Zeit, Qualität, Preis Was mit der Demokratisierung des Wealth Managements gemeint ist

Sebastian Hasenack leitet den digitalen Vermögensverwalter Solidvest. | © Solidvest

Sebastian Hasenack leitet den digitalen Vermögensverwalter Solidvest. Foto: Solidvest

Zwei wesentliche Trends haben immer größeren Einfluss auf das Wealth Management. Mit ihnen geht eine gravierende Veränderung in der Anlageberatung einher. Der erste Trend ist die digitale Dienstleistung. Die wesentliche Eigenschaft einer solchen Dienstleistung ist die beliebige Reproduzierbarkeit beziehungsweise Skalierbarkeit.

Aufgrund der technologischen Entwicklung haben sich vollständig neue Dienste etabliert, welche über Plattform-Modelle zum Teil im direkten Wettbewerb zu herkömmlichen Geschäftsmodellen stehen. Bekannt ist diese Entwicklung bereits aus der Hotel- oder Musikindustrie. Die digitale Peer-to-Peer-Vermietungs-Plattform Airbnb und der schwedische Streaming-Dienst Spotify sind nur zwei Beispiele dafür.

Der zweite Trend, der das Wealth Management maßgeblich beeinflussen wird, ist die in Breite verfügbare Individualisierbarkeit. Diese gibt es in der Industrie bereits heute. Ein Beispiel ist die additive Fertigung, besser bekannt als 3D-Druck. Mit diesem Verfahren können Unternehmen kundenindividuelle Bauteile in großen Mengen anfertigen. Damit fällt in der industriellen Fertigung mithilfe neuer Technologie die Losgröße auf 1.

Von der Industrie zur Finanzwelt

Die Digitalisierung von Kernprozessen und eine damit einhergehende Individualisierung von Produkten – ohne hohe Stückkosten – lassen sich natürlich auch auf das Thema Geldanlage übertragen. Das ist einer der Gründe, weshalb es in der Zukunft nicht statischen Finanzprodukten geben wird, sondern die digital unterstützte Finanzdienstleistung.

Kunden nehmen eine Dienstleistung aus einem Grund in Anspruch, nämlich um ihren persönlichen Nutzen zu maximieren. Das gilt selbstredend auch für die Finanzdienstleistung. In einzelne Komponenten aufgebrochen steht hinter dem Kundennutzen in der Finanzdienstleistung jeweils die Optimierung von Zeitaufwand, Qualität und Preis.

 Quelle: Eigene Darstellung

Die Qualität der Dienstleistung lässt sich anhand verschiedener Kriterien messen. Neben der erzielten Rendite des Portfoliomanagements rücken beispielsweise Ausschlusskriterien oder ethische Filter zunehmend in den Fokus der Anleger. Die Qualität ist damit zukünftig nicht singulär über Performance messbar, sondern wird zunehmend gemäß dem individuellen Kundennutzen definiert. Hohe Individualität in der Portfoliosteuerung und die Adaption von persönlichen Wertvorstellungen, Weltanschauungen und Interessen, ermöglichen eine bisher nicht darstellbare Identifikation für den Kunden. Das heißt: Die Bewertung der Anlage aus Kundensicht erfolgt gleichermaßen quantitativ und qualitativ.