Vor wenigen Wochen wurde der Wertgrund Wohnselect geschlossen, nun trifft es mit dem Fokus Wohnen Deutschland den nächsten offenen Immobilienfonds. Bereits am Donnerstag wurde die Rücknahme und Ausgabe der Anteile gestoppt. Der Asset Manager Industria begründete die Maßnahme mit unzureichender Liquidität, die weder die Auszahlung von Rückgaben noch die laufende Bewirtschaftung sicherstellen könne.
Die Nettomittelabflüsse seien weiterhin hoch, eine Trendwende nicht absehbar. Seit Dezember 2025 habe sich dieser Trend beim Fokus Wohnen Deutschland noch einmal verschärft. Seit 2024 wurden zehn Objekte mit einem Gesamtvolumen von 163 Millionen Euro veräußert, um Liquidität zu schaffen. Allerdings reichten diese Verkäufe bislang nicht aus. „Der weitere Erfolg der Verkäufe ist schwer zu planen“, heißt es in der Mitteilung.
Weitere Verkäufe geplant
Geschäftsführer Thomas Wirtz betont, die Entscheidung sei nach sorgfältiger Abwägung getroffen worden, um die Interessen aller Anleger zu wahren – sowohl jener, die investiert bleiben, als auch jener, die Anteile zurückgegeben haben oder dies noch beabsichtigen. Zehn weitere Objekte stehen nun zum Verkauf. Das Ziel sei, die Anteilsrücknahme so schnell wie möglich wieder aufzunehmen, so Jens Grathwol, Leiter des Fondsmanagements bei Industria.
Der Fokus Wohnen Deutschland wurde 2015 aufgelegt und investiert schwerpunktmäßig in deutsche Wohnimmobilien in Ballungsräumen. Aktuell hält der Fonds den Angaben zufolge 45 Objekte mit insgesamt 2.743 Wohn- und 163 Gewerbeeinheiten. Das Bruttofondsvermögen beläuft sich auf etwa 993 Millionen Euro.
Chancen trotz Krise
Trotz der Krise sieht Wirtz strukturelle Chancen im deutschen Wohnimmobilienmarkt: In den Ballungsräumen übersteige die Nachfrage das Angebot deutlich, da Fertigstellungszahlen den Bedarf seit Jahren nicht deckten – das spreche für stabile Vermietungsquoten und weiteres Mietwachstum.