Zunehmende Marktvolatilität So erstellt man schwankungsarme Aktien-Portfolios

Ufuk Boydak ist Vorstand von Loys und Fondsmanager des Loys Global L/S

Ufuk Boydak ist Vorstand von Loys und Fondsmanager des Loys Global L/S

In jedem Risiko steckt auch eine Chance, heißt es. Das gilt auch und in ganz besonderem Maße für die Aktienmärkte. Seit Anfang Dezember kam es dort zu heftigen Turbulenzen. Ende November notierte der deutsche Leitindex Dax noch bei 11.382 Punkten. Dann aber brach der Markt ein und bis Mitte Februar ging es bis auf 8.752 Punkte nach unten. Ein Minus von über 20 Prozent. Ende März knackte der Dax wieder die 10.000er Marke.

An so heftige Kursausschläge werden sich Anleger gewöhnen müssen. Denn in den vergangenen Jahren kam es zu einer Art Neubewertung, einem Re-Rating, an den Aktienmärkten. Investoren sind seit vergangenem Jahr bereit, den Unternehmen am Aktienmarkt eine höhere Bewertung zuzugestehen als früher.

Der Grund: das Zinsniveau. Denn bei einem Zins von null Prozent oder sogar darunter sind 3 oder 4 Prozent Rendite bei anderen Anlageklassen äußerst anziehend. Es war diese antagonistische Wechselwirkung zwischen Aktien und Zinsen, die die Aktienkurse nach oben getrieben hat.

Der Haken: Auf diesem höheren Niveau sind Anleger sensibel für schlechte Nachrichten, das bedeutet, dass die Märkte schnell umstürzen können. Genau das war in den vergangenen Monaten gut zu beobachten. Da kamen mehrere Dinge zusammen: die Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed, dazu schwächere Konjunkturdaten aus China, die Schwierigkeiten etlicher Schwellenländer und der anhaltende Ölpreisverfall.

Bei erneut enttäuschenden Konjunkturdaten drohen deshalb erneut Rückschläge – die zudem durch das prozyklische Verhalten vieler Investoren verstärkt werden.

Anleger stehen vor einem Dilemma

Einerseits sind Aktien auf Grund der extrem niedrigen Zinsen alternativlos, andererseits müssen sie in dieser Anlageklasse mit hohen Kursschwankungen leben. Volatilitäten eröffnen aktiven und erfahrenen Aktienfondsmanagern Chancen, da in einem solchen Umfeld, wie zu Jahresbeginn, prozyklisch in der Regel alle Werte verkauft werden – ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht. In jedem Fall ermöglicht das irrationale Vorgehen der Anlegermasse, bei qualitativ guten Titeln am Aktienmarkt einzusteigen.

Doch kann eben auch nicht jeder Anleger mit hoher Volatilität leben. Aus diesem Grund sind Konzepte gefragt, mit denen Investoren abgesichert und schwankungsarm in Aktien investieren können. Genau das setzt der Loys Global L/S um.

Wir setzen im Fonds antizyklisch auf qualitativ gute und unterbewertete Unternehmen, die wir durch Short-Positionen auf Marktindizes absichern. Bei der geographischen Auswahl der Einzeltitel liegt der Fondsfokus bei Firmen auf sich langfristig stabil entwickelnden Industrien aus Europa, den USA und den entwickelten Ländern Asiens. Was die strukturelle Analyse der Einzeltitel betrifft, konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die über ein nachweislich erfolgreiches Geschäftsmodell sowie ein solides und vertrauenswürdiges Management verfügen.

Zudem ist neben den üblichen Kennziffern zur Unternehmensbewertung die Cashflow-Stärke ein entscheidender Faktor. Diese Kennzahl gibt an, was nach allen notwendigen Investitionen und Kosten für die Aktionäre übrigbleibt. Ferner muss ein Unternehmen einen Bewertungsabschlag von wenigsten 30 Prozent gegenüber dem von ihm errechneten fairen Wert aufweisen. Die so herausgefilterten 60 bis 80 Titel werden mit maximal zwei bis zweieinhalb Prozent im Portfolio gewichtet, wobei wir die Gewichtungen immer wieder anpassen.

Korrekturphasen nutzen

Und genau bei den so identifizierten Titeln ergeben sich dann in Korrekturphasen Chancen. So haben wir beispielsweise den Kursrückgang Anfang des Jahres genutzt, um unsere Portfolioposition bei Implenia, einem Schweizer Bauunternehmen, aufzustocken. Andere Beispiele für Unternehmen, die unseren Kriterien entsprechen, sind die Deutsche Post oder der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof.

In einem zweiten Schritt folgt die Absicherung des Portfolios über Marktindizes des jeweiligen Landes: Zum Beispiel sichern wir eine Allokation von zehn Prozent in deutschen Aktien stets mit mindestens 7 Prozent durch eine Short-Position auf den Dax-Future ab. Beobachten wir, dass der Markt zu teuer wird, können wir die Absicherung auf bis zu 10 Prozent erhöhen. Fallen dagegen die Kurse, dann greift die Short-Seite und dämpft die Verluste. So können wir zu einem schwankungsärmeren Portfolio kommen.

Diese Vorgehensweise der Absicherung über Terminkontrakte auf Aktienmarktindizes hat zudem zwei gewichtige Vorteile: Zum einen ist sie kostengünstig und bietet ein hohes Maß an Flexibilität. Zum anderen sichern wir auf diese Weise Aktien durch Aktien ab. Während die Absicherung über Anleihen zuletzt nicht immer funktionierte, weil diese zeitweise einen sehr hohen Gleichlauf mit Aktien hatten, liegt die Korrelation bei unserer Vorgehensweise stets bei null oder im negativen Bereich.