Interview mit Loys-Fondsmanager Ufuk Boydak „Wir sichern das Marktrisiko weitgehend ab“

Loys-Fondsmanager Ufuk Boydak

Loys-Fondsmanager Ufuk Boydak

Der Loys Global L/S ist ein Aktien-Long-Short-Fonds. Wozu dienen die Short-Positionen: Alphaquelle oder Absicherung?

Ufuk Boydak: Die Short-Seite ist unser Sicherheitsnetz. Ich manage ebenfalls den Loys Global System, einen globalen Long-only-Fonds, der mit langfristiger Ausrichtung auf unterbewertete Qualitätsaktien setzt. Einige Kunden wollen die im Aktienmarkt inhärenten Schwankungen allerdings umgehen, oder sie dürfen rechtlich gar nicht in solch volatile Anlagen investieren. Daher haben wir den Long-Short-Fonds im Angebot. Er investiert long ebenfalls in unterbewertete Qualitätsaktien, sichert aber gleichzeitig weitgehend das Marktrisiko über Index-Short-Positionen ab.

Welche Indizes nutzen Sie?

Boydak: Wir nutzen die Standardwerte-Indizes der Länder, in denen wir investiert sind. Unsere deutschen Aktien sichern wir mit dem Dax ab, die amerikanischen mit den S&P 500 oder dem Nasdaq und so weiter. Wir gehen aber keine Short-Wetten ein. Wir würden also nicht etwa aufgrund unserer Marktmeinung den chinesischen Index 10 Prozent short gehen, ohne dass wir dort Aktien halten. Short-Positionen dienen nur der Senkung des Marktrisikos, damit es keine negativen Überraschungen für die Anleger gibt.

Und wie stark sichern Sie ab?

Boydak: Wir haben grundsätzlich etwa immer zwei Drittel des Marktrisikos abgesichert. In diesem Jahr lag die Nettoinvestitionsquote zwischen 25 und 40 Prozent. Bei der Steuerung gehen wir antizyklisch vor. Wenn der Markt fällt und fällt, würden wir unsere Nettoinvestitionsquote erhöhen in Richtung 40 bis 50 Prozent. Wenn der Markt hingegen deutlich steigt, würden wir die Quote nach und nach bis auf 10 Prozent hinunterfahren. Einen gewissen Investitionsgrad haben wir aber immer.

Unterscheiden Sie dabei nach den einzelnen Ländern?

Boydak: Ja, wir schauen uns die Aktien der einzelnen Indizes an und ermitteln unseren eigenen fairen Wert für jeden Index. Wenn uns einer ziemlich teuer erscheint, sichern wir dort stärker ab. Unsere Frankreich-Investments sind zurzeit zum Beispiel voll abgesichert. Der Index ist schon sehr gut gelaufen, vielleicht zu gut für die wirtschaftliche Lage im Land.

Auf der Long-Seite setzen Sie auf „unterbewertete Qualitätsaktien“. Was verstehen Sie darunter?

Boydak: Unterbewertete Aktien haben für uns eine Sicherheitsmarge von mindestens 30 Prozent. Wir wollen also Unternehmen zu einem Preis kaufen, der bei maximal 70 Prozent des von uns errechneten fairen Werts liegt. Unter Qualität verstehen wir zeitstabile Geschäftsmodelle, die vor Wettbewerb einigermaßen geschützt sind, gutes Management, absehbare Ertragskraft und stabile Profitabilität.

Haben Sie Beispiele?

Boydak: Im Portfolio haben wir zum Beispiel den Tec-Dax-Wert GFT Technologies, das Pharmaunternehmen Boiron aus Frankreich oder den österreichischen Karton-Produzenten Meyer-Melnhof. Wir mögen familiengeführte Unternehmen, die wenig zyklisch sind.

Wie ist die Strategie in den vergangenen Monaten aufgegangen?

Boydak: Wir haben ja praktisch seit April eine Korrekturphase an den Märkten mit mehreren Rücksetzern. Fast alle davon haben wir unbeschadet überstanden. Wir machen durch die Short-Absicherung die negative Marktentwicklung sehr viel weniger stark mit und erzielen gleichzeitig durch die Titelselektion einen Mehrwert. Zum Beispiel hat am 18. September, der Tag nach dem Fed-Zinsentscheid, der Markt um 3 Prozent nachgegeben, unser Fonds ist aber um 0,4 Prozent gestiegen. Bei einer Investitionsquote von 30 Prozent hätte der Fondspreis eigentlich um etwa ein Prozent fallen müssen. Durch die Aktienselektion erzielten wir aber einen Mehrwert gegenüber dem Index und landeten insgesamt im Plus.