Zinskommentar von Kurt Neuwirth Wo die Gefahr einer Immobilienblase am größten ist

Zinskommentar von Kurt Neuwirth: Wo die Gefahr einer Immobilienblase am größten ist

Der Einbruch von Home Capital hat zumindest wieder einmal zeigen können, dass Trends sich unmittelbar umkehren, sobald gewisse Marktteilnehmer ins Schwanken geraten. So erlebten viele kanadische Wettbewerber einen radikalen Kollaps der Aktienkurse infolge der Schieflage von Home Capital. Die Gründe für den Zusammenbruch mögen andere sein als 2007, dennoch sieht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs eine dreißigprozentige Chance für einen Einbruch der Immobilienpreise in Kanada in den nächsten zwei Jahren. Das liegt unter anderem an der hohen Bauaktivität, die über der demografischen Zuwanderung verweilt und an der starken Verschuldung der privaten Haushalte. Das höchste Risiko eines Preiseinbruchs haben Schweden und Neuseeland mit 35 bis 40 Prozent, womit besonders kleinere, offene Volkswirtschaften ein größeres Risiko besitzen. In Norwegen, Australien und der Schweiz liegt aktuell laut Goldman Sachs das Risiko zwischen 20 und 25 Prozent.

Zwar sind die Werte pauschal schwer einzuordnen, jedoch immer noch unter dem Niveau kurz vor der Finanzkrise. Goldman Sachs stellt aber besonders in den kleineren G10-Staaten wie Neuseeland, Schweden, Australien und Kanada eine Überbewertung der Häuserpreise fest (s. Grafik). In den USA erreichen die Immobilienpreise wieder langsam das Niveau vor der Finanzkrise. Vertraut man den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) scheint an Deutschland ein „ungesunder“ Immobilienboom vorbei zu gehen.

Im Städtevergleich besetzt die schweizerische Bank UBS Vancouver mit dem höchsten Risiko einer Blase, gefolgt von London, Stockholm, Sydney und München. Dies verstärkt die Analysen von Goldman Sachs, dass die Länder Schweden, Kanada und Australien eines erhöhten Risikos ausgesetzt sind. Zwar ist München hoch angesiedelt im Ranking, dennoch konnte Deutschland durch seine Fülle an Wirtschaftszentren eine zu starke Konzentration auf bestimmte Regionen verhindern.

Goldman Sachs sieht ebenso, dass Preiseinbrüche am Immobilienmarkt zu oft prognostiziert werden, jedoch ist in Australien, Neuseeland und Kanada eine derartige Wertsteigerung zu beobachten, dass es sich zumindest lohnt, sich damit auseinander zu setzen. Sollten die günstigen Finanzierungsbedingungen in geraumer Zukunft aufgrund von Zinssteigerungen nicht mehr realisiert werden können, erhöht sich durchaus der Druck auf viele Haushalte und damit das Risiko einer Abwärtsspirale der Immobilienpreise.

Markt-Monitoring und Ausblick

Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor bleibt stabil und steht nach minimalen Schwankungen bei minus 0,329 Prozent. Ein leichtes Abfallen in Richtung minus 0,4 Prozent halten wir nach wie vor für sehr wahrscheinlich. Dies ist der aktuelle Stand der Einlagenfazilität der EZB.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz fällt leicht und liegt derzeit bei 0,69 Prozent. Wir erwarten weiterhin niedrige SWAP-Sätze zwischen 0,20 Prozent bis  1,00 Prozent.