Anlagestrategie „Vermögensverwalter sollte Investments in Echtzeit überwachen können“

Anlagechef beim Multi Family Office Focam: Ulrich Reitz

Anlagechef beim Multi Family Office Focam: Ulrich Reitz

Das Frankfurter Multi Family Office Focam hat mit seinem neuen Investmentchef Ulrich Reitz auch seine Strategie geändert. Unter Thorsten Querg konzentrierte sich die Gesellschaft auf Rohstoffe, Edelmetalle, aber auch Ländereien, Immobilien und damit verwandte Wertpapiere, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Die damalige Begründung für diese Strategie war simple: Die deflationäre Phase der Wirtschaft werde wegen der expansiven Geldpolitik nicht lange anhalten und es werde zu einer unvermeidlichen Inflation, wenn nicht sogar Hyperinflation kommen. Das hatte der Gründer des Multi Family Office, Christian von Bechtolsheim, 2009 gesagt.

Die Inflation ist seitdem so gut wie ausgeblieben und Rohstoffe befinden sich seit rund vier Jahren auf Talfahrt und eignen sich laut Reitz nicht unbedingt als Wertsicherungsanlage. Als aktiver Vermögensverwalter sollte man heute seine Anlagen in Echtzeit überwachen können, meint Reitz.

Schwellenländer bieten Chancen

Dementsprechend setzt er auf ein systematisches Testverfahren (Screening) von rund 400 Unternehmen unter den Gesichtspunkten Wachstum, Bilanz, Bewertung und zusätzlich noch den Kontakt zum Unternehmen. Dazu werden die Investmentideen mit den Kunden besprochen.

Doch eine fundamentale Analyse ist nicht mehr ausreichend. Auch die Markterwartungen müssten beobachtet und immer mit dem Bild der Realität vergleichen werden. Entsprechend ist das Thema einer Zinswende in den USA ein überbewertetes Thema. Es komme dabei viel mehr darauf an, nicht wann die Wende kommt, sondern was danach kommt, so Reitz.

Chancen sieht der Investmentchef von Focam in den Schwellenländern. Zur Begründung meint er, die technischen Perspektiven der rohstoffabhängigen Länder würden allmählich besser. Positive Nachrichten könnten entsprechend eine große Wirkung haben. Auch würden sich die Konjunkturerwartungen erholen und auch China könnte es bald besser gehen.