Asset Management Großbanken müssen wagen, das Undenkbare zu denken

Großbanken müssen laut Spiros Margaris wagen, das Undenkbare zu denken. | © Spiros Margaris

Großbanken müssen laut Spiros Margaris wagen, das Undenkbare zu denken. Foto: Spiros Margaris

Die Finanzbranche sollte bestehende Geschäftsgewohnheiten und -methoden immer wieder hinterfragen und gegebenenfalls neu erfinden.

Vor allem sollte sie wagen, das vielleicht aus ihrer Sicht Undenkbare zu denken, und dies immer mit dem obersten Ziel, für den Kunden einen wahren Mehrwert zu schaffen.

Es ist an der Zeit, die Rolle des Asset-Managements - auch genannt Investment Management - innerhalb einer Großbank  zu überdenken. Innerhalb des Asset-Managements werden die anvertrauten Gelder in verschiedenen Anlageklassen investiert und verwaltet.

In diesem Sinne liegt mein Vorschlag für ein Geschäftsmodell einer Großbank darin, das eigene Asset-Management unabhängig von der Bank und natürlich von der „Bank-Hausmeinung“ zu machen.

Mein Vorschlag ist nicht regulatorisch oder politisch getrieben, um die Risiken einer Großbank im Finanzplatz zu minimieren. Er kommt ausschließlich aus dem Verlangen und Gedanken, einen Mehrwert für Kunden zu schaffen und dann daraus folgend auch für das Finanzinstitut.

Das Ziel muss darin bestehen, die Leistungsqualität der Großbanken zu verbessern.

Eine radikalere Lösung besteht darin, das Undenkbare zu denken und sich konsequent vom eigenem Asset-Management in Form einer Abspaltung zu lösen, und es an mehrere Best-in-Class-Anbieter zu übertragen. Der Fokus der Großbank wird dann auf Private Banking ohne eigenes Asset-Management und, falls gegeben, mit einem Investment Banking gelegt.

Zwar lagern einige Banken bereits das Asset-Management in eigenständige Gesellschaften aus, speziell unter dem Gesichtspunkt von eventuell eintretenden Notfällen, Unabhängigkeitsbestrebungen, Glaubwürdigkeitsüberlegungen, Neupositionierungen, Unternehmenswertsteigerungen, oder ähnlichem; es sollte allerdings sichergestellt sein, dass damit ein hoher Anteil der angeboten Produkte nicht aus dem eigenem Haus stammen. Nur dann kann eine echte Diversifikation, eine sogenannte „wahre“ Offene Architektur stattfinden.

Investment Banking sollte nur dann einbezogen werden, falls die Bank ganz vorne mitspielt, die eigenen Risiken einschätzen und diese rechtlich eindämmen kann. Es darf die Bank nicht bei der nächsten Finanzkrise in den Abgrund stürzen.

Der radikale Vorschlag kann vielleicht von einer Großbank ignoriert werden, falls sie glaubwürdig zeigen kann, dass das eigene Asset-Management immer unabhängig und selbständig agiert.

Aber auch dann ist ein unabhängiges Asset-Management als eigenständige Einheit immer das glaubwürdigere Geschäftsmodell. Zudem wird die Notwendigkeit einer internen Entschuldigung entfallen, wenn die Performance durch die „Hausmeinung der Großbank“ gelitten hat.

Mit der Unabhängigkeit muss sich das Asset-Management dem harten Wettbewerb stellen, und dies gereicht zum Vorteil der Kunden und nicht zuletzt auch ihm selbst.

Die Fokussierung auf die wesentlichen objektiven Stärken und Kernkompetenzen ist das Erfolgsgeheimnis mancher Unternehmen, wie unter anderem Apple, Google oder Facebook. In diesem Ansatz liegt auch die Zukunft der Banken.

Apple ist ein gutes erfolgreiches Beispiel für die Auslagerung (Outsourcing) seiner Produktionen an Best-in-Class Partner, die manchmal auch zu ihren größten Konkurrenten, wie zum Beispiel Samsung, gehören. Es konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen und vergibt den Rest an strategische Outsourcing-Partner.

In diesem Vorschlag soll nur auf die Vorzüge einer Großbank eingegangen werden, die ihre Zukunft im Private Banking Geschäftsmodell ohne eigenes Asset-Management sieht.