Zwischen Segen und Seuche Wie wir die digitale Revolution besser verstehen

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Die Begriffe „Digital“ und „Technologie“ werden oft von Medien und Kapitalmärkten in einen Topf geworfen. Es stimmt, Apple war ursprünglich ein Technologieunternehmen. Das Management von Google sprach bei seiner Börseneinführung hauptsächlich über Technologie.

Ferner, wie können wir einen digitalen „Sektor“ definieren, der per Definition alles andere als ein Sektor ist, da alle Industrien Nutznießer der Digitalisierung sind? Da viele weiter standardmäßig nicht zwischen Digital und Technologie unterscheiden, geht die Verwirrung weiter.

Erlaubt uns das tägliche Verwenden eines iPhones anstatt eines (alten) Nokia 8210 produktiver zu arbeiten? Dies kann man diskutieren, aber die Produktivität der Verbraucher wird nicht gemessen und geht nicht in Produktivitätsstatistiken ein.

Trotzdem hat Apple mit seinem iPhone ein 600 Milliarden US-Dollar Geschäft aus dem Nichts erschaffen. Apple hat Nokia, ehemals mit einem Börsenwert von 290 Milliarden Euro, fast in den Ruin getrieben. Genau wie sich der Börsenwert von Blackberry im gleichen Zeitraum durch den Faktor 21 reduziert hat.

In der Lage zu sein, jede Information jederzeit abzurufen und jederzeit kommunizieren zu können, hat einen hohen ökonomischen Wert. Aber trägt es zu höherer Produktion bei? Wahrscheinlich nicht. Dagegen ist eindeutig, dass Google, Amazon, Netflix, Airbnb, Uber, Blablacar oder Drivy sich entwickeln und in vielen Industrien Wertschöpfung betreiben.

Wir sollten aufhören als paradox anzusehen, dass die Digitalisierung der Wirtschaft nicht zu erhöhten Produktivitätszahlen führt. Digitale Unternehmen sind nicht Technologieunternehmen. Sie versuchen nicht die Produktivität ihrer Geschäftskunden zu verbessern, sondern wollen mit der Digitalisierung eine Industrie neu erfinden oder revolutionieren.

Es hilft nicht die Produktivität zu messen, um die digitale Revolution zu verstehen. Wirtschaftswissenschaftler müssen Sektor für Sektor neue „Disruptions-Indikatoren“, entwickeln, in etwa nach dem Vorbild von Ausbreitungskarten von Pandemien. Dies wird uns ermöglichen, das neue, digitale Zeitalter besser zu verstehen und seine ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen besser zu antizipieren.

Über den Autor:
Benoit Flamant ist Leiter Digital Equity Investment und Co-Fondsmanager von Finaltis Funds - Digital Leaders.

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