Interview mit Dmitry Solomakhin „Stop-loss-Marken sind das Wichtigste“

Dimitry Solomakhin managt den Aktienfonds Fidelity Fast Global

Dimitry Solomakhin managt den Aktienfonds Fidelity Fast Global

private banking magazin: Der Fidelity Fast Global Fund hat einen Active Share von 100 Prozent. Das heißt, Sie sind ein sehr aktiver Manager. Wie finden Sie Investments?
Dmitry Solomakhin: Ich bekomme jeden Tag eine Liste mit Kauf- und Verkauf-Kandidaten von unseren Analysten-Teams. Die durchsuche ich nach Unternehmen, die in mein Beuteschema passen. Erst dann gehe ich in die Tiefe. Ich gucke mir die Zahlen genauer an und führe Gespräche mit dem Management.

Nach welcher Art von Unternehmen suchen Sie?
Solomakhin: Ich unterscheide drei Kategorien. Erstens Erholung: Das sind Unternehmen, deren Gewinn derzeit durch ein einmaliges Ereignis nach unten gedrückt wird, bei denen ich aber damit rechne, dass sich die Situation wieder normalisieren wird. Zweitens die Unterschätzten: Das sind gute Qualitätsfirmen, die im Markt derzeit als fair bewertet gelten. Oft ist der Zeithorizont dabei aber zu kurz. Langfristig sind diese Firmen unterbewertet. Und drittens setze ich auf spezielle Situationen: Hier glaube ich, dass der Markt den falschen Ansatz fährt bei der Bewertung der Firmen, etwa weil er sie falsch kategorisiert.

Sie dürfen long und short gehen. Ist das immer der gleiche Prozess?
Solomakhin: Der Prozess ist ähnlich, aber shorten ist eine ganz andere Mentalität. Darum haben wir hierfür spezialisierte Analysten. Das Team auf der Long-Seite ist mit über 160 Personen weltweit allerdings deutlich größer, weil Fidelity mehr Long-Produkte hat. Das Short-Team besteht aus fünf Personen.

Wann shorten Sie?
Solomakhin: Ich unterscheide strukturelle und taktische Shorts. Letztere sind Firmen, deren Geschäftsmodell zwar intakt ist, die aber überbewertet sind. Strukturelle Shorts sind Firmen, deren Geschäftsmodell ich für nicht überlebensfähig halte. Und am bestens haben sie noch ein schlechtes Management und wackelige Bilanzen.

Bitte nennen Sie ein konkretes Beispiel.
Solomakhin: Die Positionen darf ich aus Gründen der Compliance nicht im Detail veröffentlichen. Was ich aber sagen kann: Wir shorten derzeit beispielsweise einige Titel aus dem Social-Media-Bereich, weil die Fundamentaldaten die Bewertungen an der Börse unserer Meinung nach nicht rechtfertigen.

Und ein Beispiel von der Long-Seite?
Solomakhin: Mitte vergangenen Jahres habe ich Aktien der indonesischen Bank Rakyat gekauft. Ich hatte mir den indonesischen Bankensektor schon vor drei Jahren angesehen. Er ist sehr interessant, aber damals waren die Bewertungen noch nicht attraktiv genug. Nach dem starken Ausverkauf im vergangenen Jahr und der Abwertung der Indonesischen Rupie habe ich das gleiche gute Geschäftsmodell mit einem Abschlag von 60 bis 70 Prozent zum inneren Wert bekommen.

In welche Kategorie fällt das?
Solomakhin: Das ist ein klassischer Fall der Kategorie spezielle Situationen. Trotz guter Fundamentaldaten wurden die Kurse der Banken mit in die Tiefe gerissen.

Sie haben auch die Großbanken UBS, Citigroup und Credit Suisse im Portfolio.
Solomakhin: Alle drei haben auf Fünf-Jahres-Sicht viel Potenzial. Aus Fundamentalsicht sind sie derzeit sehr günstig bewertet. Das sind qualitativ gute Unternehmen, die in den vergangenen sechs Monaten allerdings nicht besonders gut gelaufen sind. Die Geschäftsmodelle ändern sich, und der Sektor wird immer stärker reguliert. So hat Citigroup beispielsweise vor Kurzem den Stresstest nicht bestanden.

Warum sind Finanzwerte dennoch die größte Sektorposition in Ihrem Portfolio?
Solomakhin: Ich bin vor allem in große Banken investiert und gegenüber dem MSCI World deutlich untergewichtet. Citigroup etwa hat aber ein weltweit sehr solides Retailbanking. UBS hat ein hoch qualifiziertes Asset Management und Investmentbanking und macht gute Geschäfte in Asien. Zudem sind die Banken überkapitalisiert. Das sehen viele Investoren derzeit nicht. Versicherungen kaufe ich hingegen nicht, weil ich den Sektor einfach zu wenig kenne.

Wann verkaufen Sie?
Solomakhin: Ich habe einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren auf der Long-Seite. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch früher verkaufen kann. Bank Rakyat beispielsweise hat sich deutlich schneller erholt, als ich erwartet hatte. Da bin ich gerade dabei zu verkaufen. Ich kann auf der anderen Seite aber auch sehr geduldig sein und über die fünf Jahre hinausgehen, wenn ich an den Titel glaube.

Und wie ist das auf der Short-Seite?
Solomakhin: Hier ist mein Zeithorizont deutlich kürzer. Ich handele mehr und verkaufe, wenn mein Kursziel erreicht ist. Shorten kann schnell zu einem Stolperstein werden. Denn während ich auf der Long-Seite höchstens meinen Einsatz verliere, können meine Verluste auf der Short-Seite ins Unendliche gehen. Darum sind Stop-loss-Marken das Wichtigste.

Dmitry Solomakhin startete bei Fidelity im Januar 2006 als Analyst für europäische Aktien. Im Januar 2008 wechselte er ins Portfoliomanagement für globale Aktien. Er managt den Fast Global Fund seit Auflegung