Zeitenwende in der Kundenberatung Nachhaltigkeits-Trend hält Einzug in die Vermögensverwaltung

Wasserfall im französischen Haute-Garonne führt klares Wasser: Saubere Investments im Sinne der Nachhaltigkeit sind auch in der Vermögensverwaltung für die Private-Banking-Klientel auf dem Vormarsch. | © imago images / Hans Lucas

Wasserfall im französischen Haute-Garonne führt klares Wasser: Saubere Investments im Sinne der Nachhaltigkeit sind auch in der Vermögensverwaltung für die Private-Banking-Klientel auf dem Vormarsch. Foto: imago images / Hans Lucas

Der EU-Aktionsplan für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums schreitet zügig voran: Am 10. März 2021 tritt die Offenlegungsverordnung in Kraft. Sie verpflichtet Finanzmarktteilnehmer, ihre aktuellen Verfahren zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken offenzulegen, deren Einfluss auf die Rentabilität der getätigten Investitionen anzugeben sowie Angaben hinsichtlich nachhaltiger Anlagestrategien bereitzustellen.

Höchste Zeit also, sich in der deutschsprachigen Private-Banking-Branche vor Inkrafttreten einmal umzuhören: Wie viele und welche nachhaltigen Strategien haben die einzelnen Häuser in der Vermögensverwaltung im Angebot? Und welche Nachhaltigkeitsansätze kommen beim Management zum Einsatz?

Erste Adresse: der Branchenprimus. Bei der Deutschen Bank können Wealth-Management-Kunden in der Vermögensverwaltung derzeit zwischen zwei ESG-Konzepten wählen: Best-in-Class und Ausschluss. Beide Ansätze lassen sich in fünf Strategien umsetzen, die sich je nach Rendite-Risiko-Profil des Kunden in ihrer Asset Allocation unterscheiden. Der zurzeit im Deutsche Bank Wealth Management am häufigsten nachgefragte ESG-Ansatz bedient sich der Research-Daten des Anbieters MSCI ESG Research. In erster Linie kommen Einzeltitel ins Depot, ausgewählt nach dem Best-in-Class-Prinzip. Jedoch lassen sich bestimmte Anlageklassen oder Regionen via Fonds und ETFs beimischen. Auch die Investmentprodukte gehören nach MSCI-Maßstäben zu den Besten ihrer Klasse: Sie müssen ebenso wie Einzeltitel im Vergleich zu ihren Wettbewerbern mindestens eine Bewertung im oberen Drittel aufweisen.

Einen klaren Einzelwert-Ansatz verfolgt die Commerzbank in der Portfoliokonstruktion ihrer nachhaltigen Vermögensverwaltung. Die Bank legt nämlich einen hohen Wert auf bestmögliche Transparenz ihrer Anlagen. Dennoch ist der Einsatz von ETFs ergänzend möglich, wenn diese auf anerkannte Nachhaltigkeitsindizes abzielen, die den ESG-Kriterien der Commerzbank entsprechen. Die Nachhaltigkeitsstrategie des Hauses vereint ebenfalls Ausschlusskriterien mit einem Best-in-Class-Ansatz. „Als Investment-Manager können wir weniger über Engagement Einfluss nehmen“, erklärt Peter Körndl, Leiter des nachhaltigen Asset Management der Commerzbank. Das Institut analysiert jedoch die mögliche Wirkung der Investments, die sogenannte nicht-finanzielle Rendite. Bei entsprechendem Kundenprofil, heißt mit steigendem Anlagevermögen, könne die Commerzbank auch individuelle Strategien anbieten.

Ähnlich äußert sich Ralf Mielke, Leiter nachhaltige Anlagen bei Julius Bär Deutschland: „Für größere Kunden setzen wir individuelle Lösungen um, beispielsweise reine Aktienstrategien.“ Darunter liegt die Einstiegshürde für einen einheitlichen Nachhaltigkeitsansatz in der Vermögensverwaltung bei einer Million Euro Anlagevermögen. Kunden dieser Größe bietet die Deutschland-Tochter der Schweizer Großbank nachhaltige Multi-Asset-Strategien für die Risikoprofile Einkommen, Ausgewogen und Wachstum. Auch Julius Bär Deutschland setzt bei den Anlagestrategien sehr stark auf Einzeltitel. Nur auf diese Weise lasse sich ein konsistenter Nachhaltigkeitsansatz gewährleisten. SRI-ETFs oder aktive Fonds kommen ergänzend als taktische Instrumente zum Einsatz oder für Anlagen, für die sich eine breite Streuung nur schwierig über Einzelinvestments darstellen lässt. Auch Fonds unterzieht die Bank zunächst einem Screening. Der Nachhaltigkeitsansatz von Julius Bär Deutschland basiert zunächst auf einem Ausschlussverfahren. Im zweiten Schritt folgt eine Best-in-Class-Analyse, die auf einem Mindest-Nachhaltigkeits-Rating beruht und im dritten Schritt um eine thematische Analyse ergänzt wird. Beim letztgenannten Punkt untersucht die Bank den Nutzen der Unternehmen und Emittenten in Bezug auf die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDG).