Unterstützung für Zypern Der nächste Regelbruch

Ralf Zimmermann

Ralf Zimmermann

In der Eurokrise wird mit dem Rettungspaket für Zypern das nächste Kapitel geschrieben: Spareinlagen sind nicht mehr sicher – und zwar alle, auch solche, die gesetzlich gegen Ausfall versichert sind. Erneut wurde eine Regel gebrochen. Die Auswirkungen auf das Vertrauen in anderen Krisenländern sind bislang noch nicht abzusehen und kommen in einer Situation, in der manche glaubten, die Eurokrise sei durch die verbalen Interventionen der EZB gelöst. Damit erhöhen sich die taktischen Risiken für den Aktienmarkt.

Nach den bisherigen Plänen werden Einlagen bis zu 100.000 Euro, der gesetzlichen Versicherungsgrenze, mit 6,75 Prozent und über diesen Wert mit 9,9 Prozent besteuert beziehungsweise in Aktien der betreffenden Bank gewandelt. Mit anderen Worten: Ein zypriotischer Sparer mit Einlagen von 10.000 Euro hat – wenn die Banken wieder öffnen, was sich je nach Entwicklung der Situation noch hinziehen kann – nur noch Zugriff auf 9.325 Euro.

Dramatisch aufgepumpter Bankensektor

Dass die Einlagen als solche zur Rettung Zyperns beitragen müssen, kann zumindest jene nicht überraschen, die über Grundkenntnisse der Mathematik verfügen und einen kurzen Blick in die Bankbilanzen geworfen haben: Zypern hat einen dramatisch aufgepumpten Bankensektor (die aggregierte Bilanzsumme aller Banken beträgt das Achtfache der Wirtschaftsleistung, wohingegen Spaniens Quote mit unter 300 Prozent wie ein Muster der Selbstdisziplin aussieht). Mit den Abschreibungen auf die Vermögenswerte der Banken (Aktivseite der Bilanz) müssen diejenigen ihren Beitrag leisten, die diese Werte finanziert haben (Passivseite der Bilanz). Wie in anderen Ländern auch ist kaum Eigenkapital vorhanden, allerdings gibt es in Zypern auch wenig klassische Bankschuldverschreibungen. Der größte Teil stammt von in- und vor allem ausländischen Einlagen – daher die Notwendigkeit, dass die Sparer ihren Beitrag leisten.

Allerdings hofften viele am Kapitalmarkt im Vorfeld, dass die Lücke nahezu ausschließlich über Rettungsgelder aus der Eurozone geschlossen wird. Aber hier stellten sich – zum Glück muss man aus deutscher Sicht sagen – die Politiker Deutschlands und vor allem Finnlands quer.

Fataler handwerklicher Fehler

Es dürfte allerdings ein fataler handwerklicher Fehler des vorgelegten Pakets sein, gesetzlich versicherte Einlagen mit einzubeziehen. Zwar ist es wahrscheinlich, dass im weiteren Verlauf „nachgebessert“ wird, um die Zustimmung des zypriotischen Parlaments sicher zu stellen. Die Financial Times zitiert Verhandlungsteilnehmer, die eine Erhöhung der Sätze für hohe Einlagen auf 12,5 Prozent und eine Verringerung für kleine Einlagen auf 3,5 Prozent ins Spiel bringen. Allerdings ist der Geist aus der Flasche entwichen. Es gibt bereits auch erste Stimmen aus Zypern, die einen Austritt aus der Eurozone fordern. Auch solche Forderungen erhöhen die Unsicherheit.

Die zentrale Frage für die weitere Entwicklung an den Märkten ist nun: Wie wirkt diese Maßnahme auf Sparer in den anderen Krisenländern?

Eine endgültige Antwort kann jetzt noch nicht gegeben werden. Aber das Risiko steigt deutlich, dass dort nach der Stabilisierung in den vergangenen Monaten Gelder wieder von Banken abgezogen werden. Die Zinsen für Banken aus Krisenländern und für die jeweiligen Staaten dürften dann wieder steigen.

Italien nicht mehr auf Reformkurs

In dieser angespannten Situation kommt hinzu: Die Regierungsbildung in Italien ist nach wie vor ungeklärt. Das Einzige, das wohl festgestellt werden kann, dass jedwede neue Regierung den bisherigen Reform- und Konsolidierungskurs Italiens nicht mehr fortsetzen wird.

Es darf unterstellt werden, dass die EZB bei einem deutlichen Überspringen auf andere Krisenländer mit Liquidität und Interventionen eingreifen wird. Aber dies dürfte wohl erst nach einer sichtbaren Verschärfung der Krise geschehen.

Unser Gold-Exposure und ein stärkerer US-Dollar bieten bei einer Eskalation Schutz in unseren Portfolios. Nach den deutlichen Gewinnen seit Juli 2012 steigen gleichwohl die kurzfristigen Risiken für den Aktienmarkt, was für eine vorsichtigere Positionierung spricht.