Zinsspezialist Mario Eisenegger Grüne Anleihen profitieren vom EU-Wiederaufbaufonds

Mario Eisenegger ist Spezialist für festverzinsliche Anlagen: In seinem Gastbeitrag analysiert er den Markt für grüne Anleihen vor dem Hintergrund des milliardenschweren EU-Wiederaufbaufonds. | © M&G

Mario Eisenegger ist Spezialist für festverzinsliche Anlagen: In seinem Gastbeitrag analysiert er den Markt für grüne Anleihen vor dem Hintergrund des milliardenschweren EU-Wiederaufbaufonds. Foto: M&G

Der im Mai dieses Jahres im Rahmen einer deutsch-französischen Initiative vorgestellte und mit 750 Milliarden Euro ausgestattete Wiederaufbaufonds der Europäischen Union (EU) ist eine große politische Errungenschaft. Und auch umweltbewusste Anleger begrüßen den Plan: Der Wiederaufbaufonds kann Ressourcen nämlich nicht nur in schwer betroffene Branchen leiten, sondern auch in Wirtschaftszweige, die nicht direkt vom Virus betroffen sind, zum Beispiel in grüne Technologie und Infrastruktur.

Noch ist zwar nicht klar, welcher Anteil der künftigen EU-Anleiheemissionen auf die sogenannten grünen Anleihen (Green Bonds) entfallen wird, aber warum sollte die EU nicht ihre Flexibilität nutzen, um ihr Ziel zu verfolgen, bis 2050 der erste CO2-neutrale Kontinent zu werden? Dem Markt für Green Bonds – dessen beeindruckendes Wachstum der letzten Jahre 2020 vorerst gestoppt wurde – würde dies zweifellos einen dringend benötigten Schub geben.

Grüne Anleihen der EU dürften – abhängig von der Preisgestaltung – im Markt durchaus auf Interesse stoßen, vor allem bei passiven Anlegern und Investoren mit strengen Mandaten für qualitativ hochwertige Anlagen. Es wird erwartet, dass EU-Green-Bonds mit einem AAA-Rating ausgezeichnet werden und damit eine interessante Alternative zu bestehenden risikofreien Anlagen, wie zum Beispiel deutschen Bundesanleihen, bieten könnten. Zu beachten ist: Obwohl sich die EU in den kommenden Jahren zu einem bedeutenden Emittenten von Schuldtiteln entwickeln wird, werden alle ausstehenden EU-Anleihen zusammen immer noch nur einen Bruchteil der ausstehenden deutschen Bundesanleihen ausmachen.

Wir gehen daher davon aus, dass die Green Bonds der EU mit einer kleinen Liquiditätsprämie gegenüber Bundesanleihen gehandelt werden. In den von der EU emittierten Anleihen wird auch das Risiko einer Änderung der Denominierung eine Rolle spielen. Das Risiko wird sich ebenfalls in einer gewissen Spread-Prämie niederschlagen. EU-Green Bonds könnten aus diesem Grund nicht nur für Anleger in nachhaltige Anleihen attraktiv sein, sondern auch für Portfoliomanager, die nach risikofreien Anlagen mit einem geringen Renditeaufschlag suchen. Dazu kommt außerdem noch ein interessanter technischer Faktor, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Kaufprogramm zur Verfolgung nachhaltiger Ziele nutzt.

Schub für Emissionen

Wie Regierungen Geld ausgeben, ist immer eine politische Entscheidung. Da Green Bonds speziell Fragen der ethischen Finanzierung und der langfristigen Nachhaltigkeit ansprechen, könnten sie dazu beitragen, die Bereitschaft zu einer höheren Verschuldung zu steigern, um das Wirtschaftswachstum durch Investitionen in umweltfreundliche Projekte anzukurbeln.

Den aktuellen Vorreitern bei Green Bonds in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Chile und Irland werden sich deshalb wohl weitere Länder anschließen. Deutschland plant die Emission der ersten grünen Bundesanleihe im September. Auch Spanien und Dänemark haben kürzlich Interesse an der Emission grüner Anleihen bekundet. Staaten können mit diesem Instrument Umweltziele und wirtschaftliche Anreize kombinieren.