Kunst-Investments „Gute Jahrgänge gibt es auch bei Künstlern“

Katharina Sayn-Wittgenstein leitet seit März 2003 das Hamburger Büro von Sotheby’s. | © SANDRA HAUER

Katharina Sayn-Wittgenstein leitet seit März 2003 das Hamburger Büro von Sotheby’s. Foto: SANDRA HAUER

private banking magazin.de: Sie selbst leiten Benefiz-Auktionen, Ihr Kollege Tobias Meyer gilt fast schon als Ikone. Was muss ein Auktionator eigentlich können?

Katharina Sayn-Wittgenstein: Es gibt nicht den einen klassischen Weg, um Auktionator zu werden. Zunächst sollte man eine leitende Position in einer Fachrichtung erreicht haben. Bei Tobias Meyer ist das die zeitgenössische Kunst. Auktionen zu halten, ist Teil dieser leitenden Funktion. Ohnehin ist nicht jeder Kunstexperte zum Auktionator geeignet. Idealerweise sollte man mit viel Charisma ein großes Publikum in seinen Bann ziehen können, den Spannungsbogen halten und nervenstark sein. Letztendlich sollte der Auktionator eine ganz spezielle Atmosphäre schaffen können, um gute Preise zu erzielen.

private banking magazin.de: Was ist bei Auktionen heute anders als bei der Gründung von Sotheby’s im Jahre 1744?

Sayn-Wittgenstein: Die Auktionen sind wesentlich globaler geworden, und die Anforderungen an das Konzentrationsvermögen des Auktionators haben gewaltig zugenommen. Bei großen Versteigerungen in New York sind neben dem Publikum im Saal noch bis zu 60 Bieter über Telefone zugeschaltet, die teilweise auf Japanisch, Chinesisch oder Russisch mitbieten. Zudem gibt es heutzutage sogenannte Live-Biddings, das heißt, über ein Laptop erhält der Auktionator weitere Online-Gebote. All das muss er im Blick haben, die richtigen Bieterschritte berücksichtigen und für die erwähnte Atmosphäre sorgen. Der Job ist definitiv nicht leichter geworden.

private banking magazin.de: Auktionen veranstaltet Sotheby’s nur an zehn Standorten. Wofür dienen die anderen 80 Filialen?

Sayn-Wittgenstein: Über unser Netz an Niederlassungen, vier davon in Deutschland, tragen wir weltweit Kunst zusammen, um diese in thematischen Kunstauktionen zu vermarkten. Die Kollegen in den meisten Niederlassungen treten dabei als Vermittler und Berater auf. Unser Service umfasst die Schätzung von Kunstgegenständen, die Beratung bei Kauf und Verkauf sowie bei Versicherungen von Kunstwerken. Dazu gehört in meinem Fall auch, Hamburger Kunstsammler auf anstehende Auktionen mit Werken ihrer Lieblingskünstler hinzuweisen. Der Aufwand, den wir gerne betreiben, um unsere Kunden bei ihrer Sammelleidenschaft zu unterstützen, ist hoch, der persönliche Kontakt in der Branche enorm wichtig.

private banking magazin.de: Eins der Schrei-Bilder von Edvard Munch wurde im Mai 2012 für knapp 120 Millionen Dollar versteigert. Warum zahlen Sammler solche Spitzenpreise?

Sayn-Wittgenstein: Zum einen ist sehr viel Geld auf dem Markt, zum anderen hat das Munch-Bild Kultstatus. Des Weiteren ist die Nachfrage nach marktfrischen, seltenen und qualitativ hochwertigen Werken enorm hoch. Es gibt aber Bereiche der Kunst, die noch unterbewertet sind. Gemälde des 19. Jahrhunderts beispielsweise.

Die nachkommende Sammlergeneration interessiert sich mehr für die Kunst Ihrer Zeit und das ganze Drumherum an Events wie Kunstwochenenden in Berlin und London. Porzellan, altes Silber und antike Möbel sind heutzutage daher außerordentlich erschwinglich. Doch auch eine Barockkommode im Rahmen einer zeitgenössischen Sammlung kann sehr reizvoll sein.

private banking magazin.de: Stimmt es eigentlich, dass sich der Kunstmarkt antizyklisch zur weltweiten Wirtschaftslage entwickelt?

Sayn-Wittgenstein: Im Falle der Lehman-Krise 2008 war der globale Kunstmarkt jedenfalls auch beeinträchtigt. Sammler, die kaufen oder verkaufen wollten, waren zunächst verunsichert. Als allerdings die ersten Bilder versteigert wurden, war die Schockstarre des Markts schnell überwunden. Anders als früher dauerte das Tief nicht lange an. Ein neues Phänomen ist das gestiegene Interesse einer breiteren globalen Öffentlichkeit für Kunst-Investments. Es hat sich entwickelt, seit viele nach nachhaltigen Werten suchen.

Vor zehn Jahren war das noch anders, Kunst-Investments wie die damaligen Kunstfonds fristeten ein Schattendasein. Aber auch heute sind Kunst-Investments keine Selbstläufer. Entscheidend sollte sein, dass die Werke eine emotionale Rendite für den Käufer abwerfen. Ein Gemälde können Sie jeden Tag betrachten und sich daran erfreuen.

private banking magazin.de: Was sind weniger spekulative Kunst-Investments?

Sayn-Wittgenstein: Werke von Künstlern, die schon einen gewissen Bekanntheitsgrad haben, von einer namhaften Galerie vertreten werden und sehr präsent auf Kunstmessen sind. Zudem sollten Investoren auf gängige Formate bei Kunstwerken achten. Es gibt zwar heutzutage mehr großzügig geschnittene Wohnungen und Büros als in früheren Zeiten. Großformate verkaufen sich jedoch schwieriger, da der Kreis derjenigen, die sich mit solchen Werken umgeben können, nach wie vor kleiner ist. Auch hat jeder Künstler gute wie schlechte Tage. Kaufwillige sollten darauf achten, dass sie, ähnlich wie beim Wein, ein Werk aus einem guten Jahr eines Künstlers erwerben.


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