691.015 Aktien zur Auswahl Wie globale Aktienfondsmanager die weltweiten Börsen filtern

Ein Polizist patrouilliert nahe der nigerianischen Zentralbank in der Hauptstadt Abuja: Nigeria gilt als einer der interessantesten Aktienmärkte Afrikas. Zahlreiche Titel gehören zu den günstigsten der Welt - zumindest nach fundamentalen Kennzahlen. | © BlOOMBERG

Ein Polizist patrouilliert nahe der nigerianischen Zentralbank in der Hauptstadt Abuja: Nigeria gilt als einer der interessantesten Aktienmärkte Afrikas. Zahlreiche Titel gehören zu den günstigsten der Welt - zumindest nach fundamentalen Kennzahlen. Foto: BlOOMBERG

Filterprodukte

Die Tabelle ist ein stark vereinfachtes Beispiel für Aktien-Filtertechnik. Als Grundlage gelten alle auf Bloomberg verfügbaren 691.015 Aktien. Abzüglich aller nicht gehandelten Werte, Nebennotierungen und Zweittitel bleiben 67.631 Aktien. Die Filter: Kurs-Gewinn-Verhältnis unter 15, Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 1, bilanzieller Verschuldungsgrad unter 40 Prozent, Dividendenrendite über 4 Prozent, Kurs-Cashflow-Verhältnis unter 7, Börsenwert über 100 Millionen Euro.





Der Vorteil liegt auf der Hand: Irgendein Aktienmarkt irgendwo auf der Welt läuft meistens. Irgendwo finden sich immer günstige Titel. Wogegen es auf kleineren Märkten schon mal eng werden kann. Doch allein die Größe des globalen Aktienparketts ist geeignet, so manchen Akteur erblassen zu lassen. 43.642 börsennotierte Unternehmen zählt die World Federation of Exchanges weltweit. Zusammen sind sie mehr als 44 Billionen Euro wert. Der Datendienst Bloomberg zählt fast 68.000 Aktien.

Der einfachste Filter überhaupt

Um der Lage Herr zu werden, schaltet so gut wie jeder globale Aktienfondsmanager Filter vor seine eigentliche Arbeit. In ihnen bleiben vollautomatisch jene Titel hängen, die ganz offensichtlich nicht ins Schema des Fonds passen. Zum Beispiel mit einem Börsenwert unter 100 Millionen Euro. Das ist häufig zu klein zum Investieren. Oder Aktien ohne freien Cashflow bei Value-Anlegern. Die mögen es nämlich gar nicht, wenn Unternehmen finanziell schwach auf der Brust sind. Der einfachste Filter ist für viele jedoch ein ganz anderer: Sie ziehen generell nur Titel in Betracht, die im MSCI World Index enthalten sind. Das sind beim Klassiker aktuell rund 1.600 Aktien und in der All-Countries-Erweiterung etwas über 2.400 Aktien.

Natürlich nutzen unterschiedliche Fondsmanager auch verschiedene Filterkriterien. Growth-Manager interessieren sich mehr für Dinge wie das erwartete Gewinnwachstum. Sogenannte Income-Fonds schauen verstärkt auf die Dividenden. Und gegen ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis hat generell kaum einer was.

Um die Funktionsweise zu verdeutlichen, haben wir einige solcher Filter auf den globalen Aktienmarkt gelegt (Grafik oben). Es sind allesamt fundamentale Value-
Filter mit gängigen Kennzahlen und ebenso gängigen Limit-Werten. Und die fördern ein interessantes Ergebnis zutage: Unter den 45 weltweit günstigsten Titeln sind gerade mal eine Handvoll Europäer und nur zwei US-Amerikaner. Dabei haben die doch noch immer den größten Aktienmarkt der Welt. Rege vertreten sind hingegen Werte aus den zuletzt ziemlich abgestürzten Schwellenländern, insbesondere China und Nigeria.

Erst nachdem alles gefiltert ist, beginnt für globale Fondsmanager die eigentliche Arbeit. Denn so gut die Filter auch funktionieren, schlechte Unternehmen können sich trotzdem durchmogeln. Um die zu finden, muss sich das Management jeden Kandidaten einzeln ansehen. Wie stark ist die Produktpalette? Wie gut ist es im Markt aufgestellt? Wie steht es um die Konkurrenz? Was taugt das Management? Solche Kriterien kann der beste Filter nicht anzeigen.





Für die Kinder nur das Beste. So sieht es offensichtlich auch Morgan-Stanley-Chef James Gorman. Als er auf einer Veranstaltung des Economic Club of Washington Auskünfte zu seinen Geldanlagen gibt, kommt er auch auf seine Kinder zu sprechen. Anstelle irgendwelcher spezieller Konstrukte bekommen die: globale Aktien. Er gehe davon aus, dass auf lange Sicht der „Rest der Welt wieder auf die Beine kommt“, so Gorman. Originell geht zwar anders. Aber wenn es um das Geld für die lieben Kleinen geht, darf es auch gern einfach mal ein Dauerbrenner sein. In gewisser Weise sind globale Aktien die Königsklasse unter den Anlageklassen, eine Anlage, die immer aktuell ist.