland zugelassenen Stiftungsfonds gleichgewichtet zusammenfasst. Um die Performance zu beurteilen, wurde ein der Risikoausrichtung der zugrundeliegenden Fonds angepasster Vergleichsindex entwickelt, umso relevante Vergleichsgrößen in Form von geeigneten Benchmarks abbilden zu können.

Die Performance des Index beträgt seit 1.1.2003 kumuliert 38,31 % bzw. 3,06 % p.a. und bleibt erheblich hinter der Wertentwicklung des Vergleichsindex von 99,34 % bzw. 6,63 % p.a. zurück. Auch gegenüber deutschen Anleihen, die seit 1.1.2003 gemessen am REXP kumuliert um 62,17 % bzw. 4,60 % p.a. zulegten, bleiben die Stiftungsfonds deutlich zurück. Ein passives Investment in deutsche Anleihen wäre also sowohl schwankungsärmer als auch kostengünstiger gewesen.

Im 3-Jahresvergleich erreicht der Portfolio Consulting Stiftungsfondsindex eine kumulierte Rendite von 5,28 % bzw. 1,73 % p.a. und liegt unter der durchschnittlichen Performance aller Stiftungsfonds von 5,72 %.

Der Maximum Drawdown (maximaler kumulierter Verlust innerhalb der 3-Jahres- Periode) wird als Risikomaß zur Beurteilung der Fonds zugrunde gelegt. Hintergrund ist, dass weniger professionelle Anleger erfahrungsgemäß zu Höchstkursen ein- und in Baissephasen aussteigen. Der Portfolio Consulting Stiftungsfondsindex weist einen maximalen kumulierten Verlust von -4,74 % auf und ist somit leicht besser als der Durchschnitt, der bei -7,47 % liegt.

Ergebnisse Defensive Fonds

Im Performancevergleich über drei Jahre haben nur zwei, der nach Schließung des LIGA-Pax-Balance-Stiftungsfonds-Union verbleibenden 24 defensiven Fonds, eine negative Rendite. Allerdings erzielen auch nur die besten Acht eine Rendite von über 10 % und die besten 15 Fonds eine Performance von mehr als 5 %.

Die Durchschnittsrendite der defensiven Stiftungsfonds liegt bei 6,27 %. Selbst den besten drei Fonds gelingt es nicht, den Vergleichsindex (30 % Aktien, 70 % Anleihen) über drei Jahre zu schlagen. Ein rein passives Investment hätte eine bessere Performance vorweisen können.

Positiv ist, dass alle bis auf einen Fonds einen Maximum Drawdown von weniger als 7 % haben. Mehr als die Hälfte hat einen Maximum Drawdown von mehr als 5 %. Die Top-Drei der defensiven Fonds sind unter einen Maximum Drawdown von 1,9 % geblieben und haben mindestens eine Rendite von 3,51 % p.a. erzielt.

Ergebnisse Ausgewogene Fonds

Die ausgewogenen Fonds weisen einen erheblichen Performanceunterschied während der letzten 36 Monate von 19,41 % bis zu -35,79 % auf. Die besten fünf ausgewogenen Fonds erwirtschaften in diesem Zeitraum eine Rendite von mehr als 10 %. Vier Fonds aus der Datenbank schafften es in dieser Zeit nicht, eine positive Performance zu generieren. Den Vergleichsindex konnte keiner von ihnen schlagen. Ein passives Investment wäre auch hier besser und günstiger gewesen.

Die maximalen Drawdowns der ausgewogenen Fonds weisen in den letzten drei Jahren ebenfalls große Unterschiede mit Werten von 2,42 % bis zu 37,18 % auf. Die besten sieben Stiftungsfonds konnten Verluste von mehr als 10 % vermeiden.

Positiv hervorzuheben ist in der Kategorie "defensiv" der LAM-Stifterfonds-Universal sowie in der Kategorie "ausgewogen" der Fonds für Stiftungen von Invesco.

Stiftungsfonds - Antwort auf die Ertragsfalle?

Stiftungsfonds unterliegen den gleichen Marktbedingungen wie andere, "normale" Investmentfonds. Dennoch gibt es auch ausgewogene Fonds, die stetige Erträge bieten. Eine Beimischung des richtigen Stiftungsfonds kann daher durchaus sinnvoll sein. Wichtigster Aspekt dabei bleiben jedoch die Fondsauswahl und der richtige Einsatz im Gesamtportfolio.

Stiftungsfonds bündeln die Anlagen mehrerer Investoren und müssen den Grundsatz der Risikostreuung beachten. Daher ist das Anlagerisiko meist - allerdings nicht immer - geringer als das eines einzelnen Investors, der seine Anlagen in der Regel auf wenige Titel konzentriert hat.

Stiftungsfonds sorgen nicht per se für eine Optimierung des Gesamtvermögens und können nicht die Einhaltung individueller Verlustschwellen zur Sicherung langfristiger Projektzusagen bieten.