Stillstand Zweite Tarifrunde der privaten Banken bleibt ohne Ergebnis

Sabine Schmittroth, seit 2020 Vorstandsmitglied der Commerzbank

Sabine Schmittroth, seit 2020 Vorstandsmitglied der Commerzbank: In den aktuellen Tarifgesprächen der privaten Banken tritt sie als Verhandlungsführerin der Banken-Arbeitgeber auf. Foto: Commerzbank

Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der privaten Banken wurden gestern ohne Einigung vertagt. Es war bereits der 2. Verhandlungstermin in der aktuellen Tarifrunde des privaten Bankgewerbes. Die Parteien wollen die Gespräche nun in einer dritten Runde am 24. September 2021 in Berlin fortsetzen.

Als ergebnislos bezeichnet die Arbeitgeberseite die Verhandlungen. Die Gewerkschaftsvertreter sehen im gestrigen Ergebnis „in keiner Weise die nötige Bewegung hin zu einer Einigung“. Über die Gründe des Scheiterns gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Der Arbeitgeberverband AGV Banken sieht die Schuld bei den Gewerkschaften: Sie hätten sich bei wichtigen Themen – insbesondere Mobilarbeit und Nachwuchskräfte – nicht ausreichend bewegt und würden an ihren Maximalforderungen festhalten. „Solange sich kein realistisches Gesamtpaket abzeichnet, werden wir auch beim Kernthema Gehalt nicht vorankommen“, sagte Commerzbank-Vorständin Sabine Schmittroth, die als Verhandlungsführerin der Banken-Arbeitgeber auftritt.

Wolfgang Ermann, Vorsitzender des DBV-Verbandsrats und Verhandlungsführer der Tarifkommission privates Bankgewerbe, wiederum macht die Arbeitgeberseite für den Stillstand verantwortlich: „Der AGV verschließt sich jedweden konstruktiven Vorschlägen, den Wandel in den Bankbetrieben tariflich zu gestalten.“ Man habe mit Befremden feststellen müssen, dass die detaillierten Begründungen der Forderungen erneut keine Reaktion auf Arbeitgeberseite bewirkten hätten, so Ermann weiter.

Auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) wirft den privaten Bankenarbeitgebern nach der zweiten Verhandlungsrunde weitestgehend Stillstand vor: „Es war während der Verhandlungsrunde sehr offensichtlich, dass die Arbeitgeberseite weiter auf Zeit spielt“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck. „Zu keinem der aufgerufenen Verhandlungsthemen gab es konkrete Aussagen, obwohl die Forderungen bereits seit Wochen auf dem Tisch liegen.“

Schmittroth machte deutlich, dass der Verteilungsspielraum angesichts des zunehmend schwierigen Branchen- und Wirtschaftsumfelds äußerst gering bleibt: „In der Gehaltsfrage können wir keinesfalls die Maßstäbe früherer Tarifrunden anlegen.“ Zugleich betonten die Arbeitgeber, dass sie weiterhin zu allen Themen auf der Tarifagenda gesprächsbereit seien.

Die Gewerkschaften Verdi und DBV fordern neben 4,5 beziehungsweise 4,8 Prozent mehr Gehalt unter anderem die Einführung der 38-Stundenwoche, einen Rechtsanspruch auf Umwandlung von Gehaltserhöhungen in Freizeit, ein Recht auf Homeoffice und bessere Konditionen für Nachwuchskräfte. Die Verhandlungen hatten Anfang Juli begonnen. Die privaten Banken verhandeln seit 1972 erstmals getrennt von den öffentlichen Banken.