Zweifacher Gewinner der Firstfive-Awards „Unser Investmentprozess hat sich weiterentwickelt“

Stellt Risikominimierung über Ertrag: Michael Rath, Leiter Portfoliomanagement von Raiffeisen Capital Management

Stellt Risikominimierung über Ertrag: Michael Rath, Leiter Portfoliomanagement von Raiffeisen Capital Management

private banking magazin: Bei der diesjährigen Firstfive-Gala hat Ihr Haus die Awards für die beste risikogewichtete Performance über 12 und 36 Monate gewonnen. War die Rendite- oder die Risikoseite ausschlaggebende für den Erfolg?

Michael Rath:
Ganz klar die Risikoseite. Wir pflegen die Maxime: Risikominimierung vor Ertragsmaximierung, deshalb freut uns dieser Erfolg umso mehr.

Erklären Sie uns bitte den Investmentprozess Ihrer Vermögensverwaltung.

Rath:
Wir verfolgen einen sehr disziplinierten Investmentprozess, der von einem erfahrenen Team verantwortet wird. Bei der Entscheidungsfindung werden neben fundamentalen Faktoren auch quantitative Inputs berücksichtigt. Eine unserer Kernkompetenzen ist unsere aktive Asset Allocation.

Welche Instrumente setzen Sie im Risikomanagement ein?

Rath: Risikomanagement ist für uns ein integraler Bestandteil des Investmentprozesses. Das Risikomanagement erfolgt einerseits im Asset Management von der Strategieebene bis auf die Wertpapierebene und wird durch ein unabhängiges Risikocontrolling der Abteilung Risikomanagement ergänzt.

Für welche letztjährigen Marktereignisse – schlechter Jahresstart, Brexit-Referendum, US-Präsidentschaftswahl, Sektorrotation – haben Sie sich richtig positioniert und wo lagen auch Sie etwas daneben?

Rath: Rückblickend sind wir zu optimistisch ins Jahr 2016 gestartet, haben unsere Positionierung aber rasch revidiert und waren deshalb im ersten Halbjahr bei Aktien etwas zu vorsichtig positioniert. Als sich die Kursturbulenzen nach dem positiven Brexit-Votum beruhigten, haben wir sehr rasch reagiert und Aktien gekauft. Mit unserer Übergewichtung bei Aktien konnten wir in der Folge sehr gut von der Börsenrally im Herbst 2016 profitieren.

Welcher der erwähnten Ereignisse konnte man Ihrer Meinung nach gut vorhersehen, welche nicht?

Rath: Es zeigte sich wieder einmal wie schwer der Ausgang politischer Ereignisse wie die des Brexit-Referendums oder der US-Präsidentenwahl und deren Auswirkungen auf die Börsen zu prognostizieren sind. Das hat uns darin bestätigt, dass wir unsere Anlageentscheidungen entsprechend unserem bewährten, fundamental orientierten Investmentansatz treffen.

Blicken wir auf die vergangenen Jahre zurück und das Aufkommen der sogenannten neuen Normalität. Haben Sie am generellen Investmentprozess Ihres Hauses etwas geändert?

Rath:
Unser Investmentprozess hat sich in den vergangenen Jahren selbstverständlich weiterentwickelt, einmal jährlich machen wir ein kritisches Review. Auf die veränderten Bedingungen am Kapitalmarkt – sprich Niedrigzinsumfeld – reagieren wir aber primär durch unsere aktiven Entscheidungen, nicht durch eine Anpassung im Investmentprozess. Risikomanagement war und ist ein integraler Bestandteil.

Welches Marktsegment ist aus Ihrer Sicht für aktives Fondsmanagement besonders geeignet?

Rath: Es gibt kein spezielles Marktsegment, das dafür besonders gut oder schlecht geeignet wäre. Einzelne Marktsemente wie US-Aktien sind bereits sehr effizient, was aktives Management schwieriger macht. Als aktiver Manager bevorzugen wir in allen Asset-Klassen aktives Management. Am wichtigsten ist dabei sicher die klassische Entscheidung Aktien versus Anleihen.

Ab welcher Vermögenshöhe können Kunden Ihre Vermögensverwaltung in Anspruch nehmen?

Rath: Wir bieten unsere Vermögensverwaltung ab einem Investmentvolumen von 150.000 Euro an.

Was treibt Sie für 2017 in der Vermögensverwaltung um?

Rath: Nachhaltigkeit in der Vermögensverwaltung wird sicherlich ein Thema sein, da Kunden zunehmend auch verantwortungsvoll investieren möchten. Generell ist unser Ausblick für 2017 – trotz einiger Unsicherheitsfaktoren – aufgrund der guten konjunkturellen Lage und den soliden Unternehmensergebnisse positiv. Es gilt dennoch die Kapitalmarktentwicklung genau zu beobachten. Aufgrund unserer aktiven Asset Allocation ist es uns jedoch möglich, rasch auf geänderte Rahmenbedingungen zu reagieren.

 

Über den Interviewten:
Michael Rath ist Leiter Portfoliomanagement von Raiffeisen Capital Management und seit Juli 2002 bei dem Unternehmen beschäftigt. Zuvor war er von Juli 2000 bis Februar 2001 im Fondsmanagement der damaligen Capital Invest, heute Pioneer Investments Austria beschäftigt.