Grexit per Zufall? Vier Denkfehler in der Griechenlandkrise

Martin Hüfner von der Münchner Fondsboutique Assenagon

Martin Hüfner von der Münchner Fondsboutique Assenagon

So viel Unsicherheit war selten. Niemand traut sich heute, eine Prognose abzugeben, wie die Gespräche mit den neuen Männern in Griechenland ausgehen werden. Die Athener Börse ist mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Das liegt nicht nur an dem Katz-und-Maus-Spiel, das die Beteiligten miteinander betreiben. Es liegt auch nicht an den Nebelkerzen, die immer wieder geworfen werden. All das ist in solchen Verhandlungen üblich. Es liegt auch daran, dass es in Sachen Griechenland so viele Vorurteile und Denkfehler gibt wie selten. Hier ein paar Beispiele.

Erstens: Es wird immer wieder gesagt, Griechenland sei ein Fass ohne Boden. Da sollte man nicht gutes Geld schlechtem hinterherwerfen. Das ist nicht richtig. Ökonomisch steht Griechenland nach den schmerzhaften Anpassungsprozessen der letzten Jahre heute besser da denn je. Die Wirtschaft wächst wieder (siehe Grafik). Die Leistungsbilanz weist einen Überschuss auf. Das Haushaltsdefizit ist kleiner als 3 Prozent. Italien und Frankreich wären glücklich, wenn sie eine solche Bilanz aufzuweisen hätten.

Woran es in Griechenland fehlt, ist eine Verankerung der Reformpolitik in der Gesellschaft. Nur dann steht sie auf dauerhafter Basis. Austerität allein reicht nicht. Aber dieses Manko gibt es in vielen Staaten. Ein Schwachpunkt sind auch die Banken. Sie leiden unter faulen Krediten, 40 Prozent aller Kredite sind notleidend. Zudem ziehen Einleger ihr Geld aus Angst vor der unsicheren Zukunft ab.